# taz.de -- Geheime Waffenfabrik in Russland: Putins Bombenbauerinnen
       
       > Um Kamikazedrohnen in Massen herzustellen, wirbt Russland gezielt junge
       > Frauen aus Afrika an. Was ihnen versprochen wird und was wirklich
       > passiert.
       
 (IMG) Bild: Motorboot oder Drohne? Eine russische Drohne über dem Himmel von Kyjiw, Ukraine, 17. Juni 2025
       
       Kampala taz | Jane setzt sich die Schutzmaske auf das krause Haar mit den
       roten Strähnchen. Ihre Hände stecken in dicken Schutzhandschuhen. Ein
       russischer Ausbilder zeigt der Afrikanerin, wo sie die Schweißnaht ansetzen
       soll. Funken sprühen. Die beiden stehen an einer Werkbank in einer
       Fabrikhalle in Russland und werden gefilmt: Eine Bauchbinde wird in das
       Video eingeblendet. „Jane – Schweißerin – Gehalt: 500 $“, steht da.
       
       Solche Videos werben derzeit in afrikanischen sozialen Medien für ein
       Ausbildungs- und Arbeitsprogramm in Russland. Schweißerin, Logistikerin,
       Bauingenieurin, Reinigungskraft oder Bedienung im Restaurant – die Zukunft
       der jungen Afrikanerinnen sieht in diesen Videoclips blendend aus:
       „Erreiche deine Ziele“, „überwinde die Herausforderungen“, sagt die Stimme
       im Hintergrund auf Englisch. Mit Gehaltsaussichten bis zu 4.000 Dollar nach
       einem halben Jahr und „Reisemöglichkeiten im größten Land der Erde“ wird
       gelockt.
       
       Alabuga heißt die russische Firma in der gleichnamigen
       Sonderwirtschaftszone in der russischen Region Tatarstan, die mittlerweile
       rund tausend junge Frauen im Alter zwischen 18 und 22 Jahren aus 85 Ländern
       beschäftigt, die meisten aus Afrika, darunter Kamerun, Burkina Faso,
       Sambia, Somalia, Burundi oder Uganda.
       
       Aus welchem Land Jane kommt, die in gleich mehreren Alabuga-Filmchen
       auftaucht, ist nicht ersichtlich. Im Video „Arbeiten und Reisen“ bezieht
       Jane ihr Bett im modernen Wohnheim nahe dem Fabrikgelände. In ihrer
       Freizeit spielt sie Hockey auf dem Rasen des Sportzentrums oder sitzt
       abends am Lagerfeuer mit ihren afrikanischen Kolleginnen. Im Video
       „Arbeiten und Heiraten“ lernt Jane im Alabuga-Einkaufszentrum einen
       russischen Geschäftsmann kennen, der lässig seine Ohrstöpsel hängen lässt.
       In der nächsten Sequenz fährt sie in seiner Limousine vor, spaziert
       schwanger in ein schickes Café und blickt verliebt in die Kamera.
       
       ## Bei Alabuga arbeiten tausend junge Frauen
       
       Klar ist: Alabuga sucht händeringend nach Arbeitskräften. In dieser
       Steueroase, rund zehn Kilometer außerhalb der Stadt Jelabuga in Tatarstan,
       haben sich 43 Fabriken und Firmen angesiedelt, es ist derzeit die größte
       Sonderwirtschaftszone Russlands. Darunter sind Hersteller für
       Fensterscheiben, für Glasfaser, für Autokarosserien, chemische Dünger oder
       Klopapier.
       
       In der Fabrikhalle Alabuga-Maschinenherstellung werden offiziell Motorboote
       gefertigt. „Wir haben jedoch herausgefunden, dass dies nur eine Fassade
       ist“, so Spencer Faragasso vom Institut für Wissenschaft und Internationale
       Sicherheit in Washington zur taz: „für die geheime Produktion der
       Shahed-Kampfdrohnen, die in Russland Geran-2 Drohnen genannt werden.“ Der
       Drohnenexperte hat Satellitenbilder und geleakte Dokumente ausgewertet und
       kommt zu dem Schluss: „Wir schätzen, dass 90 Prozent der aus Afrika
       angeworbenen Arbeiterinnen im Drohnenprogramm arbeiten.“
       
       Und tatsächlich: In einem der Videos auf der Alabuga-Webseite lackieren
       zwei junge afrikanische Frauen ein Bauteil, das aussieht wie die Tragfläche
       einer Drohne. Genau dasselbe Teil ist auch in der Bauanleitung der
       iranischen Shahed-Drohnen zu sehen, die mit „Bauanleitung für das
       Motorboot“ betitelt ist und der taz vorliegt.
       
       [1][Shahed-Drohnen sind für Russlands Krieg gegen die Ukraine
       entscheidend.] Fast jede Nacht fliegen Hunderte davon auf ukrainische
       zivile Ziele. „Fliegende Mopeds“ werden sie von ukrainischen Soldaten
       genannt, weil ihr Zwei-Takt-Motor beim Anflug knattert. „Es sind quasi
       fliegende Bomben“, so Faragasso: „Kamikazedrohnen, die explodieren, wenn
       sie aufschlagen.“
       
       Sie seien preiswert und einfach herzustellen, also für die Massenproduktion
       geeignet. „Denn sie bestehen nur aus Glasfaser, einem Motor und einem
       Propeller und können mehrere hunderte Kilometer fliegen“, so Faragasso. Sie
       können in Schwärmen gestartet werden, „um die Luftabwehr erfolgreich außer
       Gefecht zu setzen.“ [2][Derzeit nutzt Russland Schwarmangriffe als
       taktisches Mittel, ähnlich wie Iran bei seinen Luftangriffen gegen Israel
       im Juni.]
       
       ## Anwerbung über Online-Dating-Plattformen
       
       Dies ist kein Zufall. Russische und iranische Dokumente, die der taz
       vorliegen, lassen darauf schließen, dass die Drohnen zunächst in
       Einzelteilen aus Iran importiert und dann in Alabuga nur zusammengebastelt
       wurden, wie ein Baukasten. Die Bezahlung erfolgt über eine Bank in Dubai.
       Dies bezeugen ein Kaufvertrag sowie eine Überweisungsbestätigung. Unter den
       geleakten Akten ist auch das Programm für den neuntägigen Besuch einer
       iranischen Delegation im März 2023, gut ein Jahr nach Kriegsbeginn. „Als
       der Krieg begann hatten die Russen keine Erfahrungen in der
       Drohnenfabrikation“, so Faragasso. „Also kooperierten sie zunächst mit
       Iran.“ Seit April 2024 steht Alabuga auf der US-Sanktionsliste, seit
       Februar 2025 auch auf der EU-Sanktionsliste.
       
       Mittlerweile stellen die Russen fast alle Komponenten selbst her, auch in
       größerer Stückzahl. Aus den Dokumenten geht hervor: 2023 wurden rund 4.500
       Drohnen für die russische Luftwaffe gefertigt. Ziel war, die Zahl im Jahr
       2025 auf 6.000 zu erhöhen.
       
       Dazu benötigte Alabuga, vollständig im Besitz des Verwaltungsbezirks
       Tatarstan, fleißige Arbeitskräfte. Da Russland junge Männer lieber an die
       Front schickt, entstand in der Sonderwirtschaftszone ein polytechnisches
       Institut, um junge russische Schulabgänger*innen mit einer
       betriebsinternen Ausbildung zu locken. Rasch wurde das Programm ausgeweitet
       auf Tadschikistan, wo die Jugendarbeitslosigkeit hoch und die Sprache mit
       dem iranischen Farsi verwandt ist, was das Lesen der technischen Baupläne
       erleichtert.
       
       Als auch das nicht ausreichte, begann die Personalabteilung laut Recherchen
       des russischen Onlinemagazins Protokol, afrikanische Studentinnen in
       Russland anzuwerben, teils über Online-Dating-Plattformen wie Tinder. Wie
       Faragasso erläutert: „Denn sie haben in ihren Heimatländern meist weniger
       Jobchancen und sind damit anfälliger für potenzielle Ausbeutung.“
       
       Satellitenbilder aus dem Jahr 2022 zeigen ein separates Wohnheim für die
       Arbeiterinnen neben der Fabrikhalle. Im polytechnischen Institut wurde ein
       Studienprogramm auf Englisch aufgesetzt. Im Herbst 2022 fand die erste
       Immatrikulation ausländischer Studentinnen statt, 25 insgesamt. Sie heißen
       „Mulatkis“, übersetzt „Mulatten“ – ein rassistischer Begriff. Laut einem
       Personalplan werden die Arbeitskräfte nach Herkunft unterteilt: „Mulatten,
       Tadschiken und Spezialisten“. Seit Ende 2022 wirbt das internationale
       Rekrutierungsprogramm „Alabuga-Start“ über eine Internetseite gezielt junge
       Frauen in Afrika und Lateinamerika an.
       
       ## Drohnen statt Motorboote
       
       „Der Wunsch, ins Ausland zu ziehen und dort zu leben, ist bei uns weit
       verbreitet“, erklärt Nicole Letaru. Die 35-jährige Uganderin sitzt in einem
       Café in Ugandas Hauptstadt Kampala und trinkt Melonensaft. Die Influencerin
       berät junge Ugander*innen, die im Ausland arbeiten möchten. Auf ihrem
       Youtube-Kanal stellt sie weltweit Jobs und Ausbildungsprogramme vor.
       
       Auch für Alabuga hat sie geworben. „Dort könnt ihr eure Karriere
       voranbringen und euer Leben für immer verändern“, so Letaru in ihrem Post
       im Jahr 2024. In ihrem 10-minütigen Video führt die Trainerin durch die
       Bewerbungsbedingungen: Russischkurse und medizinische Untersuchungen seien
       Pflicht, erklärt sie. Dafür übernehme Alabuga die Kosten für den Flug und
       die Unterkunft, die „mit Kühlschrank und Waschmaschinen ausgestattet sind“,
       betont sie.
       
       Letaru hat 2019 selbst in Sibirien gelebt und als Englischlehrerin
       gearbeitet. Sie liebte das russische Essen und hasste die kalten Winter.
       Dass sie nicht nur für IT-Jobs in Indien oder Verwaltungsstellen bei der
       UNO wirbt, sondern auch für russische Motorboothersteller, findet sie nicht
       ungewöhnlich.
       
       „Doch ich wurde dafür stark kritisiert“, räumt sie ein. Eine Uganderin, die
       in Alabuga arbeitet, schrieb ihr: „Die Bezahlung dort entspricht nicht dem,
       was uns versprochen wurde“, berichtet Letaru. Die Kosten für den Flug, für
       Unterbringung und Verpflegung sowie Sprachkurse würden vom Gehalt
       abgezogen. Gegenüber der taz bekräftigt Letaru: „Ich habe von Alabuga per
       Zufall im Internet gelesen.“ Dass dort Drohnen und keine Motorboote
       gefertigt werden, davon habe sie nichts gewusst. Sie sei für ihre Werbung
       weder bezahlt noch von russischer Seite beauftragt worden, stellt sie klar.
       
       Andere jedoch lassen sich dafür bezahlen. Auf der Alabuga-Webseite können
       sich nämlich werbewillige Organisationen für einen Zuschuss bewerben.
       Einen Extrazuschlag gibt es für diejenigen, die neue Organisationen
       gründen. Die Nil-Stiftung, die in Somalia gegen die hohe
       Jugendarbeitslosigkeit kämpft; der Sambia-Russland-Alumni-Verband (ZamRus);
       die Simbabwe-Belarussisch-Russische Jugendagentur; die „Freunde Russlands
       in Madagaskar“; die Enangue Holding in Kamerun – all diese Organisationen
       wurden in den vergangenen zwei Jahren aus dem Boden gestampft und posten
       auf ihren Kanälen die Werbevideos von Alabuga. Die Bildungsstiftung BDADI
       in Tansanias größter Stadt Daressalam organisiert nicht nur Veranstaltungen
       für Alabuga, sondern auch Diskussionsveranstaltungen zum Thema „Globale
       Sicherheit und Frieden“ im Iranischen Kulturzentrum.
       
       ## Kostenlose Russischkurse als Werbung
       
       In Uganda organisierte der Nationale Studentenverband Unsa kürzlich
       Rekrutierungsveranstaltungen an der staatlichen Makerere-Universität in
       Kampala.
       
       Auf einem Gruppenfoto vom Mai vor dem vierstöckigen Gebäude der
       IT-Fakultät, das auf dem Alabuga-Telegram-Kanal zirkuliert, strahlen 24
       junge Uganderinnen in die Kamera. Organisiert wurde das Event unter der
       Schirmherrschaft der Miss Uganda 2024, dem Topmodel Ester Kironde. Sei sei
       „Sonderbotschafterin“ für Alabuga, heißt es dort.
       
       Auf taz-Anfrage beim Studentenverband erklärt der Sekretär am Telefon: „Das
       Event wurde von unserem Vorsitzenden dank seiner persönlichen Beziehungen
       organisiert.“ Doch dieser sei derzeit nicht erreichbar, er befinde sich auf
       Militärtraining und habe kein Telefon zur Hand. „Offiziell haben wir keine
       Beziehungen zu den Russen“, so der Sekretär. Ob der Vorsitzende die
       Zuschüsse in seine eigene Tasche gewirtschaftet hat, will die taz wissen.
       „Davon weiß ich nichts“, zischt er und legt auf.
       
       Für einen Workshop von Alabuga und Unsa an der Lubiri-Oberschule in Kampala
       reisten im April 2023 sogar Vertreter aus Tatarstan an. „Unser Team fliegt
       nach Uganda“, posteten die jungen russischen Alabuga-Mitarbeiter*innen und
       hielten dabei ihre Flugtickets in die Kamera.
       
       Die Lubiri-Oberschule unweit des Königspalasts des traditionellen
       Königreichs Buganda ist eine renommierte Einrichtung in Kampalas Altstadt.
       Die mehr als tausend Schüler*innen tragen blaue Uniformen. Aber ihre
       Zukunftsaussichten sind mäßig, Ugandas Jugendarbeitslosigkeit ist enorm.
       Die Russen kommen da wie gerufen. „Weil ihr den ganzen Tag arbeitet,
       sammelt ihr gleichzeitig praktische Erfahrung – das gibt es sonst
       nirgendwo“, wirbt Alabuga-Mitarbeiter Konstantin Trifonow im Video der
       Veranstaltung für seine Firma. Dabei verweist er auf die Stiftung „Russki
       Mir“, die in Kampala kostenlose Russischkurse anbietet.
       
       Schulvizedirektor Joseph Kazibwe sitzt im schwarzen Anzug in seinem Büro,
       auf seinem Schreibtisch türmen sich Unterlagen. Man begrüße jede
       Möglichkeit, die Abschlussklassen für den Arbeitsmarkt fit zu machen, sagt
       er. Aber über die russische Veranstaltung gibt er sich entsetzt. „Von einem
       Event mit einer russischen Firma weiß ich nichts“, sagt er. Als die taz ihm
       Videos von der Veranstaltung zeigt, schlägt er die Hände über dem Kopf
       zusammen: „Normalerweise müssen wir solche Veranstaltungen vorher mit dem
       Ministerium abklären“, gibt er zu bedenken. „Diese Veranstaltung haben
       nicht wir organisiert, sondern der Studentenverband, dem unsere Schule
       angehört. Wir stellen ihm dafür regelmäßig unsere Mensa zur Verfügung.“
       
       Danach greift er zum Telefon und kontaktiert den Verband. Kazibwe klingt
       verärgert. Immerhin, der Verbandssekretär gibt letztlich zu: Die Russen
       hätten Geld für die Veranstaltung bezahlt. „Seitdem haben wir aber keinen
       Kontakt mehr zu der Firma“, stellt er klar und legt auf. Kazibwe schüttelt
       verärgert den Kopf. „Es ist entsetzlich, unsere Jugend solchen Risiken
       auszuliefern.“
       
       ## Angriffe durch ukrainische Drohnen
       
       Was für Kazibwe bereits besorgniserregend klingt, bekommt durch die
       Ereignisse vor Ort eine noch dramatischere Dimension. Denn die Arbeit bei
       Alabuga ist nicht nur fragwürdig – sie ist auch gefährlich. Am 2. April
       2024 schlug ein unbemanntes Propellerflugzeug in ein Wohnheim ein.
       Aufnahmen der Explosion wurden später auf der Whistleblower-Plattform
       „Alabuga-Truth“ veröffentlicht. Kurz darauf meldete sich die Kenianerin
       Mackline Othieno in einem von Alabuga verbreiteten Video. „Mir geht es
       gut“, erklärte sie. „Diejenigen, die heute unser Wohnheim angegriffen
       haben, sind wahre Barbaren. Ihr könnt uns keine Angst machen, Alabuga ist
       ein sicherer Ort.“
       
       [3][Drohnenspezialist Faragasso hat den Angriff mit Hilfe von Videos],
       Fotos und Satellitenbildern untersucht. Sie zeigen ein zerfetztes Gebäude,
       die Fensterscheiben durch den Druck herausgerissen. Der Schnee auf dem
       Parkplatz ist schwarz von Ruß. „Den Ukrainern gelang es, mit einem
       ferngesteuerten Propellerflugzeug, das mit Sprengstoff beladen war, im
       Kamikazestil in die Schlafsäle zu fliegen“, kommt Faragasso zum Schluss. 14
       Afrikanerinnen wurden verletzt, darunter junge Frauen aus Simbabwe, Ruanda,
       Kongo, Kenia, Nigeria und Südsudan, sechs von ihnen mussten im Krankenhaus
       behandelt werden, so die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti.
       Satellitenbilder vom September 2024 deuten darauf hin, dass das Wohnheim
       inzwischen renoviert wurde. Es gibt jetzt eine Luftabwehranlage sowie
       Schutzbunker, so Faragasso. Bei der nächsten Angriffsserie ukrainischer
       Drohnen im Dezember 2024 wurde das Fabrikgelände rechtzeitig evakuiert, nur
       ein Warenlager brannte ab.
       
       Am 23. April 2025 steuerten erneut ukrainische Drohnen auf das Gelände zu.
       Viele wurden abgewehrt. Doch Satellitenbilder, die der taz vorliegen,
       zeugen von einem Einschlagkrater nur wenige Meter von der Halle entfernt,
       wo die Shahed-Drohnen gefertigt werden. Die Botschaft, so Faragasso, ist
       klar: „nämlich, dass es sich um ein aktives Militärgelände handelt und dass
       es aufgrund des Krieges gezielten Angriffen ausgesetzt ist“.
       
       Die Angriffe sorgten in Afrika für Empörung, viele Zeitungen griffen das
       Thema auf. Im September 2024 schaltete sich schließlich Ugandas
       Arbeitsministerium für Arbeit und Soziales ein und wandte sich an die
       Botschaft in Moskau. „Es ist notwendig, zu klären, wer für das Wohl der
       Uganderinnen in Russland zuständig ist“, so das Schreiben, das der taz
       vorliegt. „Ist es das Alabuga-Startprogramm-Team oder die ugandische
       Botschaft?“
       
       Die weiblichen Arbeitsmigrantinnen bräuchten einen „Schutzmechanismus“. Auf
       taz-Anfrage beim Ministerium zeigt sich der zuständige Staatssekretär
       schmallippig: „Mir ist nicht bekannt, dass in Russland Uganderinnen
       arbeiten!“, schreibt er auf Whatsapp zurück. Mehr wolle er nicht sagen,
       außer dass es kein offizielles Abkommen mit Russland über Arbeitsmigration
       gebe und das Ministerium deswegen nicht zuständig sei.
       
       ## „Wir werden permanent überwacht“
       
       Vergeblich hat die taz versucht, Kontakt zu Frauen im Alabuga-Programm
       aufzunehmen. Da das Programm mindestens zwei Jahre dauert, sind nach
       taz-Informationen noch keine der Arbeiterinnen nach Hause zurückgekehrt.
       Und auch zu Afrikanerinnen in Tatarstan kam kein Kontakt zustande. Die
       Arbeiterinnen und deren Familien müssen bei Vertragsabschluss eine
       Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen.
       
       „Wir werden permanent überwacht“, schrieb eine Uganderin der ugandischen
       Tageszeitung New Vision 2024. „Sie bekommen von Alabuga neue russische
       SIM-Karten und diese sind mit allerlei Überwachungssoftware bestückt“,
       erklärt Drohnenspezialist Faragasso, der mit einigen Frauen in Alabuga
       heimlich in Kontakt war. Der US-Nachrichtenagentur AP ist es gelungen,
       Handyvideos zu erhalten. Sie zeigen Ausschlag im Gesicht und auf Händen,
       wegen fehlender Schutzkleidung im Umgang mit Lacken und Chemikalien: „Mein
       Gott, es juckt so sehr, ich kann gar nicht aufhören, mich zu kratzen!“,
       sagt die Arbeiterin im Video.
       
       Inzwischen haben Medienberichte und die Whistleblower-Plattform
       „Alabuga-Truth“ die Schattenseiten des Programms bekannt gemacht. Dennoch
       hat Alabuga staatliche Kooperationen geschlossen, etwa mit Sambia und
       Madagaskar. Weitere Regierungen zeigen Interesse: Im Mai besuchte Kenias
       Botschafter Peter Mutuku Mathuki das Werk und zeigte sich „beeindruckt“.
       Drei Tage später besichtige Somalias Botschafter Mohamed Abukar Zubeyr das
       polytechnische Institut, nahm an einem Sprachkurs teil: „Dieses Programm
       ist eine großartige Chance für junge Frauen“, sagte er: „Ich will in einem
       Jahr wieder nach Alabuga kommen und möchte dann möglichst viele
       Teilnehmerinnen aus Somalia hier sehen.“ Die Sozialministerin der
       Demokratischen Republik Kongo, Nathalie-Aziza Munana, war im Juni gemeinsam
       mit einer Delegation aus Benin dort. „Junge Menschen treten mit echter
       Berufserfahrung und theoretischem Wissen über ihren Beruf in den
       Arbeitsmarkt ein“, lobte sie und lächelte beim Gruppenfoto vor dem
       Alabuga-Gebäude in die Kamera.
       
       Auf die taz-Anfrage, ob in Alabuga tatsächlich Drohnen produziert werden,
       bleibt eine Antwort von den Botschaftern und der Ministerin aus. Doch nur
       wenige Tage vor dem Besuch von Kenias Botschafter im Mai prangte auf der
       Titelseite der kenianischen Wochenzeitung East African die Überschrift:
       „Der Horror der ostafrikanischen Frauen, die für den Russlandkrieg Drohnen
       fertigen“. Der Artikel bezog sich auf den jüngsten Bericht der „Global
       Initiative of Transnational Organized Crime“, der auf 32 Seiten die Fakten
       klar belegt. Die russische Botschaft in Kenia sprach von einer
       „großangelegten Desinformationskampagne“.
       
       Alabuga rekrutiert jedoch fleißig weiter. Es werden neue Unterkünfte
       gebaut, so Drohnenspezialist Faragasso auf Grundlage neuer
       Satellitenbilder. „Das lässt darauf schließen, dass die aktive Rekrutierung
       weitergeht“, sagt er und betont, dass es noch mehr Aufmerksamkeit bedarf,
       um junge Afrikanerinnen vor dieser „Falle“ zu bewahren: „Denn sie verdienen
       es nicht, Teil der russischen Kriegsmaschinerie zu sein.“
       
       25 Jul 2025
       
       ## LINKS
       
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       gewohnt ist.
       
 (DIR) Russland schweigt zu Kyjiws Großangriff: War da was?
       
       Der Kreml äußert sich bislang mit keinem Wort zur ukrainischen
       „Spinnennetz-Operation“ gegen die russische Luftwaffe. Bei der wurden viele
       Kampfjets zerstört.