# taz.de -- Afrika und der Krieg in der Ukraine: Afrika sucht seine verlorenen Söhne in Russland
> Aus mehreren Ländern Afrikas hat Russland junge Männer angeworben, um in
> der Ukraine zu kämpfen. Jetzt holt Kenia seine Landsleute zurück.
(IMG) Bild: Türöffner? Russlands Außenminister Sergej Lawrow bittet Amtskollegen Musalia Mudavadi aus Kenia zur Pressekonferenz, 16. März
Mit einer zwölfköpfigen Delegation war Kenias Außenminister Musalia
Mudavadi vergangene Woche in Moskau. Sein [1][Besuch bei seinem
Amtskollegen Sergej Lawrow] war eine komplizierte Mission. Zu Hause in
Kenia hatte er versprochen, er werde unterbinden, dass Russland in Zukunft
noch mehr Kenianer für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Und dass er
alles versuchen werde, die dort bereits eingesetzten Kenianer nach Hause zu
holen.
Konkret, so Mudavadi, befinden sich noch 252 Kenianer in Russland oder der
Ukraine. Zehn seien vermisst oder tot, gab die russische Seite zu; 44 seien
bereits nach Hause repatriiert worden.
„Wir können nicht in ein Kriegsgebiet gehen und die Menschen dort einfach
herausholen“, sagte Musavadi und betonte: „Das ist etwas, was unsere
Bevölkerung einsehen muss.“ Der einzige Weg, dies zu erreichen, sei der
„Dialog“. Am Ende stand eine Erfolgsmeldung: Die Regierungen in Moskau und
Nairobi entschieden, dass Kenianer nicht mehr von Russland für den Einsatz
in der Ukraine rekrutiert werden.
Lawrow habe zugesagt, dass die russischen Behörden dabei helfen werden,
„die Evakuierung derjenigen, die sich an vorderster Front befinden, zu
ermöglichen“, so Musavadi nach den Gesprächen. Zudem solle der
konsularische Dienst der kenianischen Botschaft in Moskau Verletzte in
russischen Militärkrankenhäusern besuchen dürfen, um ihre Heimkehr zu
arrangieren.
## Wer bringt die Kriegsgefangenen heim?
Gegenüber den kenianischen Familien zu Hause betonte Mudavadi jedoch
ausdrücklich: Es werde keinerlei Entschädigungszahlungen geben, denn Kenias
Regierung sei für diese Rekrutierungen nicht verantwortlich. Sich als
Söldner in eine fremde Armee anheuern zu lassen, ist in Kenia per Gesetz
illegal. Kenias Regierung erklärte, sie werde den Rekruten, die nun aus
Russland zurückkehren, Amnestie gewähren.
Zuletzt hätten die Russen zugesagt, dass sie auch bei der Rückholung
kenianischer Kriegsgefangener aus der Ukraine helfen würden, erklärt
Mudavadi. Ein heikles Thema, denn bislang hat Russland nur die eigenen
Staatsbürger sowie [2][Nordkoreaner] beim Gefangenenaustausch
zurückverlangt – aber keine Afrikaner. Dies bestätigte der ukrainische
Militärgeheimdienst der taz. Die afrikanischen Leichen und Kriegsgefangenen
bleiben bisher bei den Ukrainern.
Insgesamt rund 1.780 [3][Söldner aus 36 afrikanischen Ländern] würden in
der russischen Armee kämpfen, hatte der ukrainische Außenminister Andrij
Sybiha im Februar mitgeteilt. Zuvor hatte er gewarnt, dass die meisten von
ihnen „nicht einen Monat überleben“.
## Für Südafrika ist das Thema „heikel“
Auch Südafrika, Nigeria, Kamerun und Ghana versuchen jetzt, ihre Landsleute
nach Hause zu holen. Die Verhandlungen mit Moskau seien sehr „knifflig“,
betont Pauline Bax, Afrika-Analystin der [4][International Crisis Group
(ICG)] gegenüber der taz. Die meisten afrikanischen Regierungen unterhalten
sehr enge Beziehungen zu Moskau – allen voran Südafrika. Vor diesem
Hintergrund sei es „heikel“, so Bax, „Russland anzuprangern“.
Doch es verdichten sich die Indizien, so Bax, dass die russischen
Botschaften „zu einem gewissen Grad“ in diese Rekrutierungen involviert
seien oder zumindest „davon Kenntnis“ hätten. Derzeit laufen in Kenia und
in Südafrika Ermittlungen, um die Rekrutierungsnetzwerke zu zerschlagen.
Mit im Visier ist [5][Duduzile Zuma-Sambudla], Tochter von Ex-Präsident
Jacob Zuma und bis November 2025 Abgeordnete im Parlament. Sie ist
zurückgetreten und muss sich nun vor Gericht verantworten.
Insgesamt 17 Südafrikaner seien mittels Zuma-Sambudlas
Rekrutierungsnetzwerken rekrutiert worden, so die Anklage vor Gericht.
Präsident Cyril Ramaphosa telefonierte im Februar diesbezüglich mit
Russlands Präsident Wladimir Putin. Vier Männer sind bereits nach Südafrika
zurückgekehrt, weitere sollen folgen, versichert die Regierung.
In Südafrika verbietet ähnlich wie in Kenia ein Gesetz ausdrücklich die
Anwerbung als Söldner sowie deren Rekrutierung im Ausland. Ob Südafrikas
Rückkehrer ebenso Amnestie erhalten, ist noch nicht geklärt. In Südafrika
wurden zudem Arbeitsmigranten aus dem benachbarten Simbabwe angeheuert, die
in Johannesburg als Taxifahrer tätig sind.
## 316 gefallene Afrikaner namentlich bekannt
Kamerun ist das Land, das am meisten von den Rekrutierungen betroffen ist.
Ein im Februar veröffentlichter [6][Bericht des Investigativ-Teams INPACT]
listete 316 Namen von gefallenen Afrikanern, die meisten – fast 100 – waren
aus Kamerun. Grund dafür ist offenbar ein 2022 mit Russland vereinbartes
Militärabkommen.
Ghana, das [7][mindestens 55 Staatsbürger im Ukraine-Krieg verloren] hat,
ging einen anderen Weg. Sein Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa traf
sich im Februar in Kyjiw mit Präsident Wolodymyr Selenskyj, um zwei
Kriegsgefangene aus Ghana freizubekommen. „Wir haben ausführlich darüber
gesprochen, wie Russland Bürger Ghanas und anderer afrikanischer Länder für
den Krieg gegen die Ukraine rekrutiert und wie wir dem entgegenwirken
können“, sagte Selenskyj im Anschluss.
[8][Laut dem unabhängigen russischen Investigativ-Medium „Important
Stories“] hat Russlands Regierung als Reaktion eine Liste an alle
Rekrutierungsnetzwerke weltweit geschickt, wonach nicht mehr aus
„befreundeten“ Ländern rekrutiert wird. Die Liste sei im Februar von 36 auf
43 Staaten erweitert worden. Darunter Kamerun und Kenia.
22 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/MusaliaMudavadi/status/2033570547741683815
(DIR) [2] /Nordkoreanische-Soldaten-in-der-Ukraine/!6082085
(DIR) [3] /Krieg-in-der-Ukraine/!6155949
(DIR) [4] http://crisisgroup.org/
(DIR) [5] /Duduzile-Zuma-Sambudla/!6129143
(DIR) [6] https://cameroonnewsagency.com/the-deadly-toll-of-russias-war-on-cameroon-four-years-on-grief-silence-and-unanswered-questions/
(DIR) [7] https://www.bbc.com/news/articles/cgl5gxg3zj9o
(DIR) [8] ttps://istories.media/en/news/2026/02/23/russia-restricts-friendly-countries-mercenary-recruitment/
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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