# taz.de -- Russland schweigt zu Kyjiws Großangriff: War da was?
       
       > Der Kreml äußert sich bislang mit keinem Wort zur ukrainischen
       > „Spinnennetz-Operation“ gegen die russische Luftwaffe. Bei der wurden
       > viele Kampfjets zerstört.
       
 (IMG) Bild: Rauch nach einem Drohnenangriff auf dem Luftwaffenstützpunkt Belaya
       
       Moskau taz | Es ist eine Stille, die zunächst erstaunlich anmutet. Maria
       Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, nie um einen
       bissigen, geharnischten Kommentar verlegen, sagt kein Wort zu den
       ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Luftwaffenstützpunkte, bei
       Murmansk im russischen Norden, bei Rjasan, nicht weit im Südosten von
       Moskau, bei Iwanowo, nordöstlich der russischen Hauptstadt und tief in
       Sibirien bei Irkutsk.
       
       Auch ihr Chef, der russische Außenminister Sergei Lawrow, der die Ukraine
       gern mal als „unfähigen Staat mit überfälligem Präsidenten“ bezeichnet,
       sagt nichts. Geschweige denn der russische Präsident Wladimir Putin. Er
       lässt sich am Montag mit seiner Kinder-Ombudsfrau [1][Maria Lwowa-Belowa] –
       gegen beide liegt ein [2][Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes
       in Den Haag] wegen Verschleppung ukrainischer Kinder vor – im Kreml
       ablichten. „War da was?“, sollen die Bilder verbreiten.
       
       Es ist Russlands gängige Strategie auf unerwartete Ereignisse: still sein,
       bloß nicht reagieren, wenn die Welt eine Reaktion erwartet. Eine schnelle
       Antwort – zumal eine Antwort in Moskau nie unter Druck formuliert werden
       will – gilt unter Russlands Offiziellen als Schwäche. Also breitet sich
       erst einmal eine Art Maulkorb über das Land aus.
       
       Die Zeitungen schreiben den immer gleichen Satz von „Nach Angaben des
       russischen Verteidigungsministeriums gerieten mehrere Flugzeuge auf
       Militäranlagen in Brand“. Dass strategische Raketenträger getroffen worden
       sein sollen, erwähnt kaum einer. Und auch im Fernsehen wird lediglich die
       Pressemitteilung des russischen Verteidigungsministeriums eingeblendet:
       „Auf Militärflughäfen in den Regionen Iwanowo, Rjasan und Amur wurden alle
       terroristischen Attacken abgewehrt. In der Region Murmansk und Irkutsk kam
       es in Folge von gestarteten FPV-Drohnen in unmittelbarer Nähe von Flughäfen
       zum Entflammen einzelner Flugzeugeinheiten. Das Feuer ist liquidiert. Opfer
       innerhalb des Militär- und Zivilpersonals gibt es keine.“ Und schon
       berichtet der TV-Moderator von Schlägen der russischen Armee in der
       Ukraine.
       
       ## Die Propaganda wirft der Ukraine jetzt Terror vor
       
       Derweil zeigen Videoaufnahmen in unterschiedlichen russischen
       Telegram-Kanälen, wie sich auf Straßen in der Region Irkutsk die Lastwagen
       stauen: Jeder Wagen wird kontrolliert. Die ukrainische „Operation
       Spinnennetz“ – bei der, so auf Satellitenbildern zu sehen, mindestens zwölf
       strategische Bomber getroffen wurden – wurde von Lkws gestartet. Es
       herrscht offenbar die Sorge, dass noch weitere Lastwagen mit Holzboxen samt
       Drohnen unterwegs sein könnten.
       
       Immerhin: Die Zeitung Moskowski Komsomolez macht ihre Montagsausgabe mit
       einem Bild des brennenden Flugplatzes Belaja bei Irkutsk auf. Was da in
       Flammen steht, wird nicht erklärt. Klar ist für die Redaktion aber eines:
       Es sei die Ukraine, die Terror verbreite, weil sie nicht am Frieden
       interessiert sei.
       
       In einem Istanbuler Luxushotel [3][treffen währenddessen ukrainische und
       russische Delegationen zu direkten Gesprächen zusammen]. Mit den Schlägen
       gegen die Flughäfen und den Sabotageakten, die zum Einsturz von Brücken und
       entgleisten Zügen bei Brjansk und Kursk führten, habe die Ukraine, so heißt
       es bei Moskowski Komsomolez, vor ihren westlichen Partnern „prahlen“
       wollen. Gelungen sei das jedoch nicht.
       
       Andere versuchen die Verluste kleinzureden. Der russische Propagandist
       Andrei Medwedew schreibt, als würde er wie ein wütendes Kleinkind mit dem
       Fuß stampfen: „Ja, es gibt Verluste. Aber unsere restlichen Flugzeuge
       reichen dreimal aus, um die Ukraine zu zerstören.“ Auch der Z-Blogger
       Alexander Koz meint auf seinem Telegram-Kanal trotzig: „Wir werden den
       Krieg trotzdem gewinnen.“
       
       Manche russische Beobachter*innen fordern wie so oft, Moskau müsse nun
       endlich härter reagieren. „Alle Verhandlungen mit der Ukraine müssen für
       immer unterbrochen werden“, schreibt der russische Politologe Alexei Pilko.
       Die Ukraine spiele ein schmutziges Spiel und versuche, Russlands Bemühungen
       um langanhaltenden Frieden zu stören.
       
       Der Ukraine geht es in Istanbul um sofortigen und bedingungslosen
       Waffenstillstand, den Russen um die „Beseitigung der Grundursachen“. Das
       ist in ihren Augen die politische Unterwerfung der Ukraine, letztlich die
       Kapitulation Kyjiws. Die Positionen bleiben nach wie vor unvereinbar. Das
       russische Fernsehen bezeichnet am Montag die Forderungen Kyjiws als „von
       der Realität losgelöste Skizzen“.
       
       2 Jun 2025
       
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