# taz.de -- Konzert von Troye Sivan in Berlin: Androgyner Popprinz in ihrer Mitte
       
       > Im ausverkauften Berliner Velodrom gab der Australier Troye Sivan allen
       > eine gute Zeit. Es war das erste von fünf Deutschlandkonzerten seiner
       > Tour.
       
 (IMG) Bild: Der australische Singer-Songwriter Troye Sivan (Mitte) mit seinen Tänzern bei einem Konzert in Aarhus im Juni 2024
       
       Berlin taz | Am Ende spielt Troye Sivan ihn gleich zweimal: „Rush“, den
       Song, mit dem er sich im vergangenen Sommer in die Ohren und Herzen vor
       allem, aber nicht nur der LGBTQIA+-Popcommunity geschmiegt hat. Und das
       Publikum singt ihn mit, den elektrisierenden Chorus jener Hymne des
       Australiers auf das süße Leben, auf Partys, Flirten und Rummachen, auf
       queeren Hedonismus und auch auf Poppers möglicherweise. Die Fabrikate manch
       einer Sex-Droge tragen denselben Namen.
       
       „Rush“ habe ihn verändert, erzählt Sivan, kurz bevor er den Song erstmals
       anstimmt, Berlin habe ihn verändert. Ebendort, in Berlin, gab er am
       Dienstagabend im ausverkauften Velodrom sein erstes von fünf
       Deutschlandkonzerten. Er hätte davon geträumt, „Rush“ in Berlin zu
       performen.
       
       Sivan hat das Musikvideo dort gedreht. Nackte Pos am Strandbad Weißensee
       sieht man darin, schöne, leicht bekleidete Menschen in nur zum Teil
       inszenierten Partyszenen an diversen Orten, am Schluss – unverkennbar – die
       Warschauer Brücke. Man nimmt es ihm ab, aufgekratzt wirkt er, sichtlich
       bewegt. Zur zweiten Runde holt er den Cast des Musikvideodrehs auf die
       Bühne.
       
       Sein neuestes, drittes Album 
       
       „Something To Give Each Other“, der Titel seines neuesten, dritten Albums
       wird immer wieder auf einem Bildschirm eingeblendet, er ist auch Motto des
       Abends. Geben will Sivan seinem Publikum vor allem eins: eine gute Zeit,
       Fun, davon ist immer wieder die Rede, Musik natürlich, die fast so gut
       klingt wie vom Band, aber auch viel fürs Auge.
       
       Fünf verschiedene Outfits präsentiert Sivan während seines 75-minütigen
       Auftritts, der mit „Got Me Started“, der zweiten Single des Albums,
       beginnt. Dazu eine sexuell aufgeladene Choreografie, wilde Hüftschwünge,
       sich aneinander reibende Körper, Lap-Dances, Knutscheinlagen. Sechs Tänzer
       tragen Sivan auf Händen, werfen wie zum Can-Can die Beine in die Höhe,
       tänzeln – mitunter, bei „One of Your Girls“, auf Highheels – und winden
       sich, grazil und euphorisch, rund um den androgynen Popprinz in ihrer
       Mitte.
       
       [1][Troye Sivan], geboren 1995 in Johannesburg, aufgewachsen in Australien,
       versuchte als Teenager schon früh sein Glück in Castingshows. Bei
       Starsearch kam er 2007 bis ins Finale. Ein Jahr später veröffentlichte er
       eine erste EP, „Dare to Dream“, zeitgleich begann er zu schauspielern, am
       Theater und im Film.
       
       Coming-Out auf YouTube 
       
       2012 startete er einen erfolgreichen Youtube-Kanal, wo er dann 2013 einiges
       an Aufmerksamkeit auf sich zog, als er sich [2][als homosexuell outete].
       Acht Minuten dauert das Video, in dem er über sein Schwulsein spricht und
       darüber, dass das nichts sei, weswegen man sich schämen müsse.
       
       Über neun Millionen Menschen haben sich das Video bis heute angeschaut, die
       internationale Presse berichtete. Sivan begann zum Zeitpunkt der
       Veröffentlichung gerade, mit einem großen australischen Plattenlabel
       zusammenzuarbeiten. Ein Wagnis war das Video damals noch, geschadet hat es
       ihm nicht. 2015 erschien sein Debütalbum „Blue Neighbourhood“, 2018 dann
       „Bloom“.
       
       Über zehn Jahre ist Sivans Coming-out-Video jetzt her. Wäre es heute
       überhaupt noch ein Thema? Noch in den neunziger und nuller Jahren wurden
       schwule Popstars angehalten, ihre sexuelle Orientierung zu verheimlichen.
       Der Wind hat sich gedreht. Offen homosexuell lebende Künstler*innen sind
       im Mainstreampop zwar weiterhin in der Minderheit, aber es gibt sie.
       
       Zufall ist es natürlich, dass Sivans Berlinkonzert exakt 30 Jahre nach
       [3][Abschaffung des Schwulenparagrafen 175] in Deutschland stattfand.
       Zufall auch, dass an einem anderen Kulturort der Stadt, in der Neuen
       Nationalgalerie, wenige Tage zuvor eine Ausstellung eröffnet wurde, die
       Andy Warhol erstmals als explizit schwulen Künstler zeigt. Zufälle, aber es
       passt alles zusammen.
       
       12 Jun 2024
       
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       über sein Coming-out, seine Songs und Nähe zwischen Jungs.