# taz.de -- Senat ernennt neuen Wahlleiter: Chaos soll abgewählt sein
       
       > Der neue Wahlleiter Bröchler bekommt mehr Personal und mehr Kompetenzen,
       > um ein erneutes Wahlchaos wie 2021 zu vermeiden.
       
 (IMG) Bild: Der vom Senat ernannte neue Landeswahlleiter Stephan Bröchler neben Innensenatorin Iris Spranger
       
       Berlin taz | So also sieht der Mann aus, der Berlin vor dem nächsten
       Wahlchaos bewahren soll: in die Stirn fallendes graublondes Haar,
       freundliche Miene, klare Ausdrucksweise. Innensenatorin Iris Spranger (SPD)
       hat Stephan Bröchler (60) am Dienstag mit in die Pressekonferenz gebracht,
       nachdem der Senat ihn zuvor zum neuen Landeswahlleiter ernannt hat. Er war
       schon Mitglied der Expertenkommission, die das Chaos vom 26. September 2021
       für den Senat aufarbeitete. Bei der [1][Vorstellung des
       Kommissionsberichts] habe er gedacht, dass seine Arbeit getan sei, sagte er
       vor den Journalisten. „Heute weiß ich: Sie fängt gerade erst an.“
       
       Bei der Wahl vor einem Jahr, bei der nicht bloß Bundestag, Abgeordnetenhaus
       und die Bezirksparlamente zu wählen waren, sondern auch noch der
       Enteignungsvolksentscheid anstand, war es stadtweit [2][zu
       Unregelmäßigkeiten gekommen]. Teils gab es nicht genug Stimmzettel, teils
       die falschen. Außerdem gab es vor und in den Wahllokalen lange
       Warteschlangen, auch corona-bedingt, die noch nach offiziellem Wahlschluss
       um 18 Uhr bestanden.
       
       Genau wie seine wenige Tage nach der Wahl [3][zurückgetretene Vorgängerin
       Petra Michaelis] wird allerdings auch Bröchler nicht hauptamtlich und mit
       seiner kompletten Arbeitszeit Wahlleiter sein. Die Expertenkommission hat
       nach seinen Worten aber auch keine hauptamtliche Wahlleitung empfohlen.
       Stattdessen bleibt er Professor für Politik- und Verwaltungswissenschaften
       an der Hochschule für Wirtschaft und Politik, soll aber offenbar in
       ausreichendem Maße Freiräume bekommen. Wie viel mehr als Michaelis, lasse
       sich rein quantitativ nicht sagen, zumindest jetzt noch nicht, sagt
       Bröchler auf eine entsprechende taz-Frage.
       
       Als entscheidender sieht er ohnehin eine andere Auslegung des Amtes an.
       Bröchler verglich den bisherigen Einfluss der Wahlleitung mit dem „eines
       Königs oder einer Königin ohne Land“, weil kaum mit Durchgriffsrechten
       verbunden. Das Amt sei verstanden worden als „notarielle Funktion, die im
       Hintergrund war“. Mehr Land, um im Bild zu bleiben, soll der neue Chef
       durch die Aufwertung der Wahlleitung zu einem Landeswahlamt bekommen, und
       durch mehr Personal: Sieben statt bisher drei Stellen soll es geben. Er
       selbst will in dem Amt sowohl Reformmanager als auch Kommunikator sein, der
       in der Öffentlichkeit fürs Wählen wirbt.
       
       ## Spranger sieht keine Neuwahl
       
       Innensenatorin Spranger geht währenddessen nicht davon aus, dass Bröchler
       schon im nächsten Frühjahr [4][eine neue Abgeordnetenhauswahl] organisieren
       muss. Bei der am 28. September anstehenden Verhandlung am
       Landesverfassungsgericht über eine mögliche Wahlwiederholung hält sie als
       Ergebnis lediglich Nachwahlen in einzelnen Bezirken für möglich. „Ich gehe
       nicht von einer Neuwahl aus“, sagte Spranger. Für die Verhandlung hat sich
       der Senat einen hochkarätigen Rechtsanwalt gesichert: Ulrich Karpenstein,
       mehrfach ausgezeichneter Jurist, und auch schon für die Bundesregierung
       tätig gewesen.
       
       Genug Papier für Wahlzettel will Spranger allerdings bereits in Auftrag
       gegeben haben – auch daran hatte es 2021 nämlich gemangelt. Das mochte die
       Senatorin aber nicht als konkrete Vorbereitung für eine breit angelegte
       Wahlwiederholung gewertet wissen, sondern als generelle Vorsorge, auch
       schon mit Blick auf die Europawahl 2024 als nächstem regulären Wahltermin.
       Mit Blick auf die Ankündigung von Regierungschefin Franziska Giffey (SPD),
       in größerer Zahl Landesbedienstete [5][für die Wahlvorbereitung
       dienstzuverpflichten], stellte sich Spranger hinter ihre Parteifreundin.
       „Ich sehe schon, dass die öffentliche Verwaltung da in der Verantwortung
       ist“, sagte Spranger.
       
       6 Sep 2022
       
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