# taz.de -- taz-Recherche zu „Hannibal“-Netzwerk: Direkter Draht zum Verfassungsschutz
       
       > Der Verein Uniter e.V. bildet Zivilisten in Militärtaktik aus. Ein
       > Verfassungsschutz-Mitarbeiter hat ihn mitgegründet.
       
 (IMG) Bild: Hier arbeitet ein Mann, der im Gründungsvorstand von Uniter e.V. saß
       
       BERLIN taz | Der Verfassungsschutz hat eine direkte Verbindung zum Verein
       Uniter e.V., der in Zusammenhang mit einem [1][rechtsextremen Netzwerk mit
       Mitgliedern aus Sicherheitsbehörden] in den Fokus geraten ist: Nach
       Recherchen der taz hat ein Mitarbeiter des Landesamts für Verfassungsschutz
       (LfV) Baden-Württemberg den Verein mitgegründet und saß sogar im Vorstand.
       Das ist durch mehrere voneinander unabhängige Quellen belegt. Anfang 2017
       ist der Mann aus dem Vereinsvorstand zurückgetreten, wie aus internen
       Vereinsdokumenten hervorgeht, die der taz vorliegen. Im Vereinsregister ist
       er allerdings bis heute eingetragen.
       
       Bekanntester Kopf von Uniter und offiziell stellvertretender Vorsitzender
       des Vereins, der im Mai 2016 in Stuttgart gegründet wurde, ist André S.
       alias „Hannibal“. Der damalige Soldat des [2][Kommando Spezialkräfte (KSK)
       der Bundeswehr] hat eine Vielzahl von Chatgruppen administriert, in denen
       sich sogenannte Prepper auf den „Tag X“ vorbereiteten. In diesen Gruppen
       waren mehrere Männer organisiert, gegen die der Generalbundesanwalt wegen
       „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ ermittelt. Sie
       sollen unter anderem Feindeslisten geführt und die Tötung politischer
       Gegner im Zusammenhang mit dem „Tag X“ besprochen haben.
       
       André S. war bis zu seinem Ausscheiden aus dem KSK vor einem Jahr
       Auskunftsperson des Bundeswehr-Nachrichtendienstes MAD. Nach Angaben aus
       dem Bundesverteidigungsministerium hat er derzeit ein Uniformtrageverbot.
       Gegen ihn ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen eines
       mutmaßlichen Verstoßes gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz.
       
       ## Hinweisgeber im Verein
       
       Einem der Chats gehörte auch der [3][Bundeswehrsoldat Franco A.] an, den
       der Generalbundesanwalt wegen Terrorvorwürfe angeklagt hat. Bei Franco A.
       wurde ein Uniter-Abzeichen gefunden. Er nahm auch an mehreren Treffen teil,
       die Teilnehmer als Uniter-Treffen in Erinnerung haben. Anfang 2016 saß er
       mit zwei Dutzend anderen in einem Schützenhaus im baden-württembergischen
       Albstadt zusammen, wo es um die Vorbereitung auf einen “Tag X“ ging, ein
       andermal in kleiner Runde bei André S. alias “Hannibal“ zu Hause.
       
       Das Landesamt für Verfassungsschutz verfügt nach taz-Informationen auch
       über mindestens einen Hinweisgeber, der den Verfassungsschutz über
       Veranstaltungen des Vereins informiert. Dazu will die Behörde auf
       taz-Anfrage nichts sagen. LfV-Sprecher Georg Spielberg teilte lediglich
       mit, der Verein Uniter e.V. sei kein Beobachtungsobjekt des
       Verfassungsschutzes Baden-Württemberg, „weil keine ausreichenden
       Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es sich um eine Bestrebung gegen die
       freiheitliche demokratische Grundordnung handelt“.
       
       Auch über den LfV-Mitarbeiter, der den Verein Uniter mitgegründet hat,
       möchte sich die Behörde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht
       öffentlich äußern. So bleibt vorerst offen, seit wann der Mitarbeiter für
       das LfV arbeitet und seit wann das LfV von seiner Vereinsaktivität wusste.
       Ebenso unklar ist, ob es zur Vereinstätigkeit einen dienstlichen
       Zusammenhang gibt.
       
       [4][Im Dezember hatte die taz fragwürdige Aktivitäten von Uniter
       aufgedeckt]. Mitglieder einer so genannten „Defence“-Einheit des Vereins
       nahmen unter André S.' Anleitung an einem geheimen paramilitärischen
       Training teil. Dem Betreiber des Trainingsgeländes im
       baden-württembergischen Mosbach war der Verein unabhängig davon als
       militaristisch aufgefallen. Daraufhin wurde dem Verein die Benutzung des
       Geländes untersagt. Der Betreiber hatte darüber auch das
       Landesinnenministerium informiert.
       
       ## Vorbereitung auf die Krise
       
       Um zu überprüfen, ob strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen werden, hat
       der Generalbundesanwalt einen Beobachtungsvorgang zu Uniter e.V. angelegt.
       Die Ermittler betrachten die Chatgruppen und die Vereinsaktivitäten
       getrennt voneinander. Tatsächlich gibt es aber, wie taz-Recherchen ergeben
       haben, große personelle und strukturelle Überschneidungen. Mindestens ein
       Dutzend der früheren Chat-Mitglieder sind oder waren auch bei Uniter e.V.
       aktiv, darunter viele in leitenden Positionen. Es handelt sich dabei um
       aktive oder ehemalige Soldaten, viele vom KSK, und aktuelle oder ehemalige
       Polizisten.
       
       Der Verein, der zum ersten Mal bereits 2012 in Halle (Sachsen-Anhalt)
       gegründet wurde, präsentiert sich heute nach außen als karitative und
       fachkundige NGO und behauptet, es gebe “keine Verbindung des Vereins Uniter
       zur Prepper-Szene“. In einem Uniter-Newsletter aus dem Herbst 2015, der der
       taz vorliegt, klang das noch ganz anders.
       
       Da ist von „schwere[n] Zeiten“ die Rede, die auf Europa zukämen, „ob innere
       Unruhen oder Krisen an den Grenzen“. Auf diese müsse man sich vorbereiten,
       mit „sicheren Wohnkomplexen“, „Siedlungen mit autarkem Charakter“ oder
       „Auffangcamps im Ausland“. In dem Schreiben werden die Vereinsmitglieder
       aufgefordert, sich auf Krisenszenarien vorzubereiten, was Lebensmittel und
       Kommunikation angeht, aber auch darüber hinaus. Die Frage sei: „Wohin, was
       machen nach dem die Öffentliche Ordnung nicht mehr da ist?“
       
       10 Mar 2019
       
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