# taz.de -- Gemeinnützigkeit des Vereins Uniter: Hannibals Spendenquittung
       
       > Den Spendenmarsch steuerlich absetzen: Das Finanzamt hält den dubiosen
       > Hannibal-Verein Uniter für gemeinnützig.
       
 (IMG) Bild: Uniter ist Teil eines Schattennetzwerks, das sich auf den sogenannten Tag X vorbereitet
       
       Berlin taz | Der Verein wirbt für seine eigene militärische
       Kommando-Ausbildung, verteilt Wolfsabzeichen und Urkunden und will
       international wachsen. [1][Uniter, jüngst aufgefallen als Netzwerk des
       Bundeswehrsoldaten André S. alias „Hannibal“], wirbt nach außen hin massiv
       um Spenden, und ist darauf offenbar angewiesen. Unterstützung erhält der
       Verein dafür bislang vom Steuerzahler – weil das Finanzamt den Verein als
       gemeinnützig anerkannte.
       
       Wie der [2][Tagesspiegel am Dienstag berichtet], warb Uniter noch vor
       wenigen Tagen damit, dass Spenden an den Verein in der Vergangenheit
       steuerlich absetzbar waren.
       
       So zitiert die Zeitung aus einer Uniter-Mail vom 27. Februar 2019, in der
       es heißt: „Bis jetzt konnte jeder unsere Spendenquittungen nutzen und auch
       beim Amt einreichen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein nach deutschem
       Recht. Klappt also! Beste Grüße, ihr Backoffice.“ Später hatte der Verein
       gegenüber dem Tagesspiegel erklärt, Uniter sei „im Gegensatz zu Attac nicht
       politisch aktiv“.
       
       Das baden-württembergische Finanzministerium gibt unter Hinweis auf das
       Steuergeheimnis laut Tagesspiegel derzeit keine Auskünfte zu dem Verein.
       Unklar sei derzeit, so berichtet die Zeitung, ob die Finanzbehörden in
       Baden-Württemberg eine Prüfung der Steuerbegünstigung von Uniter inzwischen
       in die Wege geleitet hätten.
       
       ## Politische Sprengkraft: Attac nicht mehr gemeinnützig
       
       Der Fall birgt politische Sprengkraft, weil der Bundesfinanzhof nach einem
       jahrelangen Rechtsstreit kürzlich entschieden hatte, dem
       [3][globalisierungskritischen Netzwerk Attac die Gemeinnützigkeit zu
       entziehen]. Mitglieder der CDU hatten daraufhin unter anderem auch
       gefordert, als Nächstes der [4][Deutschen Umwelthilfe die Gemeinnützigkeit
       zu entziehen]. Zahlreiche Stimmen warnten dagegen davor, dass das Urteil
       [5][Folgen für viele zivilgesellschaftlich engagierte Gruppen und Vereine]
       haben könnte.
       
       Bislang jedenfalls nicht für alle.
       
       Laut Tagesspiegel erreichte Uniter beim Finanzamt Stuttgart die Anerkennung
       als gemeinnützig unter Verweis auf seine Satzung, die etwa die „Förderung
       von Fort- und Berufsbildung“ aufzählt. Das bedeutet, dass Spenden
       steuerlich abzugsfähig sind und Spenderinnen und Spender diese bei ihrer
       Steuerklärung berücksichtigen können. Mit dem Verfahren unterstützt der
       Staat mittelbar die Förderung von Vereinen, die die Finanzämter als
       förderwürdig anerkennen. Ob ein Verein gemeinnützig ist oder nicht,
       entscheidet in der Regel das für ihn zuständige Finanzamt.
       
       Worum handelt es sich bei Uniter? Die taz hatte Ende 2018 in umfangreichen
       Recherchen über ein Schattennetzwerk berichtet, in dem sich bundesweit
       Menschen organisierten, die sich auf einen sogenannten „Tag X“
       vorbereiteten. Mitglieder dieses Netzwerkes waren Soldaten, Polizisten und
       Mitglieder von Sicherheitsbehörden. Einzelne von ihnen sollen geplant
       haben, am „Tag X“ politische Gegner gefangen zu nehmen, in Lagern
       zusammenzuführen und zu liquidieren. In einer Chatgruppe in Süddeutschland
       war auch der rechtsextreme Bundeswehrsoldat Franco A. Mitglied, gegen den
       die Bundesanwaltschaft wegen Terrorvorbereitungen ermittelte. Ermittler
       fanden bei ihm unter anderem ein Uniter-Patch.
       
       ## Verein Uniter im Fokus der Sicherheitsbehörden
       
       Zentrale Rolle in diesem Netzwerk spielte der damalige KSK-Soldat André S.,
       der sich selbst in Chatgruppen und im Internet „Hannibal“ nennt. Er ist
       auch die zentrale Figur hinter dem Verein Uniter, der derzeit im Fokus der
       Sicherheitsbehörden steht.
       
       Der Verein selbst behauptet von sich, keine extremistischen Gesinnungen
       zuzulassen und karitativen Zwecken nachzugehen. Derzeit wirbt er unter
       anderem für die Teilnahme an einem Überlebenstraining, das Anfang Mai
       stattfinden soll. Offenbar ist der Verein auf Spenden angewiesen. Für Mai
       planen Mitglieder einen [6][Spendenmarsch, um Gelder anzuwerben]. Gespendet
       werden kann auch [7][direkt für die sogenannten „Medical Response Units“].
       Dabei handelt es sich um die Ausbildung von Einheiten, die in
       Krisensituationen wie Katastrophen- und Bürgerkriegsszenarien unter
       Beschuss Verwundete bergen und versorgen können. Unter anderem vergibt der
       Verein für eine Spende [8][einen kleinen oder großen Spendenorden] – je
       nachdem, ob man 100 oder 200 Euro spendet.
       
       Im Dezember 2018 berichtete die taz unter anderem darüber, dass Uniter
       unter seinem Dach auch eine eigene militärische Kommandoausbildung
       anbietet. Anwärter werden einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen und
       erhalten offenbar nach erfolgreicher Teilnahme ein Emblem mit einem Wolf,
       der die Zähne fletscht. Aufschrift: „Semper Fidelis“ – zu deutsch: „für
       immer treu“. Möglich wäre natürlich, dass der Verein auch darin die
       satzungsgemäße „Förderung der Aus- und Berufsbildung“ sieht.
       
       Uniter selbst ist derzeit Aufklärungsgegenstand in zahlreichen Landtagen
       und im Deutschen Bundestag sowie von Ermittlungsbehörden.
       
       6 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /taz-Recherche-zu-rechtem-Netzwerk/!5557397
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/politik/uniter-und-jouwatch-wenn-extrem-rechte-vereine-als-gemeinnuetzig-gelten/24066402.html
 (DIR) [3] /Gemeinnuetzigkeit-von-NGOs/!5574219
 (DIR) [4] /Attac-verliert-Gemeinnuetzigkeit/!5574073
 (DIR) [5] /NGO-Vertreter-ueber-das-Attac-Urteil/!5577159
 (DIR) [6] https://www.uniter-network.de/laufgruppe-uniter-erster-spendenmarsch/
 (DIR) [7] https://www.uniter-network.de/donations/medical-response-unit-unterstuetzung/
 (DIR) [8] https://www.uniter-network.de/spenden/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Kaul
 (DIR) Alexander Nabert
       
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