# taz.de -- Umverteilung beim Jobcenter: Weniger Bildung für Arbeitslose
       
       > Das Jobcenter drosselt die Ausgabe von Bildungsgutscheinen für
       > Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge. Der Grund: Auch die Verwaltung
       > braucht Geld
       
 (IMG) Bild: Ohne Deutsch kein guter Job: Das Jobcenter kürzt trotzdem Gelder für Sprachkurse
       
       Hamburg taz | Es gibt neuen Streit um die Förderung von
       Langzeitarbeitslosen. Zwar überweist der Bund an Hamburgs Jobcenter in
       diesem Jahr mehr Geld dafür. Trotzdem werden derzeit kaum noch Gutscheine
       für Bildungs- und Aktivierungsmaßnahmen ausgegeben. Die in der
       Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit (BAG) vertretenen Bildungsträger sprechen
       von einem „Förderstopp“ und sind mit der Arbeitsagentur gar über Kurzarbeit
       für ihre Mitarbeiter im Gespräch.
       
       „Warum die Verwaltung derartig auf die Bremse tritt, ist uns nicht
       ersichtlich“, sagt Bernd Schröder, Mitglied der BAG und Geschäftsführer des
       Bildungsträgers „SBB Kompetenz“. Schröder und seine Mitstreiter haben einen
       Infobrief verfasst, der die wichtigsten Daten aufführt: 119,2 Millionen
       Euro überweist der Bund in 2017 für den „Eingliederungstitel“ (EGT) der
       Stadt. So heißt das Geld für die Förderung von arbeitslosen Menschen. Das
       sind acht Millionen Euro mehr, als 2016 ausgegeben wurden.
       
       Trotzdem sollen nach der Planung des Jobcenters 2017 nur 105 Millionen Euro
       ausgegeben werden. Und weil ein Großteil der Summe schon verplant sei, gibt
       es seit Januar die „Förderbremse“.
       
       Das spürt zum Beispiel der Bildungsträger „KOM“, der „Lesen und Schreiben
       für den Beruf“ an der Kieler Straße anbietet. „Die Menschen lernen Lesen
       und Schreiben bei uns und werden nebenher für Gastronomie und Gartenbau
       qualifiziert“, sagt Leiter Jürgen Roßnagel. Es gebe viele Erwachsene, die
       funktionale Analphabeten seien, aber zu wenig Angebote.
       
       „Doch im Mai ist Schluss“, sagt Roßnagel. Er musste bereits drei
       Kursleiterinnen kündigen. Man versuche nun, bis Mai die letzten 24
       Teilnehmer in Arbeit zu vermitteln. Auch beim Träger „Allraune“, der seit
       einem Jahr für Geflüchtete die gut betreuten „Moin“-Kurse für „Motivierung
       und Integration“ anbietet, schmelzen die Teilnehmerzahlen. „Anfang Januar
       waren es noch 60, im Mai sind es nur noch 19“, berichtet Geschäftsführerin
       Petra Lafferentz. Auch Gutscheine für „berufsbezogenen“ Spracherwerb soll
       es nicht mehr geben. Insgesamt sollen in 2017 über 7.000 Maßnahmen weniger
       beginnen als 2016.
       
       Das Jobcenter, das in Hamburg gemeinsam von der Bundesarbeitsagentur und
       der Sozialbehörde gesteuert wird, spricht von „vorläufigen Planungen“,
       bestätigt aber die Tendenz. Zum einen habe man im Sommer 2016 noch mit
       etwas mehr Geld für 2017 gerechnet und deshalb bei Trägern Maßnahmen im
       Paket eingekauft, mit denen Geld gebunden sei. Zum anderen sei es nötig,
       Geld aus dem EGT in den Verwaltungsetat des Jobcenters mit seinen rund
       2.200 Mitarbeitern umzuschichten – rund 13 Millionen Euro.
       
       Zusammen mit dem Geld, das der Bund und die Stadt für Verwaltung zahlen,
       stünden so fast 178 Millionen Euro für die Bürokratie bereit – und nur noch
       105 Millionen Euro für aktive Angebote. „Das ist ein Missverhältnis. Wir
       finden das erklärungsbedürftig“, sagt BAG-Mitglied Lafferentz. Das
       Jobcenter müsste transparent machen, wofür es das Geld brauche.
       
       Jobcenter-Sprecher Matthias Thamling erklärt, die Umschichtung sei nötig,
       weil das Geld des Bundes zu knapp sei, um die regelmäßigen Kosten zu
       finanzieren – etwa Personalkosten für die Betreuung, IT-Kosten, Mieten und
       „weitere laufende Betriebskosten“. Doch die Personalkosten machten in 2016
       nur etwa 101 Millionen Euro aus, wie eine Anfrage der Linken ergab. Die
       mehr als 70 Millionen Euro für Miete und IT-Kosten erschienen ihr „recht
       viel“, sagt Lafferentz. Die Bildungsträger fordern den Bundestag nun auf,
       genug Geld für die Jobcenter-Verwaltung bereitzustellen, damit diese nicht
       „auf Kosten der Arbeitslosen geht“.
       
       6 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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