# taz.de -- Zukunft der E-Mobilität: Grüne fürchten rechte Verbrenner-Koalition
> Wird das Aus vom Verbrenner-Aus noch mehr aufgeweicht? Grüne warnen vor
> Zusammenarbeit zwischen Konservativen und extremen Rechten im
> EU-Parlament.
(IMG) Bild: Mit den Rechten in der EU weiter im Abgas-Smog mit dem Verbrenner zur Arbeit – Fortschritt sieht anders aus
Die Grünen im EU-Parlament warnen die Konservativen, gemeinsam mit den
Rechtsextremen die von der EU-Kommission vorgeschlagene Abkehr vom
kompletten [1][Aus vom Verkauf von Verbrenner-Autos] in der EU ab 2035 noch
weiter aufzuweichen.
Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber,
müsse eine „klare Ansage“ machen, „keine Mehrheiten mit den Rechtsextremen
einzugehen, nur um die Antriebswende auszubremsen“, sagte [2][Michael
Bloss], der klima- und industriepolitische Grünen-Experte im
Europaparlament.
Ende 2025 hatte die EU-Kommission eine Aufweichung des 2022 beschlossenen
Verbrenner-Aus im Jahr 2035 vorgeschlagen: Statt 100 Prozent sollen die
Emissionen von Neuwagen danach bis 2035 nur noch um 90 Prozent gegenüber
2021 sinken. Die verbleibenden 10 Prozent sollen über grünen Stahl und
klimaschonende Kraftstoffe ausgeglichen werden.
Webers EVP-Parteifreunden reicht das nicht. Der italienische
EVP-Berichterstatter im Parlament, Massimiliano Salini, legte im Mai ein
[3][Papier mit 45 Änderungen zum Kommissionsvorschlag] vor. Danach sollen
Autos mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 als emissionsfrei zählen können
– wenn sie ausschließlich mit bestimmten erneuerbaren Kraftstoffen fahren.
## „Super-Credits“ für E-Kleinfahrzeuge
Kleine Elektroautos und elektrische Nutzfahrzeuge sollen zudem
„Super-Credits“ bekommen, damit die Hersteller ihre Klimaziele rechnerisch
leichter erreichen. Auch Plug-in-Hybride sollen günstiger bewertet werden.
Insgesamt will Salini auch 90 Prozent Reduktion – jedoch ohne zusätzliche
Ausgleichsmaßnahmen. Das würde das Emissionsziel weiter senken.
Die EVP hat einen Verbündeten. Die extrem rechten Fraktionen im Parlament
wollen das Verbrenner-Aus vollständig schreddern. Und könnten dazu zusammen
mit der EVP Mehrheiten suchen, fürchtet Bloss. Weber habe bislang
Kooperationen mit Rechtsaußen nicht ausgeschlossen, die EVP bereits bei
anderen Themen Mehrheiten mithilfe extrem rechter Abgeordneter in Kauf
genommen. „Die Industrie sollte sich darauf konzentrieren,
wettbewerbsfähige E-Autos zu entwickeln, um sich gegen die Konkurrenz aus
China durchzusetzen, statt mit zwielichtigen Gestalten dem Verbrenner-Motor
ein paar Jahre mehr zu geben und am Ende mit leeren Händen dazustehen“, so
Bloss.
Laut [4][Spiegel] wurde in dieser Woche eine für kommenden Montag geplante
Abstimmung im Verkehrsausschuss des EU-Parlaments zum Verbrenner-Aus
verschoben. Weitere Ausschüsse und das Plenum müssen auch noch abstimmen.
Es erscheine nun insgesamt fraglich, ob sich die EVP mit Sozialdemokraten
und Liberalen zum Thema einigen könnte – oder andere Mehrheiten suchen
würde.
Die Kund*innen kaufen inzwischen [5][mehr E-Autos als Verbrenner].
Stromer machten im August 2026 in Europa laut Autoverband ACEA 27,7 Prozent
aller Neuzulassungen aus, rund 10 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.
Reine Benziner und Diesel machten je 18,9 und 6,4 Prozent der
Neuzulassungen aus – zusammen also nur gut 25 Prozent. Den größten
Marktanteil haben allerdings Hybride. Inklusive Plug-in-Hybriden kommen sie
auf mehr als 44 Prozent des Marktes. Gleichzeitig ist China in Deutschland
als wichtigster Fahrzeugimporteur an Tschechien und Spanien vorbeigezogen.
Die Industrie pocht indes auf Klarheit über die Rücknahme des
Verbrenner-Verbotes. „Es gibt seit Langem eine Vereinbarung, das
De-facto-Verkaufsverbot neuer Diesel und Benziner in der EU ab 2035
aufzuheben, damit mehr Zeit für den Umstieg auf E-Mobilität bleibt“, sagte
die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie,
Tanja Gönner, am Freitag zur Neuen Osnabrücker Zeitung. Aber der
Gesetzentwurf liege in Brüssel immer noch nicht vor. Die Bundesregierung
solle sich „dafür einsetzen, dass das jetzt rasch kommt. Denn die
Unternehmen brauchen Stabilität und Verlässlichkeit.“
2 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Deutsche-Autobauer-in-der-Krise/!6217246
(DIR) [2] https://michaelbloss.eu/de/presse/pressemitteilung/autoindustrie-mit-rechten-mehrheiten
(DIR) [3] https://ecomento.de/2026/05/13/evp-will-mehr-ausnahmen-beim-geplanten-verbrenner-aus-der-eu/
(DIR) [4] https://www.spiegel.de/wirtschaft/verbrenner-aus-europaparlament-vertagt-entscheidung-ueber-moegliche-aufweichung-a-b098b4d3-15b2-4248-a2a0-2499675659d7
(DIR) [5] /Automobilbranche/!6214962
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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