# taz.de -- Streit in der CSU: Webers missglücktes Pfingstwunder
       
       > Mit einem Brandbrief gegen Markus Söder wollte CSU-Vize Weber seine
       > Partei aufrütteln. Einige hat er tatsächlich aufgebracht – gegen sich
       > selbst.
       
 (IMG) Bild: Markus Söder (r.) und Manfred Weber gemeinsam in Brüssel, 5. Mai 2026
       
       Als Markus Söder Anfang des Monats mit seinem Kabinett nach Brüssel reiste
       und dort natürlich auch EVP-Chef Manfred Weber traf, konnten manche der
       mitreisenden Journalisten ihre Verwunderung nicht verbergen. Dass der
       bayerische Ministerpräsident und Weber sich in tiefer Abneigung verbunden
       sind, ist schließlich allseits bekannt. Aber nun verspürten sie Harmonie
       pur bei dem Aufeinandertreffen. Als „entscheidende Persönlichkeit“ und
       „bayerischen Standortvorteil“ in Brüssel habe Söder seinen Rivalen
       bezeichnet, notierten sie.
       
       Es war wohl ein Teil der viel beschworenen „Neuerfindung“ des CSU-Chefs
       nach den für die Partei verheerenden Kommunalwahlen im März: weniger
       Rumgehüpfe auf den vermeintlich sozialen Medien, stattdessen unter anderem
       ein neuer Teamgeist in der Partei.
       
       Doch zumindest von Webers Seite hielt der Waffenstillstand nicht allzu
       lange. Pünktlich zu Pfingsten schrieb der bekennende Katholik dem
       bekennenden Protestanten einen Brief, der es in sich hatte. Offiziell
       freilich war das Schreiben nicht an Söder adressiert, sondern an wichtige
       Mandatsträger seiner Partei. Der Name Söder soll darin noch nicht einmal
       erwähnt worden sein. Und doch waren sich alle, die den fünf Seiten langen
       Brief gelesen haben, einig darin, dass er nichts anderes als eine
       Abrechnung mit dem CSU-Chef gewesen sei.
       
       ## „Mehr Ambition statt Schulterklopfen“
       
       „Wir müssen das Gemeinwohl wieder visionär ins Zentrum unserer Politik
       rücken“, forderte Weber, der die EVP-Fraktion im Europaparlament führt und
       stellvertretender CSU-Chef ist. Das nötige Gemeinschaftsgefühl werde man
       nicht mit Schlagzeilen oder Klickzahlen erreichen, sondern nur mit
       Kreativität, Mut und Ideen. „Es waren die besten Jahre für die CSU, als wir
       nicht dem Zeitgeist gefolgt sind, sondern unseren Überzeugungen.“
       
       Konkret ging Weber auf die [1][Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und
       Europas] ein, forderte eine Drohnen-Armee, einen Raketenabwehrschirm, eine
       Cyber-Brigade und Satelliten-Aufklärung. „Das Absingen von Hymnen bei
       Abiturfeiern ist wichtig, aber die Frage unserer zukunftsfähigen
       Verteidigungs- und Rüstungsfähigkeit sagt mehr über gelebten Patriotismus.“
       Auch dies eine Anspielung auf Söder, der jüngst eine Hymnenpflicht bei
       Abschlussfeiern an Schulen durchgesetzt hatte.
       
       Auch genüge es nicht, eine Hightech-Agenda 2.0 aufzulegen. „Wir brauchen
       eine Debatte über unsere Kultur. Mit der Kernfrage: Was hält uns heute
       zusammen?“ Eine „kraftvolle Bayernerzählung“ müsse das Miteinander in den
       Mittelpunkt stellen. Statt Schulterklopfen brauche es mehr Ambition. In der
       Tat hat Söder in der vergangenen Woche im bayerischen Landtag [2][eine
       Regierungserklärung abgegeben], in der er zwar auf Schenkelklopfer
       verzichtet, das Schulterklopfen dafür aber um so energischer betrieben hat.
       
       ## Gegenkritik aus Söders Umfeld
       
       Ein Großteil der Weber’schen Kritik kennt Söder freilich. Seit Monaten,
       wenn nicht Jahren, hält man ihm – zunehmend auch aus der CSU – mangelnde
       Ernsthaftigkeit vor. Zuletzt schien es ihm ein großes Anliegen zu sein, den
       Parteifreunden zu signalisieren, dass er sich den Tadel zu Herzen nimmt.
       Umso mehr dürfte der Angriff aus Brüssel in der Partei nun als Nachtreten
       verstanden werden.
       
       So schlossen sich die Reihen um Söder schnell. Vor allem Webers Pendants
       auf Bundes- und Landesebene schossen zurück. „Ich nehme wahr, dass viele in
       der Partei diesen Brief als unglücklich empfunden haben“, meldete sich
       CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann im Münchner Merkur zu Wort.
       „Anregungen sind immer willkommen, aber öffentliche Briefe, in denen einer
       den anderen erklärt, was in deren Bereich besser laufen sollte, bringen die
       CSU nicht voran.“ Für den Erfolg seiner Hightech-Agenda werde Bayern aus
       anderen Ländern bewundert, sie sei Vorbild für die [3][geplante
       Hightech-Agenda des Bundes] gewesen.
       
       Auch Klaus Holetschek, CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag,
       kritisierte Weber. Er werfe Fragen auf, ohne konkrete Antworten zu geben.
       „Wir als CSU-Fraktion hingegen geben zusammen mit dem Ministerpräsidenten
       und der Staatsregierung täglich Antworten.“ Weber habe jederzeit
       Gelegenheit, seine Ideen im Parteivorstand einzubringen. Er freue sich auf
       die Diskussion.
       
       28 May 2026
       
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 (DIR) Dominik Baur
       
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