# taz.de -- UNO, CSU und EU: Staatsräson kostet Geld
       
       > Deutschland sucht nach dem Schuldigen des Wahldebakels bei der UNO.
       > Wiedergewählt wird wohl nur CSU-Politiker Markus Söder.
       
 (IMG) Bild: Auf„Söder isst“ folgt „Söder war“, dann „Söder wer?“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Gewitter.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Schafskälte.
       
       taz: Der Kanzleraustausch ist vorerst abgesagt. Wäre er dennoch angesagt? 
       
       Küppersbusch: Ja, schon, aber wer nimmt freiwillig unseren? Ich hätte dann
       gern Kanadas [1][Mark Carney,] nach seiner fulminanten Rede in Davos weiß
       man, was „Liberalismus“ auch sein kann. Und seit dem FDP-Parteitag, was wir
       da auch wieder für ein Pech haben. Schade. Wie war noch mal die Frage?
       Genau! Markus Söders Wendung von der „letzten Patrone der Demokratie“ mag
       die tiefe Erkenntnis bergen, dass nach Merz eher nur noch Luftgewehr kommt,
       zum Beispiel Markus Söder. Trifft jedoch auch einen Punkt: Einigen geht es
       bei diesem Permanenzgenörgel nicht nur um Merz, die Fähigkeitslücke im
       Kanzleramt. Sondern auch um die Systemfrage. Manche würden auch jedes
       andere Kanzlernde demolieren, auf dem Weg zur „harten Hand“, zum „starken
       Mann“, zu einem autoritäreren Regime. Das sich dann solche Miesmacherei
       medienpolitisch vom Hals hielte. Die wahre Tragik heißt also „Friedrich
       Merz – zum Aussitzen verurteilt“. Er muss merkeln.
       
       taz: Deutschland fällt bei der [2][Wahl in den UN-Sicherheitsrat] durch und
       keiner will die Verantwortung übernehmen. Eine 6 im Zeugnis von
       Außenkanzler Merz? 
       
       Küppersbusch: Da will nun wirklich jeder sein Süppchen drauf warm kriegen.
       In den Geschmacksrichtungen Pampe, Ampel, Hampel. Baerbock soll’s vergeigt
       haben als hochmoralische Supernanny, hat „Bild“ recherchiert. Der
       CDU-Unbekanntenbeauftragte von Hessen möchte auch mal mit was in die Medien
       und findet jetzt, „selber ätsch“, die UN ein bisschen doof und teuer. Wie
       immer hat Merz versagt, diesmal auch Wadephul, und ein „nicht ständiger
       Sitz“ ist völlig überraschend nicht ständig. Skandal. Angenommen mal, es
       spiele eine größere Rolle, dass Deutschland Israels Kriegsverbrechen
       beschweigt, Palästina nicht als Staat anerkennt, das Völkerrecht auch des
       angegriffenen Iran ignoriert: Dann böte sich hier die Erkenntnis an, dass
       „Staatsräson“ kein Gratisspaß für langweilige Kranzniederlegungen ist,
       sondern etwas kostet. Alle wieder abregen. Das UN-Topgremium spiegelt eine
       Welt von circa 1945 und ist damit selbst der ständige Witz im
       Sicherheitsrat. Sage ich mal so als Dritte-Welt-Land.
       
       taz: Pünktlich zu Fronleichnam macht die Rede von der „Söder-Dämmerung“ die
       Runde. Dämmert es dem bayerischen Ministerpräsidenten oder hämmert er
       einfach weiter? 
       
       Küppersbusch: [3][Söder hat die schlechtesten Wahlergebnisse der CSU]
       nahezu ever eingefahren. 10 Prozentpunkte weniger als der zwischen Bund und
       Land zerrissene Seehofer 2013, stattliche 23 weniger als der gar nicht mal
       so aufregende Stoiber 2003. Und kennt jemand einen Günther Beckstein, der
       2008 immerhin 43 Prozent holte? Auf „Söder isst“ folgt „Söder war“, wenn
       „Söder wer?“ geklärt ist: Seine ruhmreichen Ahnen hatten es nicht mit
       „Freien Wählern“ und AfD zu tun, und wer ihm vielleicht gefährlich werden
       könnte, wird wegverbundespräsidiert wie Ilse Aigner. CSU-Claim zur
       Landtagswahl 2028: „Söder – wir haben keinen Besseren“. Macht der auch.
       
       taz: Italien hat es in Albanien vorgemacht: EU-Mitgliedstaaten dürfen jetzt
       Abschiebezentren in anderen Ländern bauen. Verlagert die EU damit nur das
       Problem Migration? 
       
       Küppersbusch: Eine mögliche Choreo: Die EU beschließt das in Italien
       vorerst gescheiterte Modell, setzt auf eine günstigere Rechtsprechung des
       Europäischen Gerichtshofs, und dann haben sie wahlweise ihre Lager, die
       nichts nutzen, außer rechtspopulistische Affekte zu bedienen. Oder der EuGH
       bremst das Ganze ein und dann haben sie einen Schuldigen in den Gerichten
       und bedienen so rechtspopulistische Affekte. Win-win – außer für das
       Migrationsthema, die Migranten und Europa.
       
       taz: Selenskyj hat Putin direkte Friedensgespräche angeboten. Putin will
       die nur in Moskau führen und lässt Kiew heftig attackieren. Das
       (vor-)letzte Aufbäumen des russischen Herrschers? 
       
       Küppersbusch: Es sind vier Wochen vergangen, seit Putin die – von mir aus:
       Wodkaidee – mit dem Vermittler Schröder erbrach. Statt nun ruck, zuck einen
       Trumpf aus dem Ärmel zu holen und allseits kompatible Parlamentäre zu
       benennen, knötert die EU, ereifern wir uns über alles, was keinesfalls
       geht. Derweil Leere unter der weißen Fahne. Man kann schlecht über
       Russlands verbrecherischen Krieg trauern: „Jeden Tag sterben Menschen“, und
       in dieser Situation aber mal souverän ignorieren: Jeden Tag sterben
       Menschen.
       
       taz: Wer ab Juli in den Kölner Dom will, muss 12 Euro zahlen. Es sei denn,
       es ist Gottesdienst. Fair enough? 
       
       Küppersbusch: Man darf auch kurz gratisbeten oder über den Nordeingang der
       Schmuckmadonna zufrömmeln ohne Ticket. Fußläufig vom Dom ist mein Kölner
       Büro, für einen 5er könnt Ihr mal gucken.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Pokal-Los ausgerechnet gegen den „linken“ FC St. Pauli,
       örtliche Medien dunkelfreuen sich schon auf die zuletzt bei „Monitor“
       gehypte rechte Ultra-Fanszene der Essener. Ja, sagt denen mal Bescheid.
       
       Fragen: Doris Akrap
       
       7 Jun 2026
       
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