# taz.de -- EU-Zeichen gegen Trump: Internationaler Strafgerichtshof erhält Sacharow-Preis
> Das Europäische Parlament würdigt die Arbeit des Internationalen
> Strafgerichtshofs mit dem Sacharow-Preis – und stellt sich damit klar
> gegen die US-Regierung.
(IMG) Bild: Der IStGH hat sich mit sicherlich genug wichtigen Männern angelegt, um geehrt zu werden
dpa | Das Europaparlament zeichnet den derzeit unter starkem Druck der USA
stehenden Internationalen Strafgerichtshof und seine Vertreter mit dem
Sacharow-Preis aus. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola verkündete die
Entscheidung in Straßburg. „Die Europäische Union basiert auf der Achtung
des Multilateralismus und der internationalen Institutionen, und dieser
Preis würdigt die wichtige Arbeit des Gerichtshofs bei der Wahrung des
Völkerrechts und der Gerechtigkeit.“
Verliehen wird der Preis im Dezember bei der Plenarsitzung des Parlaments
in Straßburg. Der IStGH mit Sitz in Den Haag (Niederlande) verfolgt seit
2002 schwerste Verbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit. Der Gerichtshof hat 125 Vertragsstaaten.
## Gericht: Wichtiges Signal
Der Gerichtshof dankte dem Parlament für die Auszeichnung. Dies sei eine
wichtige Unterstützung für das Gericht und alle, die sich für das
internationale Recht einsetzten. Gerichtspräsidentin Tamako Akane wies
darauf hin, dass das Gericht zurzeit einem großen Druck durch die
Sanktionen der USA ausgesetzt sei.
Der Sacharow-Preis bekräftige die „Bedeutung unabhängiger Justizbehörden“,
heißt es in einer in Den Haag verbreiteten Erklärung. „Er unterstreicht,
wie wichtig eine fortgesetzte internationale Zusammenarbeit und
Unterstützung ist, damit der Gerichtshof sein Mandat unabhängig und
unparteiisch im Dienste der Gerechtigkeit und der Opfer der schwersten
Verbrechen wahrnehmen kann.“
## USA werfen dem Gericht politische Motivation vor
Das Gericht steht vor allem [1][wegen des seit 2024 vorliegenden
Haftbefehls gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu] unter
Druck der US-Regierung. Die USA werfen dem Gerichtshof unter anderem vor,
politisch motiviert zu handeln. Netanjahu werden Kriegsverbrechen im
Gazastreifen zur Last gelegt. Er weist die Vorwürfe zurück. Neben den USA
und Israel erkennen unter anderem auch Russland, China und die Türkei den
IStGH nicht an.
Die US-Regierung geht seit Längerem gegen das Gericht vor, auch wegen
vorläufiger Ermittlungen gegen US-Bürger wegen möglicher Kriegsverbrechen
in Afghanistan. Schon im Februar 2025 ordnete Trump Sanktionen gegen
Mitarbeiter an, die zum Beispiel keine E-Mails mehr empfangen oder
Kreditkarten nutzen konnten. Sanktionen wurden auch gegen
Gerichtspräsidentin Tomoko Akane verhängt. Im September rief
[2][US-Präsident Donald Trump] Staaten zum Austritt aus dem IStGH auf.
Kurz darauf, Anfang Oktober, verhängte die US-Regierung Sanktionen gegen
das Gericht selbst. Das Gericht könnte dadurch völlig von digitalen und
finanziellen Transaktionen abgekoppelt werden, dazu gehören Bankgeschäfte
oder E-Mails. Die Maßnahmen sollen allerdings erst nach 180 Tagen in Kraft
treten.
Die Ankündigung kam wenige Stunden nach der Verleihung des
[3][Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navanethem
Pillay], die von 2003 bis 2008 Richterin an dem Gericht war.
## Deutschland sicherte Unterstützung zu
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig sprach nach der Verhängung der
Sanktionen von einem finsteren Tag für das internationale Recht und die
Idee einer regelbasierten Weltordnung. Es sei eine „bittere Pointe“, dass
dies am gleichen Tag geschehe, an dem einer ehemaligen Richterin des
Gerichtshofs der Friedensnobelpreis zugesprochen werde, sagte die
SPD-Politikerin. Sie betonte: „Deutschland hat sich von Beginn an für den
Internationalen Strafgerichtshof starkgemacht – und wir müssen das
weiterhin tun.“
Neun Vertragsstaaten, darunter Deutschland, wiesen die Sanktionen zurück
und sicherten dem Gericht ihre Unterstützung zu.
Das Gericht selbst verurteilte die Strafmaßnahmen der USA. „Es ist ein
Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit und auf die Grundfesten der
internationalen Rechtsordnung, der das einfache Prinzip untergräbt, dass
niemand über dem Gesetz steht“, heißt es in einer Stellungnahme des
Gerichts. Es sprach von einem „beispiellosen Schritt“. Zuvor hatte die
US-Regierung bereits Sanktionen gegen 13 Richter und Ankläger verhängt. Die
USA versuchten damit, „den Lauf der Justiz zu behindern“, erklärte der
Gerichtshof.
## Preis für Verteidigung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit
Der Sacharow-Preis wird seit 1988 vom Europäischen Parlament an
Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für die
Verteidigung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit einsetzen. Er ist
mit 50.000 Euro dotiert. 2024 ging er an die Opposition in Venezuela, 2025
an zwei inhaftierte Journalisten, Andrzej Poczobut aus Belarus und Msia
Amaghlobeli aus Georgien. Poczobut wurde im April dieses Jahres nach fünf
Jahren Haft im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen.
Metsola würdigte auch die anderen Nominierten. Tundu Lissu habe sich für
freie und faire Wahlen in Tansania eingesetzt und sei derzeit in Haft. Die
beiden Schwestern Taraneh und Romina Rahimi waren „im Namen all jener, die
vom islamischen Regime im Iran verfolgt werden“, für den Sacharow-Preis
vorgeschlagen worden. „Taraneh und Romina sollten eigentlich ihr ganzes
Leben noch vor sich haben, doch die eine muss wegen ihres Protests mit der
Todesstrafe rechnen, der anderen drohen jahrzehntelange Haftstrafen“, sagte
Metsola. „Sie alle gehören nun zu unserer Sacharow-Familie.“
22 Oct 2026
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