# taz.de -- Trump und die Midterms: Schnell noch mal rund um sich schlagen
       
       > Der US-Präsident wird zusehends nervös und er hat gute Gründe dafür.
       > Weder für sein Umfeld noch für den Rest der Welt verheißt das Gutes.
       
 (IMG) Bild: Muss sich um den Ausgang der Zwischenwahlen ernsthafte Sorgen machen: US-Präsident Donald Trump bei seiner Kampagne
       
       Wenige Wochen vor den US-Zwischenwahlen, bei denen sich allen Umfragetrends
       zufolge eine Niederlage der regierenden Republikaner abzeichnet, dreht
       Präsident Donald Trump völlig frei. Er hat sich mit seiner eigenen Politik
       Fallen gestellt, aus denen er jetzt nicht mehr herauskommt. Im Ergebnis
       schlägt er kopflos um sich.
       
       Sein [1][Irankrieg] hat weltweit die Energiepreise in die Höhe getrieben.
       Das merken seine Wähler*innen an der Zapfsäule und die republikanischen
       Wahlstrategen in den Umfragen. Weil Trump aber niemals für irgendetwas die
       Verantwortung übernimmt, erklärt er kurzerhand [2][die ukrainischen
       Angriffe auf russische Raffinerien] für schuldig, fordert die Absetzung des
       ukrainischen Präsidenten und will entgegen den Sanktionsbeschlüssen des
       eigenen Kongresses Diesel bei Russlands Despoten Wladimir Putin kaufen.
       
       Das passt zwar zu Denk- und Verhaltensmustern, die Trump schon seit Beginn
       seiner zweiten Amtszeit an den Tag legt. Der Unterschied ist, dass ihm der
       erratische Irrsinn nun zum ersten Mal auch innenpolitisch schadet.
       Republikanische Kandidat*innen, die Trump in ihrem Wahlkreis nicht sehen
       wollen – das gab es noch nie, seit der Narzisst die republikanische Partei
       überrollt und unterworfen hat.
       
       Dazu kommt, dass sich mit der zweiten Hälfte der zweiten Amtszeit die Phase
       nähert, in der US-Präsidenten gemeinhin zur „Lame Duck“ erklärt werden. Mit
       alledem kann Trump überhaupt nicht umgehen, und umso wilder werden seine
       Attacken. Lame duck with a gun. Beispiel: Nein, die USA waren noch nie
       Freunde des I[3][nternationalen Strafgerichtshofs] und haben seine
       Jurisdiktion nie anerkannt. Dazu genügte es, einfach nicht Mitglied zu sein
       – schlimmstenfalls hätten angeklagte und per Haftbefehl gesuchte
       US-amerikanische Staatsbürger Auslandsreisen in Vertragsstaaten des
       Gerichtshofs meiden müssen.
       
       Nur hat der Gerichtshof noch nie US-Amerikaner angeklagt, sosehr auch
       Menschenrechtsorganisationen dafür geworben haben. Gleichwohl ist die
       Trump-Regierung dazu übergegangen, den Gerichtshof nicht links liegen zu
       lassen, sondern offensiv zerstören zu wollen. Das ist doch ein einmaliger
       Vorgang – passt allerdings zu Trump, der als korruptester Präsident der
       neueren Geschichte mit der Justiz auch im eigenen Land auf dem Kriegsfuß
       steht.
       
       Falls die Demokrat*innen nach den midterm elections tatsächlich wieder
       das Repräsentantenhaus kontrollieren, werden sie gar nicht anders können,
       als ein drittes Impeachmentverfahren gegen diesen Präsidenten einzuleiten.
       Dann immerhin hat Trump noch einmal alle Aufmerksamkeit.
       
       11 Oct 2026
       
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