# taz.de -- Personalwechsel in der SPD: Ein Swiftie kommt ins Arbeitsministerium
> Alexander Schweitzer soll der Nachfolger von Bärbel Bas werden. Wer ist
> der Mann, der die Bundesregierung zuletzt häufiger kritisierte?
(IMG) Bild: Künftig mehr in Berlin als im Pfälzerwald: Alexander Schweitzer soll neuer Arbeitsminister werden
Im März verlor Alexander Schweitzer „den Kampf seines Lebens“. Seine bis
dahin geradlinige SPD-Laufbahn bekam einen Knick. Arbeiterkind, der Erste
in seiner Familie, der Abitur machte. 1989 trat er in die SPD ein, wurde
Juso-Chef, Fraktionschef, Generalsekretär der Landes-SPD und Sozialminister
in Rheinland-Pfalz. Schließlich folgte er Malu Dreyer als Ministerpräsident
– und verlor als erster SPD-Regierungschef seit 35 Jahren eine Landtagswahl
in Rheinland-Pfalz.
Und wer hatte Schuld? „Ich kann nicht verhehlen, dass die Bundes-SPD mir
keinen Rückenwind gegeben hat“, kritisierte Schweitzer kurz nach der Wahl
in der Rheinpfalz die Berliner SPD. Jetzt wechselt er selbst dorthin.
Der studierte Jurist soll Arbeitsminister in der Bundesregierung und
Nachfolger von [1][Bärbel Bas] werden, die am Montag zurücktrat.
[2][Schweitzer] gilt als politischer Ziehsohn des früheren
SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck, dessen Motto „Nah bei de Leut“ in
Rheinland-Pfalz verfangen hatte. Beck galt als provinziell und Außenseiter
in der SPD, drängte auf eine Abmilderung der Agenda-Reformen und warb für
den Mindestlohn.
Schweitzer selbst geht dabei einen etwas anderen Weg: Zwar ist auch er Fan
des 1. FC Kaiserslautern, trägt ein „Swiftie“-Freundschaftsarmband, lebt in
der Südpfalz und betont seine Herkunft vom Land. Der taz sagte er, er wolle
die Menschen wieder emotional abholen, das sei der AfD in der Vergangenheit
besser gelungen. Doch als Ministerpräsident war Schweitzer nicht nur auf
Weinproben oder in Pfälzerwaldhütten unterwegs. Schon damals galt er als
gut in Berlin vernetzt, saß oft in Talkshows – was ihm Kritik einbrachte:
Er sei zu selten vor Ort, nicht „nah bei de Leut“.
## Gegen den kalten neoliberalen Geist
Als Sozialminister unter Malu Dreyer von 2021 bis 2024 arbeitete Schweitzer
eng mit Gewerkschaften zusammen. Er habe dabei auch keine Berührungsängste
mit Betriebsräten gehabt, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Schweitzer war
damals auch der erste „Transformationsminister“. Im ländlichen
Rheinland-Pfalz bedrohten Strukturwandel und Coronapandemie viele
Arbeitsplätze in der Auto- und Zulieferindustrie. Schweitzer setzte auf
Weiterbildung und Hilfsangebote, um den Wandel zu gestalten – mit
weitgehend positiver Bilanz.
Als Arbeitsminister wird Schweitzer wohl nicht in allen Punkten mit seiner
Vorgängerin Bärbel Bas übereinzustimmen. So lobte Bas das Rentenpaket als
„Gesamtkunstwerk“. Der Zeit sagte Schweitzer zuletzt, er unterstütze die
Vorschläge der Rentenkommission größtenteils. Allerdings sprach er sich
gegen die Abschaffung der Rente mit 63 aus – ähnlich wie seine Genossinnen
Manuela Schwesig und Anke Rehlinger. Auch Friedrich Merz kritisierte
Schweitzer zuletzt scharf: Er sagte über den Kanzler, dieser atme „den
kalten neoliberalen Geist der neunziger Jahre“. Zudem hoffe er, „dass
dieses ewige Gerede über die vermeintlich faulen Deutschen und über die
Notwendigkeit, den Sozialstaat zu kürzen, aufhört“.
Dass Schweitzer sich für die Sozialdemokratie über Rheinland-Pfalz hinaus
interessiert, zeigte er zuletzt im September. Er besuchte den
[3][Labour-Parteitag] in Liverpool. Auch in England ging es der
Sozialdemokratie lange schlecht. Mit dem britischen Premier Andy Burnham
hat sich das nun geändert – er gilt als Hoffnungsträger der Partei, lässt
sich in Pubs filmen, gilt als bodenständig, kommt gut an. Er setzt auf
Themen wie Lebenshaltungskosten, stellt Arbeits- und Sozialpolitik in den
Mittelpunkt, will die einzelnen Regionen im Land in den Fokus nehmen sowie
Pubs steuerlich entlasten. Punkte, über die Schweitzer in seinem
Instagram-Video aus Liverpool sagt, sie geben wieder „Hoffnung“.
12 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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