# taz.de -- Rücktritt von Christian Schmidt: Make Bosnien Nationalistisch Again
> Der Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina schmeißt hin. Zuletzt legte
> er sich mit Serbenführer Dodik an – und verlor den Kampf. Auch wegen
> Trump.
(IMG) Bild: Der Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt, legt sein Amt nieder
Sein Rücktritt hatte sich schon angedeutet. Christian Schmidt, Hoher
Repräsentant und Sonderbeauftragter der internationalen Gemeinschaft in
Bosnien und Herzegowina, hatte in den vergangenen Monaten mit ansehen
müssen, wie das politische Koordinatensystem in diesem ohnehin
komplizierten Land durch die US-Regierung in neue Turbulenzen geriet. Oder
anders ausgedrückt: Auch Schmidt merkt jetzt, dass [1][Präsident Donald
Trump] das Land nicht stabilisieren, sondern den nationalistischen Kräften
freie Hand dafür lassen will, das Land unter sich territorial aufzuteilen.
Nach fünf Jahren im Amt hat Schmidt jetzt Konsequenzen gezogen. Weil er
sich vor allem gegen die von Trump betriebene Position stellte, geriet der
aus Fürth stammende CSU-Politiker unter starken amerikanischen Druck. Da er
aber all die Jahre zuvor wegen seiner Sympathien gegenüber dem kroatischen
Nationalismus in die Kritik geraten war, hatte er bei Intellektuellen und
der Zivilgesellschaft Renommee verspielt und den Ruf erworben, die
Geschichte Bosnien und Herzegowinas nicht zu verstehen.
Das wiederum ist auch eine Herausforderung, denn Bosnien und Herzegowina
ist nicht nur ein Vielvölkerstaat mit vier Religionsgemeinschaften,
orthodoxen und katholischen Christen, bosnischen Muslimen und den nach all
den Erschütterungen des letzten Jahrhunderts noch hier lebenden Juden: Das
Land besitzt eine in Europa einmalige Geschichte der Toleranz und des
Zusammenlebens dieser Volksgruppen, nachdem schon 1463 die osmanischen
Herrscher die Religionsfreiheit ausgerufen hatten.
Diese Tradition trotzte sogar dem Einmarsch der deutschen Truppen 1941 und
der nachfolgenden Verfolgung von Juden, Roma und Serben durch die
faschistischen Regime in Kroatien und in Serbien. Die sozialistischen
Partisanen kämpften für Zusammenhalt und Einheit.
## Ein Schlag für Nicht-Nationalisten
Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems stand für die serbischen
und kroatischen Nationalisten des letzten Krieges 1992-95 in Bosnien fest,
dass das Land territorial aufgeteilt werden sollte. Dies bildete den
Hintergrund für die Verbrechen der ethnischen Säuberungen. Nach dem Ende
des Krieges und der in der US-Stadt Dayton geschaffene Verfassung 1995
versuchte die internationale Gemeinschaft einen Kompromiss zwischen
Nationalisten und Nicht-Nationalisten zu finden. Das Ergebnis war eine
komplizierte Verfassung aus zwei Entitäten, der serbischen Republika Srpska
und der kroatisch-bosniakischen Föderation BiH sowie der Sonderzone Brčko.
Mit dem Büro des Hohen Repräsentanten wurde zudem eine zivile Instanz
aufgebaut, die den Vertrag von Dayton beaufsichtigen und absichern sollte
sowie die Wahlprozesse und die Parlamente in den Teilstaaten. 2021 wurde
Schmidt auf diesen Posten berufen.
Doch mit dem Krieg in der Ukraine und dem Aufkommen
autoritär-nationalistischer Bewegungen hat sich die internationale Lage
verschoben. Nationalisten und autokratische Herrscher wandten sich gegen
den Kompromiss von Dayton, nationalistische Kräfte wie der Serbenführer
Milorad Dodik oder der kroatische Extremist Dragan Covic propagierten ganz
offen ihre alte Forderung der Aufteilung des Staates nach nationalistischen
Kriterien.
[2][Dodik] drohte sogar mit der Abspaltung des serbisch kontrollierten
Landesteils, auch die Kroaten wollen einen Landesteil im Süden des Landes
aus dem Gesamtstaat herausbrechen. Demgegenüber steht die Mehrheit der
Bevölkerung aus Bosniaken und Menschen, die sich nicht ethnisch definieren
wollen.
Christian Schmidt stellte sich letztes Jahr offen gegen Dodik und
untersagte ihm, die Spaltung des Landes voranzutreiben. Das hat sich jetzt
zu seinen Gunsten geändert. Nun bekam er Beifall von der zivilen Seite, von
den Demokraten und Nichtnationalisten, die nach wie vor einen Bürgerstaat
fordern, in dem alle Menschen im Gegensatz zu den kollektiven Denkweisen
der Nationalisten die gleichen Rechte haben.
Eines steht fest. Europa muss sich gegen Trump und Putin stellen. Europa
ist zwar nicht ganz machtlos. Eine neue Person auf dem Posten könnte da
Zeichen setzen. Immerhin ist mit Orbán ein wichtiger Alliierter der
Nationalisten aus dem Amt gejagt worden. Und die Mehrheit der Bevölkerung
in Bosnien und Herzegowina setzt auf Europa.
11 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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