# taz.de -- Zukunft Bosniens: US-Regierung übt Druck auf Hohen Repräsentanten aus
> Die US-Regierung scheint ihre eigenen Interessen in Bosnien verteidigen
> zu wollen. Der Hohe Repräsentant Christian Schmidt gibt sein Amt ab, die
> Nachfolge noch unklar.
(IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump scheint unzufrieden mit der Personalie Schmidt
Seit knapp zwei Wochen ist bekannt, dass Christian Schmidt seinen Post als
Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina
abgeben will. Doch die Menschen in der Hauptstadt Sarajevo sorgen sich um
die Nachfolge. Wie soll es mit ihrem Land weitergehen?
Es ist ein scheinbar schlechter Moment für den geplanten Rücktritt. Denn
der multinationale Staat leidet unter der zunehmenden Radikalisierung
serbischer und kroatischer Nationalisten.
Der serbisch-bosnische Journalist Dragan Bursać stammt aus Banja Luka und
vergleicht die heutige Situation, mit der Hoffnungslosigkeit, die viele
kurz vor dem Krieg 1990 empfanden, als es keine Machtfigur gab, die sich
gegen die nationalistischen Extremisten positionierte.
Denn Schmidt symbolisierte in seiner Person die Verantwortung der
internationalen Gemeinschaft für das Land. Und gab der Bevölkerung damit
ein Stück Sicherheit. Doch wer seine Nachfolge antreten wird, ist unklar.
Nachfolge unklar
Zwar steht der italienische Diplomat Antonio Zanardi Landi laut dem Medium
„Dnevni avaz“ für den Posten bereit, aber entschieden ist noch nichts. Der
Hohe Repräsentant konnte unabhängig von Regierungen Gesetze erlassen und
Amtsträger entlassen, eine Postion, die für viel Kritik sorgte.
Doch gleichzeitig war es durch die Unterstützung der USA, auch eine
Position, an der auch die ständigen Drohungen des serbisch-dominierten
Teilstaates „Republik Srpska“ abprallten. Bosnien besteht aus zwei
Landesteilen: der Föderation Bosnien und Herzegowina, in der vorwiegend
Kroaten und Bosniaken (bosnische Muslime) leben, und der Republika Srpska,
in der mehrheitlich Serben wohnen. Letztere strebt einen unabhängigen Staat
an.
Doch nun scheint US-Präsident Donald Trump unzufrieden mit der Personalie
Schmidt. Schmidt erklärte in der Deutschen Welle, der von ihm abgesetzte
Serbenführer Milorad Dodik habe mit großem finanziellen Einsatz in den USA
lobbyiert. Dodik erhält Unterstützung aus Russland. Auch die europäische
Rechte steht hinter ihm, da er verspricht, den Kampf gegen den bosnischen
Islam zu führen.
Die „Troika“ eine politische Allianz aus Sozialdemokraten, der
linksliberalen „Naša Stranka“ und der konservativen „Narod i Pravda“,
regiert den zweiten Teilstaat und hofft auf Rückhalt aus Brüssel und von
den US-Demokraten. Denn Trump will die Kompetenzen des Gesamtstaates
beschneiden, um für seine Geschäftspartner an das Staatseigentum in Bosnien
und Herzegowina zu kommen.
So gehören die Wälder und viel Land dem Gesamtstaat und nicht der
serbischen Entität. Für den Bau einer Pipeline von Aserbaidschan nach
Kroatien braucht eine US-amerikanische Firma ein Stück Land, welches im
serbischen Teil liegt.
## Wie wichtig sind Trumps nationale Interessen?
Mit der serbischen Führung allein hätte er da leichtes Spiel. Die Firma und
die Trump-Leute fürchten Komplikationen, sollte der Gesamtstaat über das
Gebiet mitbestimmen können.
Unklar, ist überhaupt, welches Verhältnis die USA zu dem multinationalen
Staat pflegen wollen. Die erfahrenen US-Diplomaten wurden im Frühjahr durch
unerfahrene Kollegen ersetzt. Unklar ist, ob Trump wirklich bereit ist für
das Interesse einer US-Firma die fragile Stabilität in Bosnien und
Herzegowina zu opfern. [1][Der Dayton-Vertrag] stoppte 1995 den Krieg –
aber er schuf keinen funktionierenden Staat. Das OHR (Office of High
Representative) stellt jahrzehntelang die Notbremse in diesem System dar.
Wenn diese Notbremse verschwindet, ohne dass Dayton reformiert wird,
duplizieren sich die Gefahren, warnen internationale Experten mit Blick auf
aktuellen Entscheidungen der US-Regierung.
Denn auch die kroatischen Nationalisten haben kürzlich einen neuen
Teilungsplan vorgelegt. Darin soll im Südwesten der bosniakisch-kroatischen
Föderation ein neuer, von Kroaten dominierter Teilstaat mit der Hauptstadt
Mostar entstehen. Das „Herceg Bosna“ bezeichnete Gebilde, das schon während
des Krieges 1992 bis 1995 ausgerufen war, soll nach der Auflösung des
Gesamtstaates die Kroatengebiete der Region „absichern“. Wie alle
Nationalisten lehnen auch diese Kroaten eine gemischte, auf Bürgerrechten
basierende Gesellschaft ab.
Spannend bleibt, wie sich die Lage bis zu den Wahlen Anfang Oktober
entwickeln wird. Dass wieder neue militärische Konflikte entstehen, wollen
diese Leute nicht völlig ausschließen.
26 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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