# taz.de -- Nachfolge von Christian Schmidt: Europa stellt sich in Bosnien-Politik gegen Trump
       
       > Paris, Berlin und London lassen den US-Favoriten für das Amt des Hohen
       > Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina abblitzen. Die USA drohen mit
       > Konsequenzen.
       
 (IMG) Bild: Schmidt geht, doch wer kommt?
       
       Jetzt knirscht es auch in der Bosnien-Politik zwischen den USA und Europa.
       Die USA zeigten sich enttäuscht, nachdem Donald Trumps Wunschkandidat für
       das Amt des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina nicht gewählt
       wurde. Der US-Präsident will seine Position bezüglich der bisherigen
       Unterstützung des Balkanstaates nun überdenken.
       
       Am 11. Mai war [1][der deutsche CSU-Politiker Christian Schmidt] von seinem
       Posten als Hoher Repräsentant zurückgetreten. In einer Erklärung der
       bosnischen US-Botschaft vom Freitag hatte es dann geheißen, man erwarte die
       Wahl des italienischen Diplomaten Antonio Zanardi Landi durch den
       zuständigen Friedensimplementierungsrat (PIC).
       
       Die EU-Staaten Frankreich, Deutschland und das für Bosnien aktive
       Großbritannien unterstützten hingegen den französischen Diplomaten René
       Troccaz. Die USA drohten daraufhin, dass die „europäische
       Unentschlossenheit“ Washington dazu zwingen könnte, seine Rolle in der
       aktuellen internationalen Präsenz in Bosnien zu überdenken.
       
       Bisher waren die USA ein Garant des [2][Dayton-Friedensabkommens], das 1995
       den Bosnienkrieg beendete. Dessen Überwachung ist die Aufgabe des von der
       internationalen Gemeinschaft ernannten Hohen Repräsentanten. Nach
       Befürchtungen von Vertretern der Zivilgesellschaft in Sarajevo scheinen die
       USA jetzt offenbar auf die serbisch-russische Linie der endgültigen
       ethno-nationalistischen Aufteilung des Landes einzuschwenken.
       
       ## Mehrheitsbevölkerung ist gegen Teilung
       
       Serbien will seit jeher die serbisch kontrollierten Gebiete – [3][die
       Republika Srpska] – aus dem Gesamtstaat Bosnien und Herzegowina lösen und
       mit Serbien vereinigen. Verstärkt wird diese Position durch die Forderungen
       kroatischer nationalistischer Extremisten, die ebenso gerne die von Kroaten
       kontrollierten Gebiete der Westherzegowina zu einem dritten Teilstaat
       ausbauen oder sogar mit Kroatien vereinigen wollen.
       
       Die Mehrheitsbevölkerung aus Nichtnationalisten, Zivilgesellschaft,
       Minderheiten und Bosniaken (bosnische Muslime) dagegen hält an dem
       gemeinsamen Staat fest. Bisher hatten die USA und Europa diese Position
       unterstützt und den Bestand des Staates Bosnien und Herzegowina garantiert.
       Laut lokalen Medien gingen die Gespräche unter den PIC-Mitgliedern um
       Schmidts Nachfolge noch weiter, man konnte jedoch keinen Kompromiss finden.
       Schmidt bleibt so lange im Amt, bis ein Konsens erzielt wird. Hinter dem
       Streit steht offenbar auch eine grundlegende Meinungsverschiedenheit über
       die Zukunft des Büros des Hohen Repräsentanten (OHR).
       
       Die US-Regierung signalisiert seit Wochen, dass der nächste Amtsträger
       weniger weitreichende Befugnisse haben sollte. Der Hohe Repräsentant
       besitzt die sogenannten „Bonn Powers“ – außergewöhnliche Eingriffsrechte,
       mit denen Gesetze in Bosnien und Herzegowina erlassen oder Politiker
       abgesetzt werden können.
       
       Schmidt hatte diese Befugnisse gegen den ehemaligen Präsidenten der
       Republika Srpska, den extremen Nationalisten und Trump-Freund [4][Milorad
       Dodik], angewandt. Dessen Weigerung, Schmidts Aufhebung bestimmter
       nationalistischer Gesetze anzuerkennen, hatte 2025 letztendlich zu Dodiks
       Absetzung geführt.
       
       9 Jun 2026
       
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