# taz.de -- Olympiareferendum: Hamburg sagt die Spiele ab
> Bei einer Volksbefragung zur Bewerbung für Olympische Spiele stimmt eine
> deutliche Mehrheit mit Nein. Dafür sind nur die eher wohlhabenden
> Stadtteile.
(IMG) Bild: Freude bei den Olympiagegner*innen: Hamburger Linke feiert den Ausgang des Referendums
Die Hamburger haben mit deutlicher Mehrheit Nein zur Austragung Olympischer
Spiele in ihrer Stadt gesagt. Bei einem Referendum am Sonntag entfielen
fast 55 Prozent der Stimmen auf Nein, 45 auf Ja, bei einer Beteiligung von
knapp 50 Prozent. Damit fiel die Ablehnung noch deutlicher aus als bei
einer Volksbefragung zu möglichen Spielen 2015.
Aufgerufen zu der Entscheidung über eine Olympiabewerbung für die Jahre
2036, 2040 oder 2044 hatte der rot-grüne Senat. Der Erste Bürgermeister
Peter Tschentscher (SPD) hatte im Vorfeld gesagt, für ihn gelte jedes
Ergebnis 50 Prozent plus X als Mandat für eine Bewerbung. Gegen 20 Uhr, als
das Ergebnis im Wesentlichen feststand, teilte er dem Deutschen Olympischen
Sportbund (DOSB) sowie dem IOC mit, dass Hamburg seine Olympiabewerbung
zurückziehe.
„Wir wussten aus dem früheren Referendum, dass die Skepsis gegenüber
Olympia in Hamburg größer ist als in vielen anderen Städten“, erklärte
Tschentscher. Gleichwohl habe sich der Senat entschieden, eine Bewerbung
voranzutreiben, weil die Spiele nach den heutigen Bedingungen eine große
Chance für alle seien.
Dieses Versprechen, mit dem die Pro-Kampagne auch warb, hat offenbar nicht
verfangen. Auffallend ist, dass es nur in den wohlhabenden Stadtteilen an
der Alster, im Hamburger Westen und in den nördlichen Vororten eine
Mehrheit für die Bewerbung gab.
## Jubel bei der Linken
Für die Spiele ausgesprochen hatten sich die Regierungsparteien SPD und
Grüne, sowie die oppositionelle CDU, weite Teile der Wirtschaft und des
Sports. Die Linke und die AfD lehnten das Vorhaben ab, ebenso die
Umweltschutzverbände Nabu und BUND. Größten Gegendruck gab es von der
Initiative „NOlympia“. Diese hatte schon 2015 dazu beigetragen, dass ein
Referendum für Olympische Sommerspiele scheiterte.
Im proppenvollen Fraktionszimmer B des Hamburger Rathauses verlas die
Fraktionschefin der Linken, Heike Sudmann, unter dem Jubel ihrer
Parteifreunde, Tschentschers Rückzieher. Sudmann erklärte, die Bevölkerung
habe sich vom Senat nicht erpressen lassen, der suggerierte, viele
[1][Infrastrukturprojekte und neue Wohnungen kämen nur mit den Spielen].
Einen Sieg in der Höhe hatten auch die Linken nicht erwartet. Ein
Fraktionsmitglied präsentierte jubelnd einen weißen Fanschal der
Bewerbungs-Befürworter.
Diese hatten sich zahlreich an der Rückseite des Rathauses in der
Handelskammer versammelt. Der Leiter der Hamburger Bewerbung, Steffen
Rülke, sagte, man müsse mit Würde verlieren können. Die Anwesenden seien ja
Teil des „Teams Zuversicht“ gewesen. Jetzt wünsche er den anderen
Bewerberstädten alles Gute.
An einem Stehtisch unterhalten sich drei Volunteers, Leute, die sich als
freiwillige Helfer an den Spielen beteiligen wollten. „In den linken
Stadtteilen sind die Leute so verkopft“, bedauert einer der Helfer.
Anderswo ließen die Leute ihr Herz sprechen. „Die Sieger sind München,
Rhein-Ruhr und Berlin“, sagt sein Gesprächspartner verärgert, „die ganzen
Gelder gehen anderswo hin“.
Unter den Mitbewerbern lag in der Rhein-Ruhr-Region und in München die
Zustimmung jeweils bei rund 66 Prozent. [2][Berlin verzichtet aus
verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum] und lässt das
Abgeordnetenhaus abstimmen. Für den DOSB ist die Zustimmung der Bevölkerung
eines unter mehreren Kriterien, die in die Entscheidung über den deutschen
Kandidaten am 26. September einfließen.
Während die Landesvorsitzende der Grünen, Selina Storm, von einer
verpassten Chance für die Stadt sprach, forderte die Grüne Jugend
Konsequenzen: „Dieses Ergebnis ist das logische Resultat einer
Senatspolitik, die die Lebensrealität der Hamburger*innen konsequent
ignoriert“, kritisierte sie.
Bei der Diskussion über das Pro und Kontra der Spiele spielten die schwer
kalkulierbaren Kosten und die Furcht vor einem großen Defizit der
öffentlichen Hand eine Rolle. Thematisiert wurde auch die [3][Angst vor
steigenden Mieten] und die Frage, ob klimaneutrale Spiele nicht ein leeres
Versprechen seien.
Die Befürworter erhofften sich einen Imagegewinn, einen
Stimmungsaufschwung, nicht zuletzt wohl ein Geschäft. Aus Sicht des Senats
würde sich mit den Spielen der Fokus des Bundes auf die Hansestadt richten
und [4][mit Geld aus Berlin viele anstehende Infrastrukturprojekte
schneller oder überhaupt realisiert werden] können.
31 May 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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