# taz.de -- Überlasteter Hamburger Hauptbahnhof: Olympia wird uns auch nicht retten
       
       > Der Hauptbahnhof ist völlig überlastet, die Erweiterung lässt auf sich
       > warten. Ob sie mit Olympia schneller käme oder nicht: Viel bringt sie eh
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Ganz schön voll hier: Hamburger Hauptbahnhof
       
       Wo eine Überlastung ist, da klingt die Forderung nach Entlastung
       uneingeschränkt unterstützenswert. Im Fall des Hamburger Hauptbahnhofs kann
       das jede:r nach einem Ein- oder Ausstieg in den täglichen Stoßzeiten
       unterschreiben. Das Gedränge an Gleis 13 etwa, wenn ein Metronom aus
       Niedersachsen einfährt, ein paar Hundert Menschen ausspuckt und ebenso
       viele gleichzeitig hineinwollen für die Rückfahrt gen Süden, sieht eher
       nach Pogo beim Punkkonzert aus und nicht wie ein geordneter
       Bahnsteigbetrieb.
       
       Dass da also etwas passieren muss, ist ziemlich unumstritten. Nur will es
       nicht recht vorangehen. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) hat
       nun vor dem anstehenden Olympia-Referendum erneut eingeworfen, dass er am
       Ausbau festhält. Aber dass es in den kommenden Jahren wenig Hoffnung darauf
       gibt – außer Olympia kommt. Je nachdem, wie man zu einer Hamburger
       Olympiabewerbung steht, kann man das als Erpressung oder als nüchterne
       Analyse des Olympia-befürwortenden Senators deuten:
       
       [1][Ist also, wer gegen Olympia ist, auch gegen eine Verbesserung der
       öffentlichen Infrastruktur?] Oder ist es nun einmal Fakt, dass in den
       kommenden Jahren Gelder des Bundes und der Deutschen Bahn dorthin fließen
       werden, wo Olympia stattfindet – nach München statt in den Norden, wenn
       Hamburg sich einer Bewerbung verweigert?
       
       Das ließe sich natürlich nun munter diskutieren, doch wichtiger sind andere
       Fragen: Ist das Tempo der springende Punkt? Wie soll denn der Ausbau
       aussehen, ob nun in Kürze oder erst in fernen Jahrzehnten?
       
       ## Entlastung durch Anbau?
       
       550.000 Menschen wuseln täglich im Hauptbahnhof herum, steigen in die
       städtischen S- und U-Bahnen, pendeln im Regionalverkehr oder gehen auf
       Fernreise mit dem ICE. Kein Bahnhof in Deutschland hat ein größeres
       Passagieraufkommen. Rund 2.000 Züge und Bahnen halten hier dafür täglich.
       Die Deutsche Bahn rechnet damit, dass es Ende des nächsten Jahrzehnts sogar
       750.000 Menschen pro Tag sein werden.
       
       Die Idee, wie der Hauptbahnhof angesichts dessen entlastet werden soll,
       liegt schon eine ganze Weile herum: Das Gebäude soll an zwei Seiten
       erweitert werden. Im Süden soll eine „fünfstöckig überbaute Plattform“
       entstehen, um „neue Zugänge zu den Bahnsteigen, zusätzliche
       Wegemöglichkeiten und größere Wartebereiche“ zu schaffen.
       
       Auch mit der sogenannten „Osterweiterung“ sollen sich die Menschen besser
       auf der Fläche verteilen können – „besonders stark frequentierte Bereiche
       wie die Bahnhofshalle, der Südsteg und die Zugänge zu den Bahnsteigen
       werden dadurch entlastet“, versprechen Bahn und Stadt, [2][seit sie diese
       Pläne vor knapp fünf Jahren vorstellten.]
       
       Wie damit die ständig steigende Überlastung abgefedert wird, ist völlig
       schleierhaft, denn nur das Umfeld des Bahnhofs wird erweitert, nicht dessen
       Kern. Gerade einmal ein neuer Bahnsteig soll im Zuge dieses Umbaus
       hinzukommen – dabei sind es mit aktuell acht Gleisen für den Fern- und
       Regionalverkehr und vier S-Bahn-Gleisen schon absurd wenige. Zum Vergleich:
       An einem deutlich irrelevanteren Bahnhof wie Nürnberg gibt es 21 Gleise zum
       Halten.
       
       Natürlich kann man sich wie Tjarks über die Bahn und das
       Bundesverkehrsministerium aufregen, dass sie bislang kein Geld dafür
       bereitstellen. Aber warum sollten sie auch? Natürlich wäre eine solche
       Erweiterung ganz nett, aber eben auch nicht der große Wurf, der eine
       Investition von mindestens 600 Millionen Euro rechtfertigen würde.
       
       Denn der Hamburger Hauptbahnhof ist ein Nadelöhr. Fast alles auf Schienen
       führt von Norden nach Süden über ihn, weshalb bei der kleinsten Verspätung
       eines Zuges gleich ein ganzer Pulk wartender Züge feststeckt. Da bringen
       ein paar zusätzlich überdachte Flächen, auf denen die Menschen zu den
       wenigen Gleisen rennen können, nahezu nichts.
       
       Eine wirkliche Entlastung wird es wohl nur geben, wenn ein paar Stufen
       größer gedacht wird – im Sinne [3][eines neuen Fernbahntunnels etwa], der
       eine neue Gleisebene am Hauptbahnhof schaffen würde, oder eines [4][neuen
       Hauptbahnhofs an einem anderen Ort.]
       
       Ein paar solcher Ideen gibt es ja schon, nur die Verkehrsbehörde wirbt für
       nichts davon – stattdessen inmitten der heißen Olympia-Wahlkampfphase für
       etwas, dass den bestehenden Zustand nur ein bisschen besser machen würde.
       Das heißt aber nicht, dass es dann gut würde. Bestenfalls wäre es dann ein
       bisschen weniger schlimm, ob mit oder ohne Olympia.
       
       27 May 2026
       
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