# taz.de -- Mietrechtsnovelle: Indexmieten bleiben ein Problem
> Die Bundesregierung will das Geschäft mit möblierten Wohnungen und
> Kurzzeitvermietungen eindämmen. Gut so, aber eine echte Wende ist nicht
> in Sicht.
(IMG) Bild: Besteck macht noch keine möbilierte Wohnung
Zwei Stühle, ein Plastiktisch und drei Gabeln in der Schublade – schon wird
die Wohnung zu Mondpreisen angeboten. Die Dreistigkeit einiger
Vermieter:innen ist kaum zu fassen. Das Geschäft [1][mit möblierten
Wohnungen in Deutschland boomt.] In manchen Städten wird bereits jede
dritte Wohnung möbliert angeboten, viele sind zusätzlich befristet. Diese
Zunahme von möblierten Wohnungen und Kurzzeitvermietungen ist nicht
zufällig, sondern eine Reaktion der Vermieterseite auf die Mietpreisbremse.
Es ist eine Ausweichbewegung, um weiter möglichst viel Profit durch
Mieteinnahmen machen zu können. Ein Symptom für einen nicht gut
funktionierenden Wohnungsmarkt.
Deshalb ist es gut, dass die Regierung diese Abzocke nicht länger dulden
will. Vermieter:innen sollen künftig transparent machen, welchen
Aufschlag sie für Möbel nehmen, auch soll der angemessen sein. Regeln für
Kurzzeitvermietungen sollen besser definiert werden. Der Bundesrat hat
ähnliche Vorschläge schon [2][vor drei Jahren gemacht]. Auch der
[3][verbesserte Kündigungsschutz ist überfällig] und wichtig.
Die Union hat den von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) erarbeiteten
Entwurf [4][in mehreren Punkten abgeschwächt.] Das war erwartbar. Ein
Beispiel: Die SPD wollte, dass Vermieter:innen eine Pauschale von
höchstens 5 Prozent der Nettokaltmiete für eine voll möblierte Wohnung
geltend machen können. Nun sind es 10 Prozent, und es wurden Ausnahmen
reinverhandelt. Trotzdem: Es ist immer noch besser als das, was bislang
Standard ist.
Bei den umstrittenen Indexmietverträgen indes wurde keine gute Lösung
gefunden. Bei diesen Verträgen ist die Mietsteigerung an den
Verbraucherpreisindex gekoppelt. Mit der Folge, dass Mieter*innen bei
abrupt steigender Inflation mit sehr hohen Mietpreissprüngen konfrontiert
sind – so wie das nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs der Fall
war. Auch der Irankrieg könnte Ähnliches auslösen.
## Indexmietverträge beliebter denn je
Nun hat sich die Regierung auf eine komplizierte Formel geeinigt, die die
Möglichkeit der Mieterhöhung etwas einschränkt, wenn die Inflation über 3
Prozent steigt. Es ist eine halbherzige Beschränkung. Aber das eigentliche
Problem der Indexmietverträge bleibt unberührt. Früher wurden Indexverträge
zum Teil [5][von manchen Mieterschutzvereinen begrüßt], denn sie sind klar
geregelt und führen vergleichsweise zu wenig Streit. Modernisierungskosten
beispielsweise dürfen bei Indexmietverträgen nicht auf die Miete umgelegt
werden.
Heute werden [6][Indexmietverträge bei Neuvermietungen auf
Vermieter:innenseite beliebter denn je.] Denn die Mietpreisbremse
gilt nur bei der Berechnung der Ausgangsmiete, danach kann die Miete
unbegrenzt erhöht werden. Bei herkömmlichen Mietverträgen darf sie aber nur
bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden. Indexmietverträge
sind also für Vermieter:innen lukrativ, die modernisierte Wohnungen
haben. Kein Wunder, dass der [7][private und höchst umstrittene
Wohnungskonzern Heimstaden] inzwischen ganz auf Indexmietverträge setzt.
Auch das ist letztlich eine Ausweichbewegung, um den Mieterschutz zu
umgehen.
Wer dieses Katz-und-Maus-Spiel langfristig beenden will, muss das Angebot
bezahlbarer Wohnungen erhöhen und jene Akteure stärken, für die Wohnungen
nicht vordergründig Renditeobjekte sind. Klare und strenge Regulierungen
sind wichtig für den Mietmarkt, denn Wohnen ist kein Nice-to-have, sondern
ein Grundrecht. Jedes Jahr zahlen Bund und Länder Milliarden Euro an
Wohngeld, weil die Mieten für immer mehr Menschen unbezahlbar werden. Eine
bessere Deckelung der Mieten könnte also auch die Haushalte entlasten. Aber
das wird es mit dieser schwarz-roten Bundesregierung nicht geben. Strittige
Themen wie Bußgelder für Verstöße gegen die Mietpreisbremse wurden [8][in
eine Kommission ausgelagert.]
30 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Moebliertes-Wohnen-auf-Zeit/!6173086
(DIR) [2] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2023/0201-0300/218-23(B).pdf?__blob=publicationFile&v=1
(DIR) [3] /Zwangsraeumung-ohne-Schonfrist/!5997176
(DIR) [4] /Mietrechtsnovelle-von-Union-und-SPD/!6174994
(DIR) [5] /Indexmietvertraege-in-Deutschland/!5865814
(DIR) [6] /30-Prozent-Anstieg-in-Neuvertraegen/!5907530
(DIR) [7] /Indexmieten-in-Berlin-Mieter-wehren-sich-erfolgreich---doch-die-Trickserei-geht-weiter/!6169046
(DIR) [8] /Start-einer-Mietrechtskommission/!6110355
## AUTOREN
(DIR) Jasmin Kalarickal
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