# taz.de -- Krieg im Südlibanon: Israel und Libanon vereinbaren neue Art der Waffenruhe
       
       > Die Hisbollah-Miliz soll sich aus Südlibanon zurückziehen, während
       > Israels Armee bleibt. Die Hisbollah lehnt das als „libanesische
       > Kapitulation“ ab.
       
 (IMG) Bild: Das Dschabal-Amel Krankenhauses wurde bei einem israelischen Luftangriff in der südlichen Hafenstadt Tyros getroffen
       
       Libanon und Israel haben sich bei Gesprächen in Washington am Mittwoch auf
       eine neue Art des Waffenstillstands geeinigt – der nur von einer Seite
       abhängt. Die Waffenruhe ist an die Bedingung geknüpft, dass die Miliz der
       Hisbollah „das Feuer vollständig einstellt“ und ihre Kämpfer aus dem
       Südlibanon abzieht. Die Hisbollah soll entwaffnet werden. In „Pilotzonen“
       soll nur die libanesische Armee die Kontrolle haben.
       
       Von einer „Einigung auf die Umsetzung einer Waffenruhe“ ist in einer
       gemeinsamen Erklärung die Rede. Dazu verschriftlicht das Abkommen, dass ein
       möglicher USA-Iran-Deal nicht für den Libanon gilt. Mehr Details oder einen
       Zeitplan gibt es nicht. Weitere Gespräche sollen diesen Monat folgen.
       
       Verteidigungsminister Israel Katz sagte am Donnerstag, Israel werde die
       Vereinbarung de facto ignorieren. Der Einmarsch im Südlibanon und die
       [1][militärische Besetzung] gingen weiter – auch im Gebiet von Beaufort,
       einer 900 Jahre alten Burg, [2][die Israel am Samstag besetzt hatte]. Katz
       erklärte, Israel habe „die Handlungsfreiheit, unterstützt von den USA, in
       Beirut zuzuschlagen“.
       
       Auch die Reaktion der Hibollah ließ nicht auf sich warten: „Das
       angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan zur Zerstörung eines Teils des
       libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils“, hieß es in
       einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von Hisbollah-Chef Naim Kassim. Das
       Abkommen sei eine libanesische Kapitulation und ziele darauf ab, „den
       Libanon zu sabotieren, ihn zu destabilisieren und Zwietracht unter den
       Libanesen zu säen“, sagte er laut libanesischen Medienberichten von
       Donnerstag.
       
       ## Die bestehende Waffenruhe wird immer wieder gebrochen
       
       Am Montag waren Tausende Menschen aus Süd-Beirut geflohen, nachdem Israels
       Regierung Bombardierungen angedroht hatte. Die deutsche
       Entwicklungsministerin [3][Reem Alabali Radovan sagte daraufhin ihre Reise
       nach Beirut ab].
       
       [4][Ein Anruf Donald Trumps] verhinderte die Bomben auf Beirut. US-Beamten
       zufolge soll er „stinksauer“ zu Netanjahu gesagt haben: „Du bist verdammt
       noch mal verrückt. Ohne mich wärst du im Gefängnis.“ Ein Verweis auf den
       Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu wegen
       Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in Gaza.
       
       Das verkündete Abkommen repliziert existierende Vereinbarungen. Eine
       [5][Waffenruhe zwischen November 2024 und März 2026] sah Ähnliches vor: In
       der ersten Phase sollte die Hisbollah im Südlibanon entwaffnet werden.
       Israel ging das nicht schnell genug. Das Militär griff täglich an, besetzte
       fünf Gebiete. [6][Am 2. März stieg die Hisbollah wieder in den Krieg ein].
       Seitdem haben israelische Angriffe mehr als 3.400 Menschen getötet und über
       10.000 verletzt.
       
       Seit Mitte April existiert ein Waffenruhe-Deal, den Israel und die
       Hisbollah brechen. Israels Militär besetzt rund 55 Dörfer im Südlibanon und
       marschiert weiter vor.
       
       ## Über 1,2 Millionen Menschen wurden vertrieben
       
       Vor den Gesprächen schoss die Hisbollah Raketen auf israelische Soldaten im
       Südlibanon. Während der Gespräche bombardierte Israel mindestens 10
       Fahrzeuge, darunter ein Krankenwagen, dessen Fahrer und zwei Sanitäter
       getötet wurden. Ein Angriff traf ein Militärfahrzeug der libanesischen
       Armee – die den Waffenstillstand garantieren soll. Ein Angriff tötete eine
       Studentin, die gerade auf dem Rückweg von einem Examen an der
       Amerikanischen Uni war, sowie ihren Bruder und Vater.
       
       Neue Evakuierungsanordnungen der israelischen Armee zwingen tausende
       Familien zur Flucht. Am Montag forderte die israelische Armee die Räumung
       der Stadt Tyros und am Sonntag die pauschale Vertreibung für den gesamten
       Süden bis zum Fluss Zahrani.
       
       Libanons Regierung zählt 134.000 Vertriebene in Notunterkünften. Die
       tatsächliche Zahl liegt viel höher. Über 1,2 Millionen Menschen wurden
       vertrieben, viele schlafen auf der Straße. „So viele Familien haben alles
       verloren – ihr Zuhause, ihre Sicherheit, ihre Lebensgrundlage“, sagt
       Sherine Ibrahim, Regionaldirektorin des International Rescue Committee.
       
       Die Bevölkerung brauche einen nachhaltigen Waffenstillstand, der die
       sichere Rückkehr ermöglicht, so die Organisation. Wegen der Angriffe
       könnten IRC-Mitarbeitende bedürftige Familien nicht erreichen. Beschädigte
       Straßen, Wasseranlagen und Gesundheitseinrichtungen erschwerten die
       Versorgung und den Zugang für Hilfsorganisationen.
       
       Mehr als 5.700 israelische Verstöße der Waffenruhe hat Unifil seit dem 16.
       April dokumentiert. 190 Angriffe auf medizinische Einrichtungen und
       Personal zählt das libanesische Gesundheitsministerium.
       
       Am Montag beschädigte ein Luftangriff in der Nähe das
       Dschabal-Amel-Krankenhaus in Tyros. Laut Gesundheitsministerium wurden vier
       Menschen getötet und 127 verletzt, darunter 39 Mitarbeitende. Der Angriff
       beschädigte die stationäre Abteilung, die Radiologie und die
       Intensivstation, meldet Ärzte ohne Grenzen. Das medizinische Team musste
       die Hälfte der Patient*innen von der Intensivstation verlegen.
       
       Am Vortag traf ein israelischer Luftangriff das nahe Tyros gelegene
       Hiram-Krankenhaus. 13 Mitarbeitende wurden verletzt, so das
       Gesundheitsministerium. „Die wiederholten Angriffe zeigen das gravierende
       Versagen beim Schutz der medizinischen Hilfe“, sagt Omar Ebeid,
       Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen.
       
       4 Jun 2026
       
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