# taz.de -- Krieg zwischen Israel und Hisbollah: Und täglich grüßt die Waffenruhe
> Der Deal zwischen den USA und Iran beinhaltet eine Waffenruhe für
> Libanon. Dass die Waffen zwischen Hisbollah und Israel nun schweigen, ist
> unrealistisch.
(IMG) Bild: Einige der über eine Million Binnenvertriebenen machten sich auf den Weg in den Süden Libanons
Die libanesische Bevölkerung kann aufatmen. Am Montag nahmen die
Bombardierungen zahlreicher Dörfer im Südlibanon und in der weiter nördlich
gelegenen Bekaa-Ebene durch das israelische Militär deutlich ab. Einige der
über eine Million Binnenvertriebenen machten sich auf den Weg in den Süden.
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte am Sonntag, dass der am
Freitag [1][zu unterzeichnende Friedensplan] zwischen den USA und dem Iran
auch eine Waffenruhe für den Libanon beinhalte.
Nur: Seit der Ausweitung des Krieges zwischen Israel und der islamistischen
Hisbollah-Miliz am 2. März wurden bereits mehrere Waffenstillstände
ausgerufen; am 7. April, 17. April, 3. Juni und nun am 14. Juni. Das Muster
ist immer dasselbe: Vermittler in Washington oder Islamabad verkünden eine
Waffenruhe und Hunderttausende Vertriebene machen sich auf den Weg zurück
in ihre Dörfer. Gleichzeitig warnen die libanesische Regierung, Armee und
der Zivilschutz vor israelischen Angriffen. Auch dieses Mal betonte Israel,
die Besatzung des Südlibanons werde fortgesetzt.
[2][Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte], die israelische
Armee werde trotz des Abkommens zwischen dem Iran und den USA „so lange wie
nötig“ in Gaza, in Syrien und im Libanon bleiben. Die islamistische
Hisbollah-Miliz hingegen begrüßte das Abkommen als möglichen Auftakt für
einen vollständigen israelischen Rückzug. Sie fordert die libanesische
Regierung auf, die direkten Gespräche mit Israel zu beenden.
Der Libanon ist der Lackmustest für den Deal zwischen dem Iran und den USA.
Teheran besteht darauf, dass die Vereinbarung auch den Libanon einschließt.
Die israelische Regierung lehnt das Abkommen entschieden ab und sieht darin
eine politische Niederlage. Netanjahu möchte freie Hand beim Einmarsch in
den Libanon.
## Trump ist sauer auf Netanjahu
Die USA konnten sich bislang auf keinen einheitlichen Kurs einigen. Zuletzt
soll US-Präsident Donald Trump verärgert auf Israels Premierminister
reagiert haben, da Angriffe auf Wohngebiete in Süd-Beirut die Verhandlungen
mit dem Iran gefährdet hätten. Wenige Stunden vor der Verkündung des Deals
bombardierte die israelische Armee ein Wohnhaus im Beiruter Vorort
Ghobeiry. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen
Gesundheitsministeriums mindestens drei Menschen getötet und 15 verletzt.
Der Angriff löste Berichten zufolge eine diplomatische Krise aus und
brachte die Verhandlungen zeitweise an den Rand des Scheiterns.
Die Dynamik zwischen Trump und Netanjahu könnte letztendlich sogar dazu
führen, dass sich die USA von Israel abwenden und Hilfen kürzen oder ganz
einstellen. Dafür gebe es eine kleine, aber reale Möglichkeit, schreibt der
politische Analyst Sam Heller. Trump mache Netanjahu dafür verantwortlich,
dass er ihn in einen aussichtslosen Konflikt hineingezogen habe.
Da Israel das Abkommen nicht verhindern kann, setzt die Regierung nun auf
einen separaten Libanon-Deal. Die Analystin Hanin Ghaddar wertet das
Abkommen als Bestätigung für den Einfluss Irans im Libanon. „Der Libanon
muss die direkten Gespräche in den USA fortsetzen“, [3][sagt die Analystin]
des israelnahen Washington Institute.
[4][Bereits am 3. Juni] hatten Vertreter Israels und des Libanons in
Washington eine Vereinbarung unterzeichnet. Demnach soll ein mögliches
Abkommen zwischen Iran und den USA nicht automatisch für den Libanon
gelten. Entsprechend groß ist nun die Verwirrung darüber, was der neue
Friedensplan für den Libanon bedeutet. Viele Menschen, insbesondere im
Südlibanon, glauben nicht, dass er den Krieg beenden wird.
## Zivilbevölkerung unter Beschuss
Anfang April hatte Pakistan einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem
Iran verkündet und erklärt, dieser schließe auch den Libanon mit ein. Doch
bereits am folgenden Tag bombardierte die israelische Armee innerhalb
weniger Minuten rund 100 Ziele im Libanon. Dabei wurden mehr als 300
Menschen getötet.
Seitdem haben israelische Angriffe über 1.000 Menschen das Leben gekostet,
darunter Journalist:innen, Rettungskräfte und medizinisches Personal.
Israel setzte seinen Einmarsch und die Zerstörung von Häusern und
Infrastruktur im Südlibanon fort. Die islamistische Hisbollah-Miliz
wiederum beschoss weiterhin Nordisrael mit Raketen, Hunderttausende
Menschen mussten wiederholt Schutzräume aufsuchen, es gab mehrere
Verletzte.
„Als Vertriebene leiden wir seit fast vier Jahren unter Vertreibung,
Zerstörung und Krieg“, sagt Tarek Masraani aus dem Grenzdorf Hula. Zwar
begrüße man den aktuellen Durchbruch, doch eine wirkliche Rückkehr sei
unter den Bedingungen der Besatzung und angesichts zerstörter Häuser,
Straßen, Wasser- und Stromversorgung nicht möglich.
Medienberichten zufolge soll das Abkommen auch die territoriale
Souveränität des Libanons sichern. Demnach müsste Iran seine Unterstützung
der Hisbollah einstellen, während Israel seinen Einmarsch in den Südlibanon
beenden und seine Truppen abziehen müsste.
16 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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