# taz.de -- Bruch der Feuerpause im Irankrieg: Washington und Teheran eskalieren weiter
> Trotz einer Waffenruhe setzen die USA und Iran ihren gegenseitigen
> Beschuss fort. Auch Kuwait gerät wieder ins Visier. Ein Ende scheint
> nicht in Sicht.
(IMG) Bild: Von wegen Waffenruhe: US-Kampfjet beim Start von einem Flugzeugträger
dpa/taz | Trotz der geltenden Waffenruhe haben sich die USA und Iran in der
Golfregion erneut gegenseitig angegriffen. Das US-Militär wehrte nach
eigenen Angaben sechs vom Iran auf die mit den USA verbündeten Golfstaaten
Kuwait und Bahrain abgefeuerte ballistische Raketen ab. Ein weiteres
Geschoss habe sein Ziel verfehlt, teilte das für den Nahen Osten zuständige
US-Regionalkommando (Centcom) mit.
Zuvor erklärte das US-Militär, im Bereich der Straße von Hormus vier
iranische Drohnen abgewehrt und anschließend in Iran Radarstellungen auf
der dortigen Insel Qeschm und im Ort Goruk attackiert zu haben.
Die Revolutionsgarden – [1][die Elitestreitmacht der Islamischen Republik]
– teilten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim kurz daraufhin mit,
man habe als Reaktion auf die US-Angriffe Stützpunkte des Feindes in der
Region angegriffen. [2][Kuwaits Luftabwehr] war zuvor nach Armeeangaben
gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen im Einsatz. Auch in Bahrain gab es
kurz darauf Raketenalarm.
Das US-Militär dementierte derweil iranische Behauptungen, wonach in
Bahrain das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten beschädigt worden
sei. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig
überprüfen.
## Bahrain: „Eklatante“ Verletzung der Souveränität
Bahrain verurteilte die erneuten Angriffe auf sein Staatsgebiet und Kuwait
scharf. Es handle sich um eine „eklatante“ Verletzung der Souveränität
beider Länder, berichtete die Staatsagentur BNA unter Berufung auf das
bahrainische Außenministerium. Iran müsse seine „ungerechtfertigten“
Angriffe einstellen. Bahrain werde keine Kompromisse beim Schutz seiner
Souveränität, Sicherheit und Bevölkerung eingehen.
Das Teheraner Mullah-Regime hatte zuvor schon mehrfach Geschosse auf Kuwait
und andere Staaten am Persischen Golf gefeuert. Dort unterhält das
US-Militär Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie von Iran
entfernt sind. Erst am Mittwoch hatte eine Drohne den internationalen
Flughafen von Kuwait getroffen. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet,
Dutzende weitere wurden verletzt.
Die iranische Führung spricht bei ihren Angriffen stets von Vergeltung für
die Angriffe des US-Militärs. Die USA wiederum sprechen von
Selbstverteidigung angesichts von Angriffen oder Provokationen seitens des
Irans.
Die im Bereich der Straße von Hormus abgewehrten iranischen Kampfdrohnen
hätten eine Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt, teilte Centcom etwa
in der Nacht mit. Die anschließenden Angriffe des US-Militärs auf Qeschm
und in Goruk seien erfolgt, um sich „gegen weitere Angriffe zu
verteidigen“. Welche Waffensysteme dabei eingesetzt wurden, blieb zunächst
unklar.
## Straße von Hormus als Nadelöhr der Weltwirtschaft
Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die
Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für
die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die USA haben ihrerseits eine
Seeblockade verhängt, um Iran am Export von Öl zu hindern.
Eigentlich gilt seit fast zwei Monaten eine Waffenruhe in dem Krieg, der am
28. Februar mit Angriffen der USA und Israels gegen den Iran begonnen
hatte. Jedoch kam es zuletzt immer wieder zu vereinzelten gegenseitigen
Angriffen der Kriegsparteien. Parallel laufen zähe Verhandlungen für ein
Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran, um den Krieg zu beenden.
Um sich gegen die iranischen Angriffe besser zu schützen, kauft Kuwait in
den USA Abwehrsysteme gegen Drohnenangriffe. Man habe den Verkauf
entsprechender Rüstungsgüter im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar
(rund 1,7 Milliarden Euro) genehmigt, so das US-Außenministerium. Wann das
System geliefert werden soll, blieb zunächst unklar. Bei Rüstungsgeschäften
geht es häufig um langfristige Beschaffungszeiträume.
## Trump: Iran hat noch ein Fünftel seiner Raketen
US-Präsident Donald Trump behauptete unterdessen, Iran verfüge noch über
gut ein Fünftel seines Raketenarsenals. Die meisten Drohnenfabriken,
Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet
worden, sagte er dem TV-Sender NBC News.
„Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige
Raketen und einige Drohnen“, so Trump. Und weiter: „Prozentual würde ich
sagen, vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen.“ Das seien noch
viele, aber nicht mehr das, was sie anfangs hatten.
Vollkommen unklar blieb mal wieder, worauf Trumps Schätzung des iranischen
Raketenarsenals beruhte. Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, die unter
Berufung auf US-Beamte oder Geheimdiensterkenntnisse nahelegten, dass Iran
weiter über einen großen Teil seiner Raketen verfügt.
Die New York Times etwa berichtete Mitte Mai, der Iran verfüge noch über
etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen und rund 70 Prozent seines
Raketenarsenals. Die Washington Post nannte ähnliche Zahlen.
## Auch Konflikt zwischen Hisbollah und Israel geht weiter
Derweil gehen auch die Kämpfe zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz
und Israel weiter, obwohl auch in dem Konflikt eigentlich eine Waffenruhe
gilt. In der Nacht schrillten in mehreren Gebieten im Norden Israels wieder
die Sirenen. Es sei eine Drohne abgefangen worden, teilte die israelische
Armee auf Telegram mit. Zwei weitere Drohnen seien in der Nähe des
Einsatzgebietes israelischer Streitkräfte im Südlibanon niedergegangen. Es
habe keine Verletzten gegeben.
In der Nacht zum Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach Angaben
des US-Außenministeriums zwar auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der
bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt. Die libanesische
Regierung ist keine Konfliktpartei in dem Krieg und hat nur begrenzten
Einfluss auf die Hisbollah, die auch als Staat im Staat gilt. Die von den
Mullahs in Iran unterstützte islamistische Hisbollah, die nicht an den
Verhandlungen beteiligt war, [3][will von einer Waffenruhe nichts wissen].
6 Jun 2026
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