# taz.de -- Verhandlungen zwischen USA und Iran: Trump pfeift Netanjahu zurück – Iran droht
       
       > Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah erschweren die Verhandlungen
       > über ein Ende des Irankriegs. Teheran droht mit Abbruch.
       
 (IMG) Bild: Israelische Militärs stehen entlang der israelisch-libanesischen Grenze, von Nordisrael aus gesehen
       
       dpa | [1][Iran droht angesichts des eskalierenden Konflikts zwischen Israel
       und der mit Teheran verbündeten Hisbollah-Miliz in Libanon mit einem
       Abbruch der Verhandlungen mit den USA im Irankrieg.] Sollte „die
       israelische Aggression gegen Libanon“ andauern, werde man „nicht nur den
       Verhandlungsweg stoppen, sondern auch in eine direkte Konfrontation mit dem
       Feind treten“, schrieb Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf auf X
       nach einem Gespräch mit seinem libanesischen Amtskollegen Nabih Berri.
       US-Präsident Donald Trump betonte auf Truth Social, die Gespräche mit
       Teheran würden in „schnellem Tempo“ fortgeführt.
       
       Israel und die Hisbollah würden ihre gegenseitigen Angriffe zunächst
       einstellen, teilte Trump zuvor auf seiner Plattform mit. Zudem werde Israel
       anders als angedroht keine Truppen in die libanesische Hauptstadt Beirut
       entsenden. Der Entscheidung seien ein „sehr produktives“ Telefonat mit dem
       israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie ein „sehr gutes“
       Gespräch mit ranghohen Vertretern der Hisbollah vorangegangen, teilte Trump
       weiter mit.
       
       ## Netanjahu droht weiter mit Angriffen
       
       Später gab Netanjahu eine Erklärung ab, in der von einer neuen Waffenruhe
       keine Rede war. Allerdings schien er von seiner Ankündigung abzurücken, die
       Hisbollah in den südlichen Vororten Beiruts angreifen zu lassen. Sollte die
       Hisbollah aber ihre Angriffe auf israelische Städte nicht einstellen, werde
       Israel wieder „Terrorziele“ in Beirut angreifen, schrieb Netanjahu auf X.
       Das habe er Trump mitgeteilt. „An dieser Haltung hält Israel unverändert
       fest“, schrieb er. [2][Parallel dazu werde Israels Armee ihren Einsatz in
       Südlibanon wie geplant fortsetzen.]
       
       Die Kämpfe zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah stellen einen
       Knackpunkt in den Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen zur
       Beendigung des Krieges der USA gegen Iran dar. Neben der Freigabe
       iranischer Vermögenswerte im Ausland und dem Festhalten an der faktischen
       Kontrolle über die Straße von Hormus verlangt Iran als Bestandteil eines
       endgültigen Abkommens auch einen dauerhaften Waffenstillstand in Libanon.
       
       ## Trump nennt „nächste Woche“ für mögliche Iraneinigung
       
       Trump sagte dem US-Sender ABC nach dessen Angaben in einem
       Telefoninterview, er denke, dass er „nächste Woche“ eine Einigung mit Iran
       über eine Verlängerung der Waffenruhe und die Wiedereröffnung der Straße
       von Hormus erzielen werde. Er müsse aber noch manche Punkte klären. Trump
       hatte schon früher optimistische Zeitpläne bekanntgegeben, die jedoch dann
       schnell von der Realität eingeholt wurden. Erst am Wochenende lieferten
       sich die USA und Iran trotz Waffenruhe wieder einen militärischen
       Schlagabtausch.
       
       Je länger Washington und Teheran keine Einigung erzielen, desto mehr
       könnten Faktoren wie das Ringen um die Straße von Hormus und der Konflikt
       in Libanon die Ereignisse beeinflussen, gab der israelische Iranexperte
       Danny Citrinowicz zu bedenken. „Es war stets klar, dass der derzeitige Kurs
       ohne eine Einigung letztlich zu einer Eskalation führen würde“, schrieb er
       auf X.
       
       Nach Angaben des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun bezieht sich der von
       Trump angekündigte Stopp israelischer Angriffe zunächst auf die südlichen
       Vororte der Hauptstadt Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten. „Nach
       der vorgeschlagenen Vereinbarung werden die israelischen Angriffe auf die
       südlichen Vororte Beiruts eingestellt, während die Hisbollah im Gegenzug
       auf Angriffe gegen Israel verzichtet“, teilte das Präsidialamt mit. Die
       Waffenruhe solle auf das gesamte libanesische Staatsgebiet ausgeweitet
       werden.
       
       ## Bericht: Trump nennt Netanjahu „verrückt“
       
       Die Hisbollah habe ihrerseits dem US-Vorschlag für einen gegenseitigen und
       damit auch für Israel geltenden Angriffstopp zugestimmt, teilte Aouns Büro
       mit. Libanons Behörden hätten eine entsprechende Bestätigung erhalten. Die
       libanesische Regierung selbst ist keine Konfliktpartei.
       
       [3][Wegen Israels Eskalation in Libanon] soll Trump Netanjahu am Montag in
       einem mit Schimpfwörtern gespickten Telefonat scharf angegangen sein,
       berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei US-Beamte
       und eine dritte mit dem Gespräch vertraute Quelle. Trump habe seinen
       Verbündeten als „verrückt“ bezeichnet und ihm Undankbarkeit vorgeworfen.
       Ohne ihn säße Netanjahu im Gefängnis, soll Trump gewettert haben. Gegen den
       israelischen Regierungschef läuft seit sechs Jahren ein Korruptionsprozess.
       
       Derweil fing die israelische Luftwaffe auch nach Trumps Ankündigung einer
       neuen Feuerpause nach eigenen Angaben erneut zwei Geschosse aus Libanon ab.
       Zugleich soll Israels Luftwaffe laut der Times of Israel weitere Angriffe
       im nördlichen Nachbarland geflogen haben.
       
       ## Verhandlungen sollen weitergehen
       
       Die Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah hatte sich zuletzt
       deutlich zugespitzt. Israel und die libanesische Regierung hatten Mitte
       April zwar eine Waffenruhe geschlossen. Die Schiitenmiliz selbst lehnt
       Verhandlungen mit Israel aber ab. Der Krieg geht seither weiter, beide
       Seiten greifen sich weiter täglich an. Dabei sterben vor allem in Libanon
       immer wieder Menschen.
       
       Israels Soldaten waren in Libanon zuletzt immer weiter ins Landesinnere
       vorgedrungen, aber noch weit von Beirut entfernt. Entgegen Trumps
       Behauptung hätten sich die israelischen Truppen nicht auf dem Weg in die
       Hauptstadt befunden, zitierte die Times of Israel in der Nacht
       Militärquellen.
       
       Vertreter Israels und des Libanons verhandeln seit Wochen in Washington
       über Bedingungen für eine Entschärfung des Konflikts. Einen Durchbruch gab
       es dabei bisher aber nicht. Diese Verhandlungen sollen nach Angaben des
       libanesischen Präsidialamtes nun weiter fortgesetzt werden, um die jüngsten
       Fortschritte zu erörtern und darauf aufzubauen.
       
       2 Jun 2026
       
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