# taz.de -- Waffenruhe in Libanon: Hisbollah will von Waffenruhe nichts wissen
       
       > Libanon und Israel nehmen einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher
       > kaum wirksamen Waffenruhe. Die radikale Schiitenmiliz Hisbollah lehnt ab.
       
 (IMG) Bild: „Fahrplan zur Zerstörung“: Hisbollah-Chef Naim Kassim
       
       dpa/taz | Die Hisbollah im Libanon lehnt die jüngst getroffenen Bedingungen
       für eine Waffenruhe mit Israel ab. „Das angekündigte Abkommen ist ein
       Fahrplan zur Zerstörung eines Teils des libanesischen Volkes und zur
       Unterwerfung des übrigen Teils“, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen
       Erklärung von Hisbollah-Chef Naim Kassim.
       
       Israel und Libanon hatten sich nach Angaben des US-Außenministeriums zuvor
       auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der [1][bisher faktisch kaum wirksamen
       Waffenruhe] geeinigt. Die Waffenruhe sei abhängig von einer kompletten
       Einstellung der Angriffe der proiranischen Hisbollahmiliz gegen Israel,
       hieß es in einer gemeinsamen Erklärung nach Gesprächen zwischen
       israelischen und libanesischen Regierungsvertreten in Washington.
       
       Bereits am Morgen gab es andererseits neue libanesische Berichte über
       gezielte Drohnenangriffe der israelischen Armee in Südlibanon. Ein
       Militärsprecher sagte, man prüfe die Berichte.
       
       Im aktuellen Konflikt stehen sich Israel und die Schiitenmiliz gegenüber.
       Die libanesische Regierung ist selbst keine Kriegspartei – und hat auch nur
       begrenzt Einfluss auf die Hisbollah. Die mit Teheran verbündete Miliz, in
       Libanon eine Art Staat im Staate, ist nicht an den Gesprächen beteiligt.
       Sie [2][sieht Verhandlungen mit Israel als Kapitulation an.]
       
       ## „Sicherheitszonen“ geplant
       
       Die in Washington getroffene gemeinsame Erklärung sieht die Einrichtung
       sogenannter Pilotzonen in Libanon vor, in denen ausschließlich die
       regulären libanesischen Streitkräfte die Kontrolle ausüben sollen. Die
       Hisbollah soll sich aus Gebieten südlich des Litani-Flusses – einem Gebiet,
       das bis zu 30 Kilometer von der Grenze entfernt liegt – zurückziehen. Wie
       diese Sicherheitszonen eingerichtet werden sollen, ist noch unklar. „Diese
       Schritte werden Fortschritte hin zu einem umfassenden Friedens- und
       Sicherheitsabkommen ermöglichen“, heißt es.
       
       Es wurden zunächst keine Angaben gemacht, ob es sich bei dem neuen
       Bekenntnis zur Waffenruhe um eine zeitlich begrenzte Verlängerung handelte.
       Zuvor war die Waffenruhe jeweils befristet verlängert worden. Israel und
       Libanon vereinbarten, ihre Gespräche in der Woche vom 22. Juni
       fortzuführen, um eine umfassende Einigung zu erzielen, heißt es in der
       Erklärung weiter.
       
       Die Zukunft der Beziehungen zwischen Israel und Libanon müsse von den
       beiden Regierungen selbst entschieden werden. Jeder Versuch „staatlicher
       oder nichtstaatlicher Akteure“, die „Zukunft Libanons als Geisel zu
       nehmen“, werde zurückgewiesen. Dies schien ein deutlicher Bezug auf Iran zu
       sein, das die Hisbollah unterstützt. Bei den stockenden Verhandlungen mit
       den USA über ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Irankriegs [3][fordert
       Teheran auch ein Ende des Libanonkonflikts] als Teil einer Vereinbarung.
       
       ## Vorbehalte und Warnungen
       
       Der libanesische Zivilschutz rief die Menschen am Morgen zur Geduld auf.
       Sie sollten nicht voreilig in ihre Heimatorte zurückkehren. Eine Rückkehr
       in die Dörfer im Süden des Landes solle erst nach entsprechenden
       offiziellen Ankündigungen erfolgen. Zudem bestehe weiterhin Gefahr durch
       Kriegsrückstände sowie nicht explodierte Munition.
       
       Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir kritisierte die
       Vereinbarung zwischen Israel und Libanon als „schweren Fehler“. Es handele
       sich um „Wunschträume von Beratern, die den Ministerpräsidenten zu falschen
       Entscheidungen verleiten“, schrieb er in einem Post auf der Plattform X.
       Tatsächlich werde die Hisbollah durch die Vereinbarung nur stärker werden.
       
       Israels Verteidigungsminister Israel Katz wies Kritik an der Vereinbarung
       zurück und sprach nach Angaben des Nachrichtenportals „Ynet“ von „großen
       Errungenschaften in Libanon, am Boden und im politischen Bereich“. Die neue
       Einigung sei „eine Reflexion der Realität, die wir bisher in Libanon
       geschaffen haben“. Diese könnte zu einem Friedensvertrag mit Libanon
       führen. Nach seiner Auslegung enthält die Vereinbarung nicht nur eine
       Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah und ihre Entfernung aus dem
       Gebiet südlich des Litani-Flusses, sondern auch die fortgesetzte Präsenz
       der israelischen Armee in einer sogenannten „Sicherheitszone“ und ihrer
       „Einsatzfreiheit“.
       
       ## Krieg zwischen Israel und Hisbollah ging weiter
       
       Israel und die mit Iran verbündete Hisbollah standen bereits infolge des
       Gazakriegs in einem offenen Konflikt. Eine im November 2024 geschlossene
       Waffenruhe war [4][schon damals äußerst brüchig]. Israel griff weiter
       Stellungen der Hisbollah in Libanon an und warf der Miliz vor, sich
       entgegen der Waffenruhe-Vereinbarung neu zu bewaffnen. Im Zuge des
       Irankriegs, den Israel und die USA Ende Februar begonnen hatten, begann
       auch die Hisbollah erneut Raketen in Richtung Israel abzufeuern. Es kam zu
       einer erneuten Eskalation.
       
       Mitte April war im Rahmen der Gespräche zwischen Israel und Libanon
       erstmals wieder eine Waffenruhe verkündet worden. Sie wurde seitdem mehrere
       Male verlängert. [5][In der Realität ging der Krieg zwischen Israel und der
       Hisbollah jedoch weiter]. Die Schiitenmiliz setzte ihren Beschuss auf
       Israel fort, genauso wie Israel seine teils massiven Angriffe auf
       Hisbollah-Stellungen, vor allem im Süden Libanons. Das israelische Militär
       [6][drang auch immer weiter in das Landesinnere des nördlichen
       Nachbarlandes vor].
       
       In Libanon herrscht die Sorge vor einer dauerhaften Besetzung durch Israel,
       wie es schon in den 80er und 90er Jahren der Fall gewesen war. Seit dem
       Ausbruch des Kriegs Anfang März wurden in Libanon mehr als 3.400 Menschen
       getötet. Auf israelischer Seite wurden rund 30 Menschen getötet, die
       meisten davon Soldaten. Israel fordert eine Entwaffnung der Hisbollah.
       
       4 Jun 2026
       
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