# taz.de -- Internationale Klimafinanzierung: Bundesregierung bricht 6-Milliarden-Versprechen
> 4,7 Milliarden Euro hat Deutschland 2025 für Klimaschutz und Anpassung im
> Globalen Süden bereitgestellt. Versprochen war deutlich mehr.
(IMG) Bild: Energiewende im Globalen Süden: Windpark in Nairobi, Kenia
Die Bundesregierung hat die Zusage, jährlich 6 Milliarden Euro zur
Klimafinanzierung im Globalen Süden beizutragen, 2025 nicht erreicht. Das
teilten das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und das
Bundesumweltministerium gemeinsam am Dienstag mit. Demnach standen im Jahr
2025 lediglich 4,7 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung.
[1][2024 war das Ziel erstmals mit 6,1 Milliarden erreicht worden]. Der
Rückgang geht vor allem auf die starken Kürzungen im Budget des BMZ zurück,
aus dem 85 Prozent der deutschen Klimafinanzierung stammen.
Das Geld fließt in Projekte zum Klimaschutz, etwa die Transformation von
fossiler hin zu erneuerbarer Energie, sowie in Anpassung an den
Klimawandel. Dabei kann es zum Beispiel um die Umstellung der
landwirtschaftlichen Produktion an veränderte klimatische Bedingungen gehen
oder den Umgang mit Dürren oder Überschwemmungen.
Deutschland leiste damit den im Koalitionsvertrag festgelegten „fairen
Anteil“ für internationale Investitionen in den Klimaschutz, erklärten die
Ministerien. Von einem „Schlag gegen die mühsam errichtete Vertrauensbasis
mit jenen Ländern, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, aber
besonders stark von ihren Folgen betroffen sind“, spricht hingegen
Klimaexperte Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. „Auch
wenn Deutschland weiter großes Geberland bleibt, muss die Bundesregierung
nun mit einem Wortbruch zur UN-Weltklimakonferenz nach Antalya fahren.“
Vor der Weltklimakonferenz findet Ende Oktober außerdem die UN-Konferenz zu
Biodiversität in der armenischen Hauptstadt Jerewan statt. Auch hier hat
Deutschland seine Ziele verfehlt. Vorgesehen waren ein Beitrag von 1,5
Milliarden zum weltweiten Schutz von Ökosystemen, ausgegeben wurden 2025
hingegen 1,1 Milliarden.
## Mehr Kredite
Gestiegen ist dagegen der Anteil von Krediten, die Deutschland für
Klimaschutz und Anpassung vergeben hat. Insgesamt 5,15 Milliarden Euro
wurden demnach 2025 durch die staatseigenen Entwicklungsbanken KfW und DEG
bereitgestellt – sie müssen also von den Ländern zurückgezahlt werden. 2024
waren es noch 4,6 Milliarden Euro.
In der Regel werden diese Kredite zu einem günstigen Zinssatz vergeben –
oft wesentlich günstiger, als besonders ärmere Länder sie am Kapitalmarkt
erhalten würden. Der Anteil, um den Deutschland die Kredite günstiger
macht, wird als öffentlicher Beitrag aus Haushaltsmitteln bei der
Klimafinanzierung angerechnet.
Oxfam sieht die zunehmende [2][Klimafinanzierung über Kredite] angesichts
der wachsende Schuldenkrise vieler Länder kritisch. „Kredite sind sinnvoll,
wenn Projekte wirtschaftlich sind und Gewinne abwerfen, über die Kredite
zurückgezahlt werden können, zum Beispiel im Energiesektor“, erklärt
Kowalzig. Häufig würden aber in der Entwicklungszusammenarbeit Kredite
ausgegeben, von denen angenommen werde, die allgemeine Wirtschaftskraft des
Landes zu steigern, also mehr Steuereinnahmen zu generieren, sodass darüber
die Kredite zurückgezahlt werden können. „Wenn das nicht eintrifft, wachsen
die Schuldenberge.“
Nimmt der Trend zu, sieht Kowalzig auch die Gefahr, dass immer mehr Gelder
für rentable Projekte zur Verfügung stehen, „aber eben weniger für solche,
die keine Rendite abwerfen, etwa die Anpassung an den Klimawandel“.
Zahlen aus dem BMZ bestätigen die Sorge. Demnach sind die Haushaltsmittel
zu gleichen Teilen in Klimaschutz und Anpassung geflossen. Bei den Krediten
hingegen waren es 84 Prozent für CO₂-Minderung und 16 Prozent für
Anpassung.
## Bundesregierung nennt kein neues Ziel
Da viele Geberländer, allen voran die USA, ihre öffentlichen
Entwicklungsgelder drastisch gekürzt haben, spielen die Kredite und auch
Mobilisierung privater Mittel eine immer größere Rolle bei der
Klimafinanzierung.
Das Thema Finanzierung war in den vergangenen Klimakonferenzen der größte
Streitpunkt und dürfte auch bei der anstehenden UN-Konferenz im November
wieder den Ton angeben. Das 6-Milliarden-Ziel, das einst die damalige
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) festlegte, lief 2025 aus. Bislang hat
die Bundesregierung kein neues Ziel bekannt gegeben. Dabei haben die
Industrieländer bei der Klimakonferenz in Baku 2024 versprochen, statt wie
zuvor jährlich gemeinsam 100 Milliarden US-Dollar bis 2035 jährlich 300
Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen.
Gemessen an Deutschlands Wirtschaftsleistung fordert Oxfam einen Beitrag
des Bunds von 12 Milliarden Euro jährlich. „Wir wissen, dass dies
angesichts der Haushaltslage aktuell unrealistisch ist“, sagt Kowalzig.
Gleichzeitig gebe es Möglichkeiten, Geld zu mobilisieren: Oxfam fordert
unter anderem eine Vermögenssteuer, die Besteuerung fossiler Konzerne und
eine Abgabe auf Erste-Klasse-Flüge. „Somit wäre deutlich mehr Geld für das
Gemeinwohl und die Klimafinanzierung da“, sagt Kowalzig.
6 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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