# taz.de -- Großdemonstrationen in London: Gegen Israel hier, gegen Zuwanderung dort
> Zeitgleich riefen in London der Rechtsextremistenführer Tommy Robinson
> und die linke Palästina-Solidarität zur Großkundgebung. Krawalle blieben
> aus.
(IMG) Bild: Protest mit Kettenhemd: während der rechtsextremen „Unite the Kingdom“-Demonstration in London am Samstag, den 16. Mai 2026
Mit zeitweise zwei Hubschraubern über der Innenstadt und 4.000
Beamt:innen im Einsatz war Londons Polizei am Samstag auf alles
vorbereitet. Gleichzeitig lief ein von dem rechtsextremen
Anti-Islam-Aktivisten Tommy Robinson veranstalteter Marsch „Unite the
Kingdom“, der vor dem Parlament endete, und einen Kilometer nördlich davon
ein propalästinensischer „Nakba-78-Marsch“. Schwer bewachte Polizeisperren
sollten beide auseinanderhalten. Beide Veranstaltungen waren in den Wochen
zuvor in der britischen Öffentlichkeit auf schwere Kritik gestoßen. Sie
wurden als Hassmärsche beschrieben, Verbote wurden gefordert.
Am Ende stellte sich die Londoner Polizei hinter das Versammlungsrecht und
das Recht auf freie Meinungsäußerung – fast. Vor den Demos gab es
Anweisungen, dass bei Plakaten, Bannern, Rufen und Posts in den sozialen
Medien, die zu Hass aufriefen, eingegriffen werde.
Als wäre das nicht Zoff genug, lief am selben Tag im Fußballstadion von
Wembley im Westen Londons das englische Fußballpokalfinale zwischen Chelsea
und Manchester City. Auch hierfür wurde Sicherheit benötigt.
Bis zum frühen Abend wurden 43 Personen festgenommen, davon 20 bei den
Rechten und 12 bei der Palästinasolidarität; bei den anderen 11 gebe es
keine klare Zuordnung, teilte die Polizei am Sonntag mit. In 11 Fällen
werde wegen mutmaßlicher Hassverbrechen ermittelt, 9 davon bei den Rechten.
## Links: Protest gegen Israel
Die Veranstalter:innen nannten für die Palästinademonstration 250.000
Teilnehmer:innen, andere hielten die Zahl für geringer. Gruppen skandierten
die [1][umstrittene Parole „From the River to the Sea“], an einem
Verkaufsstand wurden T-Shirts mit dem roten Hamas-Dreieck angeboten, es gab
Genozidvorwürfe gegen Israel, Beschreibungen Israels als Terrorstaat und
Netanjahus als Satan. Linke, Gewerkschaftsmitglieder, Mitglieder von
Greenpeace und den Grünen sowie Antifaschisten, die gegen Tommy Robinson
Parolen riefen, liefen neben stark konservativ auftretenden Personen,
darunter muslimischen Frauen in Vollverschleierung.
Auf der Rednerbühne fanden sich unter anderem der ehemalige Labourchef
Jeremy Corbyn und Zarah Sultana, Gründerin der linken Abspaltung Your
Party, sowie Corbyns einstige innenpolitische Sprecherin Diane Abbott.
Neben Palästina kommentierten sie vor allem die Krise in der Labour-Partei.
Sultana behauptete, Keir Starmer sei in zionistische Kleider gehüllt.
Viele, mit denen die taz sprach, gaben an, regelmäßig auf
propalästinensische Veranstaltungen zu gehen. Luise, 22, kam jedoch, um
gegen die Rechtsextremen zu demonstrieren. „Ich stamme aus Wales und meine
Mutter hat Reform UK gewählt“, sagt sie.
## Rechts: Angst um Großbritannien
Tommy Robinson, [2][der im September noch 150.000 Menschen im Zentrum
Londons zusammengebracht hatte], konnte diesmal weniger als die Hälfte
mobilisieren. Zahlreichen Rechtsextremen aus dem Ausland war vorab die
Einreise nach Großbritannien verboten worden. Die Menge versammelte sich in
einem Meer britischer, englischer und walisischer Fahnen, dazwischen auch
christliche Holzkreuze. Zumeist waren die Gesichter britisch-weiß, aber
auch immer wieder People of Colour dazwischen, und generell viele
angetrunkene Männergruppen. Ein Poster am Rand verlangte, dass die
„zionistische Besatzung“ und der „Bevölkerungsaustausch“ der Weißen ende.
Zu großen Zusammenstößen kam es nicht, obwohl Tommy Robinson zum „Kampf um
Großbritannien“ aufrief. Er forderte die Menge auf, in rechten Parteien
ihrer Wahl aktiv zu werden und Nichtwähler zur Stimmabgabe zu animieren,
sonst würden sie alle ihr Land für immer verlieren.
Jason Henshaw, 42, aus Nottingham brachte seinen achtjährigen Sohn zur
Veranstaltung. „Damit er seine englische und britische Kultur kennenlernt.“
Die Schwestern Bridgett Gray und Gillian Dana, beide über 80, aus dem
südenglischen Bexhill, glauben, dass Großbritannien seine Werte verliere.
Schon die Wohnungssuche sei für junge Menschen heute schwer, Schuld trage
die Einwanderung.
Maeve, 56, Tochter jamaikanischer Einwanderer, sagte, dass neue
Einwander:innen zu schnell Sozialhilfe bekämen und sich nicht
integrieren würden: „Meine Eltern mussten sich von unten hocharbeiten.“ Ihr
wunderschönes Land mit christlichen Werten sei gefährdet. Mary Taraz, 55,
sagte: „Ich bin aus Iran geflüchtet und der islamischen Religion und will
verhindern, dass meine geliebte Wahlheimat sich dem Gleichen beugt.“
17 May 2026
## LINKS
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