# taz.de -- Polizeieinsatz in Großbritannien: 18-Jähriger Henry Nowak stirbt in Handschellen
> Bodycam-Aufnahmen zeigen, dass Polizisten einem jungen Mann, der
> niedergestochen wurde, nicht glaubten. Rechtspopulisten nutzen das für
> ihre Zwecke.
(IMG) Bild: Konfrontation in Southampton: Polizei und rechte Demonstranten am Dienstagabend
afp | Die Bodycamaufnahmen von einem Polizeieinsatz nach einem
Messerangriff in Southampton sorgen in Großbritannien für Empörung. Auf dem
Video ist zu sehen, wie der 18-jährige Student Henry Nowak nach dem Angriff
am Boden liegend stirbt – während die Polizisten ihm nicht helfen, sondern
ihm stattdessen Handschellen angelegt haben. Dabei ruft der Student
mehrmals „I can’t breathe“ („Ich kriege keine Luft“).
Nowak war im Dezember 2025 auf dem Nachhauseweg von dem 23 Jahre alten
Vickrum Digwa niedergestochen worden. Digwa gehört der Glaubensgemeinschaft
der Sikh an. Als die Polizei am Tatort eintraf, belog Digwa die Beamten und
erklärte, der Weiße Nowak habe ihn rassistisch beleidigt.
Auf den im Prozess gegen Digwa gezeigten Bodycamaufnahmen war zu sehen, wie
die eintreffenden Polizisten dem Messerangreifer glaubten und dem schwer
verletzten Opfer Handschellen anlegten. Zwar erklärte Nowak, dass auf ihn
eingestochen worden war, doch die Polizisten antworteten: „Wo denn? Ich
glaube das nicht!“
In der Folge rief der 18-Jährige mehrmals „I can’t breathe“, was an die
letzten Worte des Schwarzen US-Bürgers George Floyd erinnert. [1][Floyd war
2020 bei einem brutalen Polizeieinsatz von einem weißen Beamten getötet
worden] und hatte – ebenfalls am Boden liegend – immer wieder „I can’t
breathe“ gesagt. Im Anschluss hatte es in den USA und vielen anderen
Ländern eine Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt gegeben.
Der Prozess gegen Digwa ging am Montag mit der Verhängung einer
lebenslangen Haftstrafe gegen den 23-Jährigen zu Ende. Das Video von dem
Polizeieinsatz war im Laufe des Prozesses an die Öffentlichkeit gelangt.
Die Aufnahmen wurden vielfach in Onlinediensten geteilt und kommentiert,
unter anderem auch von US-Milliardär Elon Musk, der den Angehörigen des
Opfers Geld für eine Privatklage gegen die Polizei anbot.
## Rechtspopulisten nutzen den Fall für eine Kampagne gegen Starmer
Der Vorsitzende der [2][rechtspopulistischen Partei Reform UK, Nigel
Farage], forderte am Dienstag ein Ende „antiweißer Vorurteile“. Er warf
Premierminister Keir Starmer vor, sich nach dem Tod von George Floyd mit
der Bewegung Black Lives Matter solidarisiert zu haben – nach Nowaks Tod
aber habe Starmer geschwiegen. „In diesem Land zählen die Rechte der Weißen
weniger als die der ethnischen Minderheiten“, fügte Farage hinzu.
[3][Starmer] hatte im Onlinedienst X am Montag von einem „schrecklichen,
schockierendem Fall“ gesprochen. Am Dienstag erklärte er ebenfalls bei X,
er sei froh, dass der Vorfall von einer unabhängigen Kommission untersucht
werde. Die Polizei müsse „ernste Fragen beantworten“.
## Proteste und Zusammenstöße nach Urteilsspruch
Unterdessen versammelten sich am Dienstag vor einem Polizeigebäude in
Southampton mehr als tausend Menschen, unter ihnen auch der bekannte
rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson. Er warf der Polizei vor, weiße
Menschen „wie Bürger zweiter Klasse zu behandeln“. Eine Teilnehmerin, die
63-jährige Kate Phillips, sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Fall zeige,
dass es „Rassismus in beide Richtungen gibt“.
Digwa erschien zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder am Dienstag noch
einmal vor Gericht. Bei dem Termin ging es um mehrere Anklagen wegen des
Besitzes von Waffen, darunter eine Machete und mehrere Schwerter, die nach
dem Mord in ihrer Wohnung entdeckt worden waren.
Bei der Protestkundgebung kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten
und der Polizei. Mehrere Teilnehmer der Proteste bewarfen Beamte mit
Flaschen, Steinen und Mülltonnen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur
AFP am Dienstag berichtete. Die Demonstranten hatten sich vor einer
Polizeiwache versammelt und wollten dann durch das Stadtzentrum ziehen,
wurden aber von der Polizei aufgehalten.
3 Jun 2026
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