# taz.de -- Erbschaftsteuer vor Gericht: Bayern allein gegen alle
> Die bayerische Staatsregierung will vor dem Bundesverfassungsgericht die
> Regionalisierung der Erbschaftsteuer durchsetzen. Kein anderes Bundesland
> zieht mit.
(IMG) Bild: Stephan Harbarth, Vorsitzender des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts, kommt in den Verhandlungssaal
Die Erbschaftsteuer wird wohl auch weiterhin bundeseinheitlich geregelt.
Das zeichnete sich in der mündlichen Verhandlung vor dem
Bundesverfassungsgericht ab. Der bayerische Wunsch nach Steuerwettbewerb
wurde allgemein als gefährlich angesehen.
Die Erbschaftsteuer ist ein Bundesgesetz. Es regelt bundeseinheitlich, dass
der Freibetrag für Ehegatten bei 500.000 Euro liegt und für Kinder bei
400.000 Euro.
## Bayern gegen bundeseinheitliche Regelung
Gegen zentrale Normen dieses Bundesgesetzes hat Bayern jedoch 2023 eine
abstrakte Normenkontrolle eingereicht. Die Bundesregelungen zu
Freibeträgen, Steuersätzen und Grundstücksbewertungen seien
verfassungswidrig, weil eine bundeseinheitliche Regelung „nicht
erforderlich“ sei, so Bayern. An diesem Montag wurde in Karlsruhe mündlich
verhandelt.
„Der Bund hindert die Länder, passgenaue Lösungen zu entwickeln“, sagte
Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU). Sein Rechtsvertreter Ekkehart
Reimer erklärte: Die Landtage könnten die Erbschaftsteuer „einfach und mit
Ortskenntnis“ regeln. Aber Bayern gehe es auch darum, „behutsam
Unterschiede zu ermöglichen“, also „Steuerwettbewerb“, so Reimer.
Michael Schrodi (SPD), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, lehnte
das bayerische Ziel rundweg ab: „Eine Regionalisierung der Erbschaftssteuer
würde zu ruinösem Steuerwettbewerb zulasten der finanzschwachen Länder
führen.“
## NRW sieht sozialen Zusammenhalt gefährdet
Dass Bayern in Karlsruhe wohl keine Chance hat, zeigte sich spätestens, als
der vom Gericht ausgewählte Sachverständige, Steuerrechtsprofessor Wolfgang
Schön, sprach: „Wo die Erbschaftsteuer regionalisiert wurde, gab es einen
sehr starken Wettbewerb um eine niedrige Steuerbelastung, sodass die Steuer
am Ende oft abgeschafft wurde.“ Er nannte Beispiele aus Spanien, den USA
und Australien.
In der Karlsruher Verhandlung wurde Bayern von keinem anderen Land
unterstützt. NRW trat sogar ausdrücklich gegen Bayern auf: „Einige Länder
werden nach einer Regionalisierung zu Magneten, die die reichen Erblasser
anziehen“, argumentierte der NRW-Vertreter Peter Heinemann, „das Vertrauen
in die bundesstaatliche Ordnung wird gefährdet, der soziale Zusammenhalt
leidet.“
Die Grünen im Bundestag hielten die bayerische Klage für so wichtig, dass
sie mit Florian Meinel sogar einen eigenen Rechtsprofessor mitgebracht
hatten. Auch Meinel verwies auf die 15 Bundesländer, die die bayerische
Regionalisierungsklage nicht unterstützen. „Das sind die besseren Ratgeber
für das Gericht“, betonte Meinel.
## Bayern will höhere Freibeträge
Neben der angeblich fehlenden Gesetzgebungskompetenz des Bundes
argumentierte Bayern auch noch mit den Grundrechten der Bürger:innen, unter
anderem weil die Freibeträge schon seit 2009 nicht mehr erhöht wurden.
Bayern rechnete vor, dass die allgemeine Geldentwertung in dieser Zeit 33
Prozent betrug, dass Einfamlienhäuser 97 Prozent teurer wurden und Bauland
sogar 146 Prozent. Der Rechtsvertreter Nordrhein-Westfalens Heribert
Anzinger beharrte jedoch auf dem „politischen Spielraum“, den der
Gesetzgeber brauche, er müsse die Freibeträge nicht erhöhen.
Am morgigen Dienstag wird das Bundesverfassungsgericht erneut über die
Erbschaftsteuer verhandeln. Dann geht es in einem zweiten Verfahren um die
Frage, ob Unternehmenserben zu sehr privilegiert werden. Die Urteile in
beiden Verfahren werden erst in einigen Monaten verkündet.
12 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
## TAGS
(DIR) Erbschaftsteuer
(DIR) Bundesverfassungsgericht
(DIR) CDU/CSU
(DIR) Bayern
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Erbschaftsteuer vor Gericht: Karlsruhe prüft den Erbenrabatt
Normale Erbschaften werden besteuert, Unternehmensvermögen oft verschont.
Ist das gerecht? Darüber verhandelte das Bundesverfassungsgericht.
(DIR) SPD-Generalsekretär zu Reformen: „Milliardenerben machen sich aus dem Staub“
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf fordert die Union auf, sich einer
Reform der Erbschaftssteuer zu öffnen. Darüber verhandelt am Montag auch
Karlsruhe.
(DIR) Erbschaftsteuer: Gerechter erben – geht das?
Das Bundesverfassungsgericht verhandelt über die Erbschaftsteuer. Ist sie
mit dem Gleichheitsgrundsatz vereinbar? Die wichtigsten Fragen und
Antworten.
(DIR) Streit um Steuergerechtigkeit: Mehr Erbschaftsteuer, aber auch mehr Ausnahmen
Die Einnahmen des Staates durch Erbschaften wuchsen 2025 um 60 Prozent. Wer
eine Firma erbt, kommt aber oft erstaunlich günstig weg.