# taz.de -- Ebola-Ausbruch im Kongo: Virus überwindet Grenzen in Nachbarländer
       
       > Die Weltgesundheitsorganisation sieht noch keine Pandemie, ruft aber die
       > Notlage aus: In Ostkongo grassiert Ebola. Erste Fälle auch in Uganda.
       
 (IMG) Bild: Bereits mindestens 80 Todesopfer: In Ostkongo gibt es einen Ebola-Ausbruch. Hier ein Krankenhaus in Rwampara am Samstag
       
       Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Sonntag eine internationale
       Gesundheitsnotlage ausgerufen. Der Grund dafür ist ein erneuter
       Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, der bereits zu Toten
       im Nachbarland Uganda geführt hat.
       
       Die ersten Fälle des tödlichen hämorrhagischen Fiebers traten vergangene
       Woche in der ostkongolesischen Provinz Ituri auf, entlang der Grenze zum
       Nachbarland Uganda. Laut den WHO-Angaben vom Samstag wurden mittlerweile
       acht Fälle in den Städten Bunia, Rwampara und Mongbwalu im Labor bestätigt.
       246 Patienten stünden unter Beobachtung, deren Testergebnisse liegen noch
       nicht vor. 80 Menschen seien vermutlich bereits an der tödlichen
       Virusinfektion verstorben, [1][die extrem hohes Fieber und Blutungen aus
       Augen, Ohren und anderen Körperöffnungen] zur Folge haben kann.
       
       Die drei bislang betroffenen Städte im Ostkongo liegen inmitten des
       Kriegsgebiets, wo unzählige Menschen in den vergangenen Jahren aus ihren
       Dörfern vertrieben wurden und nun dicht gedrängt in den halbwegs sicheren
       Städten leben, zum Teil in Lagern. Gleichzeitig sind die ohnehin schlecht
       ausgestatteten Gesundheitsstationen restlos überfordert. „In den
       vergangenen Wochen verzeichnet die Stadt Mongbwalu eine Kaskade von
       Todesfällen, mit mindestens fünf bis sechs Toten täglich auf den Straßen,“
       berichtet ein Vertreter der Zivilgesellschaft gegenüber der
       Nachrichtenagentur Afp: „Wir haben gerade Gräber für drei Menschen
       gegraben, wissen aber nicht, woran sie gestorben sind.“ An Schulen und
       anderen öffentlichen Einrichtungen wurden nun Hygienemaßnahmen eingeführt.
       
       ## Ausbreitung nach Uganda
       
       Die betroffenen Gebiete im Ostkongo sind Umschlagsplätze für
       grenzübergreifenden Warenverkehr. Dies hat offenbar dazu geführt, dass zwei
       Personen, die sich mutmaßlich im Ostkongo infiziert haben, unabhängig
       voneinander in Kliniken in Ugandas Hauptstadt Kampala eingeliefert wurden.
       Ein kongolesischer Mann wurde seit vergangenem Montag auf der
       Intensivstation behandelt; er verstarb am Donnerstag.
       
       Der andere erkrankte Kongolese werde nach wie vor in Uganda behandelt.
       Dabei handle es sich um einen „importierten Fall“, so Ugandas
       Gesundheitsministerium. Es würden nun angemessene Maßnahmen ergriffen, um
       den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, darunter Quarantänemaßnahmen für
       sämtliche Kontaktpersonen.
       
       WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus verweist in einer Erklärung am
       Samstag ausdrücklich darauf hin: „Alles deutet auf einen potenziell viel
       größeren Ausbruch hin, als derzeit festgestellt und gemeldet wird, mit
       einem erheblichen lokalen und regionalen Ausbreitungsrisiko.“ Darüber
       hinaus sei das Wissen über die epidemiologischen Zusammenhänge bekannter
       oder vermuteter Fälle noch begrenzt, betont er.
       
       ## Erste Fälle auch in Kinshasa
       
       Am Sonntag bestätigten Kongos Behörden bereits den ersten Fall in Kongos
       Hauptstadt Kinshasa, 1.700 Kilometer Luftlinie entfernt. Zwei
       Verdachtsfälle wurden am Sonntag außerdem in der ostkongolesischen
       Millionenstadt Goma gemeldet, einige hundert Kilometer südlich des
       Seuchengebiets entlang der Grenze zum Nachbarland Ruanda. Goma wird derzeit
       von den kongolesischen Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) verwaltet.
       Ruandas Regierung hat den Grenzübergang zwischen Goma und der ruandischen
       Schwesterstadt Gisenyi vorsorglich geschlossen, um den regen Grenzverkehr
       dort zu unterbinden.
       
       Die Region der Großen Seen hat in der jüngsten Vergangenheit mehr als 20
       Ebola-Ausbrüche erlebt, zuletzt verstarben im Jahr 2025 mehr als 30
       Menschen bei einem Ausbruch im Zentrum des Kongos. Bei den vergangenen
       Ausbrüchen kamen jüngst neu entwickelte Impfstoffe zur Anwendung, die die
       Todeszahlen und Ansteckungszahlen enorm reduziert hatten.
       
       Das Problem, so die WHO: Beim akuten Ausbruch handelt es sich um einen
       enorm seltenen Erreger-Strang, dem sogenannten Bundibugyo-Virus (BVD) aus
       der Grenzregion Bundibugyo in Uganda, wo der Strang 2008 zuerst entdeckt
       wurde. Er zählt zu einem der sechs Ebola-Stränge. [2][Anders als
       beispielsweise gegen den sogenannten Zaire-Strang], der zuletzt in der
       Region grassierte, gibt es gegen den BVD-Strang bislang weder Impfungen
       noch Medikamente. Vor diesem Hintergrund warnt die WHO nun vor einer
       grenzüberschreitenden Ausbreitung des tödlichen Virus. Eine weltweite
       Pandemiegefahr bestehe allerdings noch nicht.
       
       17 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.who.int/news/item/17-05-2026-epidemic-of-ebola-disease-in-the-democratic-republic-of-the-congo-and-uganda-determined-a-public-health-emergency-of-international-concern
 (DIR) [2] /Demokratische-Republik-Kongo/!5737022
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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