# taz.de -- Ebola-Ausbruch in der DR Kongo: Zahl der Toten auf mehr als 130 gestiegen
> Viele Ebola-Tests waren erst negativ, weil nicht nach der
> Bundibugyo-Variante gesucht wurde. Jetzt steigen die Zahlen an.
> Afrikanische Union ruft Notstand aus.
(IMG) Bild: In Goma an der Grenze zwischen Kongo und Ruanda wird Fieber gemessen
ap/afp/dpa | Nach dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo
ist die Zahl der Todesopfer deutlich gestiegen. 131 mit dem Virus
infizierte Menschen seien gestorben, teilte der Gesundheitsminister der DR
Kongo, Samuel Roger Kamba, in der Nacht zu Dienstag mit. Insgesamt gebe es
513 Verdachtsfälle. Zuletzt waren aus der DR Kongo 91 Tote und 350
Ansteckungen gemeldet worden.
Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (CDC) hat wegen des
Ebola-Ausbrichss für den gesamten afrikanischen Kontinent den Notstand
ausgerufen. In einer am späten Montagabend veröffentlichten Erklärung
begründete die Behörde den Schritt zudem unter anderem mit dem „hohen
Risiko einer regionalen Ausbreitung“. Das Risiko bestehe unter anderem
wegen des „intensiven grenzüberschreitenden Personenverkehrs“ und der
„Mobilität im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten“.
Zudem führte die Behörde in ihrer Erklärung die unsichere Lage in den
betroffenen Gebieten, unzureichende Maßnahmen zur Infektionsprävention und
-kontrolle sowie die räumliche Nähe der betroffenen Gebiete zu Ruanda und
dem Südsudan an. Die Behörde arbeitet nach eigenen Angaben eng mit der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen, um die Koordinierung der
Maßnahmen zu stärken.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Epidemie am Wochenende
eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen –
ihre zweithöchste Alarmstufe. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation
(WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, äußerte sich in Genf „sehr besorgt“ über
das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der Ebola-Ausbreitung. Die
Weltgesundheitsorganisation rief am Sonntag eine [1][gesundheitliche
Notlage von internationaler Tragweite] aus. Die Kriterien einer
[2][Pandemie wie beim Coronavirus] seien jedoch nicht erfüllt, teilte die
WHO mit und riet von Grenzschließungen ab.
## Seltener Virenstamm lange nicht erkannt
Der Ebola-Virenstamm Bundibugyo hatte sich Experten zufolge einige Wochen
lang unbemerkt ausgebreitet. Inzwischen wurden Fälle in Bunia, in Goma, der
von Rebellen kontrollierten Hauptstadt von Nord-Kivu, sowie in Mongbwalu,
Butembo und Nyakunde bestätigt.
„Da bei den ersten Tests nach dem falschen Ebola-Stamm gesucht wurde,
erhielten wir falsch-negative Ergebnisse und verloren Wochen an
Reaktionszeit“, sagte Experte Matthew Kavanagh von der Georgetown
University. „Wir versuchen, den Rückstand gegenüber einem sehr gefährlichen
Erreger aufzuholen.“
Er kritisierte Entscheidungen der US-Regierung, [3][aus der WHO auszutreten
und die Entwicklungshilfe drastisch zu kürzen]. „Wenn man der WHO
Milliarden entzieht und wichtige USAID-Programme an vorderster Front
abbaut, zerstört man genau das Überwachungssystem, das dazu dient, solche
Viren frühzeitig zu erkennen“, sagte Kavanagh.
## „Die Lage entwickelt sich sehr schnell“
Proben aus Bunia wurden zunächst auf den häufiger vorkommenden Ebola-Stamm
Zaire getestet. Die erste Bestätigung von Ebola erfolgte erst am 14. Mai,
und am nächsten Tag wurde der Bundibugyo-Stamm bestätigt. Nun werden eilig
weitere Ressourcen in die Region geschickt.
„Die Lage ist ziemlich besorgniserregend und entwickelt sich sehr schnell“,
sagte Esther Sterk von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen der AP. Der
Virenstamm sei ziemlich spät entdeckt worden. Allerdings sei das bei
Ebola-Ausbrüchen oft der Fall, da Ebola ähnliche Symptome wie andere
Tropenkrankheiten aufweise.
Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba kündigte bei einem
Besuch in der Region Ituri am Sonntagabend die Eröffnung von drei
Behandlungszentren an. „Wir wissen, dass die Krankenhäuser aufgrund der
Patienten bereits stark belastet sind.“
## Grenze zu Ruanda geschlossen
Das US-Außenministerium meldete, dass Ruanda trotz der Beschwichtigungen
der WHO seine Landgrenze zur Demokratischen Republik Kongo geschlossen
habe. Reporter der Nachrichtenagentur AP versuchten am Sonntag und am
Montagmorgen, die Grenze zu überqueren. Ihnen wurde mitgeteilt, dass nur
Personen im Besitz internationaler Flugtickets durchgelassen würden. Die
ruandischen Behörden reagierten nicht umgehend auf eine Bitte um
Stellungnahme.
Ebola ist hoch ansteckend. Erkrankungen verlaufen oft tödlich. Das Virus
wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten einer infizierten Person
oder mit kontaminierten Gegenständen übertragen.
Gabriel Nsakala, ein Professor für öffentliche Gesundheit, der bereits an
früheren Ebola-Einsätzen beteiligt war, sagte, der Kongo verfüge über
umfangreiche Erfahrung im Umgang mit solchen Ausbrüchen, doch der seltene
Virusstamm könnte eine Eindämmung erschweren.
Der Bundibugyo-Virusstamm wurde erstmals im ugandischen Distrikt Bundibugyo
während eines Ausbruchs 2007 und 2008 nachgewiesen, bei dem 149 Menschen
infiziert wurden und 37 starben. Das zweite Mal trat er 2012 bei einem
Ausbruch in Isiro im Kongo auf, wo 57 Infektionen und 29 Todesfälle
gemeldet wurden.
## Ebola-infizierter US-Bürger soll in Deutschland behandelt werden
Ein mit dem Ebolavirus infizierter US-Amerikaner soll nach US-Angaben in
Deutschland behandelt werden. Er habe in der Demokratischen Republik Kongo
gearbeitet und sei am Wochenende positiv getestet worden, teilte die
US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Wegen der kürzeren Flugzeiten und der
Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten werde der Infizierte
nach Deutschland verlegt – ebenso wie sechs Kontaktpersonen mit hohem
Ansteckungsrisiko. Zu ihrer Nationalität wurden keine Angaben gemacht. Zum
genauen Behandlungsort in Deutschland gab es ebenfalls keine Informationen.
US-Medien zufolge soll es sich bei dem Infizierten um einen Arzt handeln.
Eine christliche Missions-Organisation teilte mit, dass sich ein
US-amerikanischer Mediziner beim Behandeln in einem Krankenhaus im Kongo
infiziert habe.
## Lauterbach fordert verstärkte Impfstoffforschung gegen Ebola-Virus
Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat angesichts
des neuen Ebola-Ausbruchs in Afrika eine verstärkte Impfstoffforschung
gegen das Virus gefordert. „Für die Unternehmen, die hier die Forschung
machen, ist das nicht lukrativ“, sagte er in einem Podcast des Magazins
Stern laut Mitteilung vom Dienstag. Vor allem die US-amerikanische
Regierung unter Donald Trump habe viel Schaden angerichtet.
Die von den US-Amerikanern finanzierte Impfstoffforschung sei stark
eingebrochen. Vor Ort fehlten die amerikanischen Spezialisten. „Die
amerikanischen Experten, die werden wirklich weltweit vermisst“, sagte
Lauterbach. Die Amerikaner hätten mit die besten Pandemieexperten der Welt.
In Deutschland gebe es eine geringe Gefahr eines Ebola-Ausbruchs. „In
Deutschland selbst sehe ich im Moment kein Risiko, aber es muss uns
natürlich zu denken geben, wenn solche Zoonosen, also von Tieren auf den
Menschen übertragenen Erreger und Krankheiten, zunehmen“, sagte er. Der
aktuelle Ausbruch sei für Deutschland und Europa nicht gefährlich.
19 May 2026
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