# taz.de -- Drohnen, KI und Militär: Die Zukunft der Technologie
> In der Ukraine geht es nicht nur um Krieg, sondern auch um die Zukunft
> der Technologie. Ausgeklügelte Software geht eine Symbiose mit den
> Drohnen ein.
(IMG) Bild: Billige Drohnen, kontrolliert von mächtigen Menschen, für den Einsatz für den Krieg
Dronophobie“ heißt die immer häufiger auftretende Störung mit
PTBS-ähnlichen Symptomen, die Menschen in frontnahen Gebieten der Ukraine
entwickeln. Betroffene reagieren panisch auf Geräusche von Rasenmähern und
Insekten, da sie diese an die Killerdrohnen erinnern.
Darüber denke ich nach, während ich die Enten beobachte, die vergnügt
quaken. Drohnen werden in der Ukraine umgangssprachlich „Vögel“ genannt. Im
Hintergrund zeichnen sich die Umrisse der Alpen ab.
Hier, an der Evangelischen Akademie Tutzing am Starnberger See, findet
Mitte September die Fachtagung „Technologien des Krieges“ der
Bundeszentrale für politische Bildung statt. Eine beruhigende Kulisse für
die furchteinflößenden wie faszinierenden Entwicklungen der Gegenwart, die
auf der Agenda stehen.
Lyuba Shipovich, eine der Vortragenden, führte einst ein bequemes Leben als
IT-Unternehmerin in New York City. In der Ukraine treibt sie nun mit ihrer
NGO „Dignitas“ technologische Lösungen fürs Militär voran, um den
russischen Angriff abzuwehren. Sie wolle „Boots mit Bots ersetzen“, sagt
sie.
## Die Hoffnung sind die Roboter
Ihre Vision: „Hoffentlich können Roboter alle Menschen auf dem Schlachtfeld
ablösen.“ Als 2023 die Munition wegen ausbleibender westlicher Lieferungen
knapp wurde, machte sich „Dignitas“ für [1][FPV-Drohnen] als Alternative
zur Artillerie stark, half bei der Beschaffung und bei der Ausbildung der
Piloten. Nun stehen Bodendrohnen im Fokus.
Shipovich erklärt, ihre NGO greife überall da ein, wo staatliche Strukturen
zu langsam seien. Doch die russische Seite schläft nicht, auch sie
entwickelt permanent neue Technologien. Durch diesen Drohnen-Wettlauf ist
im Osten der Ukraine eine Todeszone entstanden. „Wir verwenden den Begriff
Frontlinie nicht mehr. Es ist eine kill zone, teils 50 bis 60 Kilometer
breit,“ so Shipovich.
Ukrainische Militärangehörige sind ebenfalls nach Tutzing angereist. 90 bis
95 Prozent aller Verluste auf der russischen Seite seien auf unbemannte
Systeme zurückzuführen, schildert ein Kommandeur. Er glaubt daran, dass
schon bald ein Viertel der Infanteriesoldaten seiner Brigade durch
Maschinen ersetzt werden könnte.
## Mit billigen Dingen sehr Teure zerstören
„We use cheap things to destroy very expensive things“, bringt die
Journalistin Nataliya Gumenyuk den ökonomischen Faktor der
Drohnenrevolution auf den Punkt, über die sie jüngst ein Buch geschrieben
hat. Wie Shipovich unterstreicht sie den Grassroots-Charakter des
ukrainischen Abwehrkampfs. Es sind nicht Rüstungsgiganten am Werk, nicht
„der Staat“, sondern die Gesellschaft. Eine immer wichtigere Rolle spielt
die Automatisierung – ausgeklügelte Software geht eine Symbiose mit den
Drohnen ein.
In deutlichem Kontrast zu den ukrainischen Positionen stehen die Beiträge
der beiden deutschen Keynote-Speakerinnen bei der Tagung, die sich vor
allem auf das Silicon Valley konzentrieren. Die Politikwissenschaftlerin
Elke Schwarz von der Queen Mary University in London prangert [2][die
apokalyptische Rhetorik der Tech-Bros] an, deren „techno-eschatologische
Tropen“ sowie den verstärkten Einsatz von KI zu militärischen Zwecken. Und
freilich gibt es da sehr bedenkliche Entwicklungen.
## „Macht, Daten und Krieg“
Aber den großen Krieg in Europa und die sich aktuell dort ereignende
Drohnenrevolution spart Schwarz aus, wie auch Constanze Kurz vom Chaos
Computer Club, die über „Macht, Daten und Krieg“ referiert. Gleich zu
Beginn ihres Vortrags stellt sie klar, dass sie nicht über die Ukraine
sprechen werde – ganz zum Erstaunen der Anwesenden.
Bogna Konior, eine an der NYU in Shanghai lehrende Medienwissenschaftlerin
aus Polen, die viel Zeit in der Ukraine verbringt, meint: Selbst wenn es
schockierend sei, wie wenig der dortige Krieg bei vielen Menschen aus dem
Tech-Bereich präsent ist, werde die Strategie, ihnen aufgrund ihrer
Ignoranz ein schlechtes Gewissen zu machen, nicht fruchten. Die Ukraine auf
ihre kognitive Karte zu bringen, das erreiche man eher „durch die
Hintertür“.
Deshalb möchte Konior die Ukraine unbedingt als Ort denken, an dem es nicht
nur um Krieg geht – sondern um die Zukunft der Technologie.
3 Oct 2026
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