# taz.de -- Geplantes Ukraine-Treffen: Das Schicksal der Ukraine hängt auch an der EU-Diplomatie
       
       > Die Ukraine könnte zwischen Großmachtprojektionen der USA, Chinas und
       > Russlands zerstückelt werden. Jetzt kommt es mehr denn je auf Europa an.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beim EU-Gipfel in Brüssel – kann Europa mehr als warme Worte?
       
       Die Unterstützung der Ukraine wird in Europa unbeliebter – und dabei gerät
       eine Feststellung in den Hintergrund: Der ukrainische Präsident Wolodymyr
       [1][Selenskyj könnte sich derzeit im Staub wälzen und Russland die
       entrissenen Territorien im Donbass zum Fraß vorwerfen,] die kleptokratische
       Führung um den russischen Präsidenten Wladimir Putin würde trotzdem nicht
       von ihren Maximalforderungen im Ukrainekrieg abrücken. Und weiterhin
       [2][selbst solche Gebiete für sich beanspruchen, die sie militärisch nicht
       einmal erobert hat]. Trotz Selenskyjs deutlichen Kompromissangebots, den
       Krieg zumindest an der Kontaktlinie einzufrieren und an den
       Verhandlungstisch zu schreiten, sieht Moskau einen größeren Nutzen für sich
       darin, das Blutvergießen in die Länge zu ziehen.
       
       Das sich nun anbahnende [3][Treffen zwischen Putin, dem US-Präsidenten
       Donald Trump und dem chinesischen Machthaber Xi Jinping] könnte dazu
       führen, dass die Ukraine zwischen Großmachtprojektionen zerstückelt wird.
       Denn die drei paranoiden Greise haben mehrfach demonstriert, dass ihnen die
       Menschen vor Ort genau so egal sind wie das internationale Völkerrecht. An
       dieser Stelle könnte sich die EU als Co-Verhandlerin einbringen. Doch hier
       zeichnet sich ein anderer Befund mit zunehmender Deutlichkeit ab:
       Deutschland ist als aktuell größter Unterstützer der Ukraine nicht in der
       Lage, aus den Waffenlieferungen politisches Kapital zu schlagen, um das
       angegriffene Land auch am Verhandlungstisch zu unterstützen.
       
       Ein Grund dafür ist die Maxime, mit der die EU und die Bundesregierung ihre
       Ukraine-Unterstützung begründen. Sie verlassen sich dabei auf einen
       Leitsatz aus der Verhaltensökonomie: Russland wird diesen Krieg
       weiterführen, so lange der zu erwartende Nutzen größer ist als der Preis,
       den es dafür zu zahlen hat. Der Ansatzpunkt in Brüssel und Berlin liegt
       dabei fast ausschließlich auf dem zweiten Teil dieser Gleichung: Russland
       soll einen so hohen Preis für seine blutrünstige Politik zahlen, dass es
       von seinem Feldzug ablässt.
       
       In der Praxis hat sich diese Strategie schon immer als schwer erwiesen. Das
       zeigten die harten Diskussionen um den Import von russischem Öl nach Europa
       genauso wie die bis heute unter dem Radar laufenden Importe von russischem
       Uran auch nach Deutschland. Spätestens die Dieselimporte aus Russland in
       die USA führen das westliche Sanktionsregime an den Rand seiner Existenz –
       vom Druck auf Staaten wie Indien, kein Öl mehr aus Russland zu importieren,
       ganz zu schweigen.
       
       Ja, die Sanktionen haben die russische Wirtschaft empfindlich getroffen.
       Putin muss sich massiv aus der Staatskasse bedienen und Steuern erhöhen, um
       seinen Krieg fortzuführen. Doch es wird Zeit, sich dem ersten Teil der
       Gleichung zuzuwenden: Wie schafft man es, dass Russland keinen Nutzen mehr
       aus diesem Krieg zieht? Putin, Xi und Trump werden diese Frage niemals
       stellen. Es wäre ein Ansatzpunkt für die europäische Diplomatie.
       
       24 Oct 2026
       
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