# taz.de -- Merz empfängt Selenskyj: Der Kanzler will mitspielen
       
       > In der kommenden Woche sollen Verhandlungen zwischen der Ukraine und
       > Russland weitergehen. Kanzler Merz und Europa wollen mehr als ein
       > Wörtchen mitreden.
       
 (IMG) Bild: Wolodymyr Selenskyj wird in Berlin mit Blaskapelle der Bundeswehr begrüßt
       
       Es ist nicht der erste Besuch dieser Art, und doch findet er zu einem
       entscheidenden Zeitpunkt für die Ukraine statt. Kanzler Friedrich Merz
       (CDU) empfing am Dienstag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj
       in Berlin. In der kommenden Woche sollen auf Initiative der USA
       Delegationen aus Russland und der Ukraine in Abu Dhabi erneut Verhandlungen
       starten, um die nun fast 5 Jahre andauernde russische Vollinvasion in der
       Ukraine zu einem Ende zu führen. Der Ausgang ist – wenig überraschend –
       ungewiss.
       
       Klar ist nur, [1][dass auch die Europäer,] wohl auch der deutsche Kanzler
       Merz, eine entscheidende Rolle spielen wollen, wenn es um die Zukunft der
       Ukraine geht. „Wir unterstützen die Ukraine aus unserem Interesse und ich
       werbe auch dafür, dass das die Mehrheit der Deutschen versteht“, sagte
       Merz. Militärische Gewalt dürfe nicht zur Verschiebung von Grenzen führen.
       „Der Ausgang dieses Krieges wird die europäische Sicherheit auf lange Zeit
       prägen.“
       
       Bereits am Mittwoch will die EU-Kommission Gespräche zur Ukraine mit
       Vertretern der USA und verschiedener europäischer Verbündeter führen.
       Deutschland ist beteiligt, Frankreich, Großbritannien, die Nato – und auch
       die Weltbank. Es soll um den Wiederaufbau der Ukraine gehen, aber auch um
       Sicherheitsgarantien. Bei Letzterem ließ der ukrainische Präsident
       Selenskyj keinen Zweifel aufkommen, dass die Europäer bei diesem Thema
       einspringen müssen.
       
       Sicherheitsgarantien beziehen sich offenbar nicht nur auf militärische
       Fragen, sondern auch auf einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine. „Die USA
       und Russland können nicht darüber entscheiden, ob die Ukraine ein Mitglied
       der EU sein wird“, sagte Selenskyj in Berlin. Ohne die Europäer sei das
       Ganze nicht zu lösen.
       
       ## „Es ist Zeit für ein Ende des Krieges“
       
       Die Suche nach Lösungen für diesen erbitterten Krieg: Merz und Selenskyj
       geben sich Mühe, in Berlin nicht zu verzweifelt zu klingen. Denn auch an
       diesem Dienstag gibt es zahlreiche Meldungen über russische Angriffe auf
       die Zivilbevölkerung, etwa in Charkiw oder in Saporischschja. „Unsere
       Botschaft an Russland lautet: Es ist Zeit für ein Ende des Krieges“, sagte
       der Kanzler. Und verwies auf die [2][begrenzte Waffenruhe in Oleschky] im
       Süden der Region Cherson, die dafür ein Anfang sein könnte. Doch während
       von dort etliche Ukrainier:innen evakuiert wurden, bombardierte Russland
       an anderer Stelle weiter.
       
       Während Merz und Selenskyj in Berlin sprachen, kündigte das Weiße Haus an,
       Melania Trump werde Vertreter Russlands und der Ukraine in Washington
       empfangen. Die First Lady der USA soll maßgeblich dafür gesorgt haben, dass
       es zu einer solchen [3][Waffenruhe] kommen konnte. Ein genaues Datum für
       dieses Treffen gibt es noch nicht und auch die Teilnehmer:innen sind
       nicht klar. Aber es soll einen „außergewöhnlichen Moment in der
       amerikanischen Geschichte“ darstellen.
       
       Das Treffen in Abu Dhabi derweil könnte entscheidend für den weiteren
       Verlauf des Krieges sein. Viel hängt allerdings von der Bereitschaft
       Russlands zu Verhandlungen ab. Merz und Selenskyj blicken aber bereits auf
       weitere gemeinsame Termine. So soll am 19. November die „Koalition der
       Willigen“ zu einem Treffen in Berlin kommen. Auch die wirtschaftlichen
       Beziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine will Merz stärken und lädt
       unmittelbar nach dem Verbündeten-Treffen zu einem Forum ein.
       
       Die große Unbekannte ist nach wie vor der G20-Gipfel Mitte Dezember in
       Miami. US-Präsident Donald Trump hatte bereits angekündigt, den russischen
       Machthaber Wladimir Putin dazuzuholen. „Jedem Gastgeber steht es frei,
       weitere Gäste einzuladen“, sagte Merz. Wenn Putin käme, müsste aber zuerst
       über die Ukraine gesprochen werden, und dann müsse auch die Ukraine mit am
       Tisch sitzen – und damit auch Europa. „Ich sehe dem Treffen mit Interesse
       entgegen.“
       
       3 Nov 2026
       
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 (DIR) Tanja Tricarico
       
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