# taz.de -- Geld für Klimaanpassung: Zerstörerische Sparsamkeit
       
       > Die Klimakrise eskaliert. Dennoch zahlen Industrieländer dem Globalen
       > Süden nicht genug für den Schutz vor den Folgen.
       
 (IMG) Bild: Kaffeeplantage in Bolivien: Mehr Hitze und veränderte Niederschläge plagen die Landwirt*innen
       
       Während viele Länder des Globalen Südens immer mehr Geld benötigen, um sich
       an die Folgen des Klimawandels anzupassen, stagnieren die
       Unterstützungszahlungen aus dem Globalen Norden fast. Das zeigt der
       diesjährige Adaptation Gap Report des UN-Umweltprogramms (Unep), zu
       Deutsch: der Bericht zur Anpassungslücke, der am Mittwoch vorgestellt
       wurde.
       
       Demnach bräuchten diese Länder jährlich 305 Milliarden US-Dollar
       Unterstützung für ihre Investitionen in Maßnahmen zur Klimaanpassung. Das
       heißt etwa: um Krankenhäuser hitzefest zu machen, Küsten vor dem
       Meeresspiegelanstieg zu schützen oder die Wasserversorgung an häufigere
       Dürren anzupassen. Bezieht man die Klimaresilienz der Privatwirtschaft mit
       ein, verdoppelt sich der Bedarf der Unep zufolge sogar noch.
       
       Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund einer sich immer weiter
       verschärfenden Erderhitzung. Weil die Menschheit weiter Öl, Gas und Kohle
       verbrennt, Wälder rodet und Moore trockenlegt, steuert der Planet derzeit
       auf eine Erwärmung von 2,5 bis 2,8 Grad zu. Die bereits verursachte
       Erhitzung von etwa 1,4 Grad fordert weltweit Opfer: Zuletzt tötete ein
       Taifun in Japan 17 Menschen, [1][angefeuert von den steigenden
       Meerestemperaturen]. Auch der monströse Bergsturz in Nepal, der Sturzfluten
       verursachte und [2][mindestens 1.400 Menschen tötete], wurde aufgrund des
       Klimawandels wahrscheinlicher.
       
       Die Industriestaaten, die für den Großteil der CO₂-Emissionen
       verantwortlich sind, haben sich in verschiedenen UN-Klimaabkommen zur
       finanziellen Unterstützung der Länder des Globalen Südens verpflichtet. Für
       Maßnahmen zur Klimaanpassung gaben sie 2024 aber nur 28,2 bis 31,7
       Milliarden Dollar. Das ist zwar 1 Milliarde mehr als im Jahr zuvor, aber
       nur etwa ein Zehntel dessen, was laut Unep nötig wäre.
       
       ## Selbst versprochene Gelder reichen nicht aus
       
       Auf dem UN-Klimagipfel 2021 in Glasgow hatten die Industriestaaten
       versprochen, bis 2025 40 Milliarden Dollar zur Anpassungsfinanzierung im
       Globalen Süden beizutragen. Dieses Ziel könnte noch erreicht werden,
       schreibt das Unep im Bericht, weil die Entwicklungsbanken [3][2025] 9
       Milliarden US-Dollar mehr für die Klimaanpassung in ärmeren Ländern zur
       Verfügung gestellt haben als im [4][Vorjahr]. Die sonstigen Daten des
       Unep-Berichts beziehen sich auf 2024.
       
       Im brasilianischen Belém hatten die Industriestaaten während der dortigen
       UN-Klimakonferenz [5][im vergangenen Jahr versprochen], bis 2035 ihre
       Anpassungsfinanzierung zu verdreifachen. Je nach Interpretation dieses
       Ziels müssten sie dann 85 bis 120 Milliarden US-Dollar zahlen. Das Unep
       warnt aber, dass diese Summe weit kleiner ist, als nötig wäre. Den
       Autor*innen des Adaptation Gap Reports zufolge brauchen die
       Entwicklungsländer 2035 schon 420 Milliarden Dollar Unterstützung aus dem
       Globalen Norden, um sich an die Erderhitzung anzupassen.
       
       Sabine Minninger, Anpassungsexpertin der Entwicklungsorganisation Brot für
       die Welt, nennt den Unep-Bericht deshalb den „traurigen Beweis dafür, dass
       die Industriestaaten als Hauptverursacher der Klimakrise den Globalen Süden
       mit den Folgen im Stich lassen“. Minninger kritisiert auch die
       Bundesregierung: „Statt wie zugesagt ab dem Jahr 2025 jährlich 6 Milliarden
       für Klimaschutz und Anpassung bereitzustellen, flossen bisher nur 4,7
       Milliarden Euro.“
       
       ## Klimaanpassung bleibt in der Klima-Diplomatie zentral
       
       Das Unep weist darauf hin, dass nicht nur die Gelder für den Schutz vor
       Klimakatastrophen knapp sind, sondern auch die verfügbaren Mittel für den
       Wiederaufbau nach Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen: Der Fonds für
       Schäden und Verluste, der auf der UN-Klimakonferenz 2022 aufgesetzt wurde,
       enthielt im vergangenen Sommer nur 342 Millionen US-Dollar – Anträge
       betroffener Länder beliefen sich aber auf 2,8 Milliarden Dollar.
       
       Wie schon in den vergangenen Jahren wird auch auf der nahenden
       UN-Klimakonferenz in Antalya das Thema Klimaanpassung eine Rolle spielen.
       Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich in Antalya zu einem
       verbindlichen Finanzierungsfahrplan zu verpflichten, der die Mittel für
       Anpassungsmaßnahmen bis 2035 verdreifacht.
       
       Um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen, sei es allerdings „ebenso
       dringend, die Emissionen in allen Sektoren drastisch zu reduzieren“, mahnt
       Greenpeace-Klimaexperte Jannes Stoppel.
       
       4 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.worldweatherattribution.org/typhoon-dujuan-in-a-warming-climate-even-well-prepared-nations-remain-vulnerable-to-worsening-climate-extremes/
 (DIR) [2] /Nepal-nach-der-Flut/!6217600
 (DIR) [3] https://www.ebrd.com/content/dam/ebrd_dxp/assets/pdfs/green-economy-transition/green-economy-transition-results/joint-mdb-approach-for-tracking-climate-finance-mobilisation/MDB%20Climate%20Finance%20Report%202025..pdf
 (DIR) [4] https://publications.iadb.org/en/publications/english/viewer/2024-Joint-Summary-on-Multilateral-Development-Banks-Climate-Finance.pdf
 (DIR) [5] /UN-Klimakonferenz-enttaeuscht/!6131803
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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