# taz.de -- Die Wasserbilanz des Sommers: Zu trocken und zu heiß
> Die Wasserbilanz für Deutschland setzt neue Negativmaßstäbe. Damit sich
> die natürlichen Speicher auffüllen, ist langer, großflächiger Regen
> nötig.
(IMG) Bild: Folgen der anhaltenden Trockenheit im Sommer: Im August 2026 werden an der Oder Steine sichtbar, die sonst mit Wasser bedeckt sind
Deutschland geht das Wasser aus: Nach [1][Auswertung der Pegeldaten durch
das Science-Media-Center] wird das hydrologische Jahr 2025/26 in
Deutschland neue Negativmaßstäbe setzen. Demnach war bereits der vergangene
Winter außergewöhnlich trocken, bevor dann ein zu trockenes Frühjahr und
ein weiterer Dürresommer folgten: Die hohen Temperaturen sorgten dafür, das
Pflanzen mehr Wasser verdunsteten. Das hydrologische Jahr endete am 31.
Oktober.
„Ein trockener Winter führte dazu, dass sich das Grundwasser nicht erholt
hat“, erklärt Thorsten Wagener, Professor für hydrologische Systeme an der
Universität Potsdam. Dies führe dazu, dass über die Flüsse weniger Wasser
abfließen kann. „Durch den steigenden [2][Einfluss des Klimawandels]
verlieren wir die natürlichen Schnee- und Gletscherspeicher in
Gebirgsregionen“, so Wagener. Dadurch würden viele Flüsse einen wichtigen
Teil des Abflussvolumens einbüßen. Der Abfluss des Rheins betrug an
mehreren Pegeln nur 50 Prozent des vieljährigen Mittelwertes der Periode
1991 bis 2020. Aber auch Oder, Elbe, Mosel, Donau, Inn oder Lech erreichten
Werte, die als „sehr niedrig“ oder „extrem niedrig“ eingestuft werden.
Die Folgen: „Im Oberlauf leidet oft die Ökologie an zu warmen und
sauerstoffarmen Flüssen“, so Wagener. Diese Abschnitte seien wichtige
Zufluchtsorte für Fische und andere Lebewesen. „Im Unterlauf leidet dann
die Gesellschaft durch geringes Transportvermögen für die Schifffahrt oder
verminderte Wasserentnahme für die Kühlung von Kraftwerken.“
Zum Grundwasserproblem gesellte sich im abgelaufenen hydrologischen Jahr
die Niederschlagsarmut: Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes DWD fielen
im Frühjahr bundesweit im Durchschnitt lediglich 126 Liter auf den
Quadratmeter – 68 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis
1990. Das sorgte dafür, dass der Unterboden Anfang Juli bundesweit bis in
eine Tiefe von 1,8 Meter unter Dürre litt.
## Zu früh zu hohe Hitze
Zur ausgeprägten Dürre trugen die hohen Temperaturen bei: Um sich selbst
herrunter zu kühlen, verdunsten Pflanzen mehr Wasser. Eine Buche etwa kann
ihre Umgebung um bis zu fünf Grad herunterkühlen, wenn ausreichend Wasser
vorhanden ist. Die erste Hitzewelle kam in diesem Jahr ungewöhnlich früh
Ende Juni. Dabei wurde in der Brandenburger Lausitz mit 41,7 Grad ein neuer
Höchstwert in Deutschland gemessen.
Um die natürlichen Speicher wieder aufzufüllen, seien jetzt
„überdurchschnittlich lange und großflächige Niederschläge als sogenannter
Landregen erforderlich“, erklärt Enno Nilson von der Bundesanstalt für
Gewässerkunde (BfG). Allerdings ist nicht sicher, dass dieser auch komme:
„Der vorausgegangene Winter war in dieser Hinsicht unterdurchschnittlich,
was eine Vorbedingung für das Niedrigwasserjahr 2026 war“, so Nilson. Die
Projektionen zum Klimawandel würden zeigen, dass es in absehbarer Zukunft
aufs ganze Jahr gesehen [3][in Deutschland viel weniger Wasser] geben
werde.
1 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.sciencemediacenter.de/angebote/niedrigwasser--ein-extremes-jahr-von-der-quelle-bis-zur-muendung-26254
(DIR) [2] /Schwerpunkt-Klimawandel/!t5008262
(DIR) [3] /Folgen-der-Klimakrise/!6196185
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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