# taz.de -- Kritik von Grünen und Umweltschützern: Satte Zuschläge für LEAG und RWE
> Neue Gaskraftwerke sollen Strom liefern, wenn Wind und Sonne schwächeln.
> Bei einer ersten Ausschreibung jubilieren die alten Kohlekonzerne.
(IMG) Bild: Sprengung vom Kesselhaus B am ehemaligen Steinkohlekraftwerk Voerde im August: Hier will RWE jetzt ein Gaskraftwerk bauen
Hier soll der Strom in Zukunft herkommen, wenn Wind- und Solaranlagen
wetterbedingt wenig liefern können: In der ersten Ausschreibung von
Kraftwerkskapazitäten zur Sicherung der Stromversorgung hat die
Bundesnetzagentur am Dienstag elf Zuschläge erteilt – ausschließlich für
Gaskraftwerke. Anlagen zum Stromspeichern, die in Zeiten von viel Sonne und
Wind mit Ökostrom befüllt und bei Knappheit angezapft werden könnten, kamen
nicht zum Zuge.
Sechs Zuschläge erhielt [1][die LEAG in Brandenburg und Sachsen], drei
Zuschläge gingen nach Nordrhein-Westfalen an [2][RWE], jeweils einer nach
Bayern (Gaskraftwerk Leipheim) und Baden-Württemberg (Stadtwerke
Karlsruhe). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach
von einem „fossilen Subventionsprogramm für klimaschädliche Gaskraftwerke
großer Energiekonzerne“.
Die Bundesnetzagentur hatte im Rahmen des
Strom-Versorgungssicherheits-und-Kapazitätengesetzes 4.500 Megawatt an
gesicherter Kraftwerksleistung ausgeschrieben und 41 Gebote erhalten.
Bezuschlagt wurden nun sogar 5.160 Megawatt an sogenannten
Langzeitkapazitäten. Die Kraftwerke müssen von November 2031 bis Oktober
2046 zuverlässig auf Abruf Strom liefern können. Dafür erhalten die
Betreiber dann Geld, [3][zahlen müssen die Stromkunden].
„Über 12 Milliarden Euro werden so über 15 Jahre verteilt und aus einer
Umlage auf den Strompreis finanziert“, beschwert sich der BUND. Besonders
absurd sei, dass mehrere Zuschläge an alte Braunkohlekraftwerke gingen, die
zu Gaskraftwerken umgerüstet werden sollen. „Diese alten Kraftwerke sind
weniger flexibel und ineffizienter als neue Gaskraftwerke und damit noch
klimaschädlicher“, monieren die Umweltschützer.
## Hohe Hürden für Stromspeicher
An der Auktion konnten Anlagen teilnehmen, die technisch in der Lage sind,
ohne Unterbrechung für zehn aufeinanderfolgende Stunden mindestens 80
Prozent der installierten Leistung bereitzustellen. Spätestens nach drei
Stunden müssen sie dann erneut dazu in der Lage sein, was eine hohe Hürde
für Speicher ist. Entsprechend kamen in dieser Runde ausschließlich
Gaskraftwerke zum Zuge. Laut Netzagenturchef Klaus Müller hatten sich aber
auch Stromspeicher beteiligt.
Während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Ausschreibung als
einen „großen Erfolg“ bezeichnete, kritisierte die grüne
Bundestagsabgeordnete Katrin Uhlig die fehlende Akteursvielfalt: „Wir
machen uns bei der Versorgungssicherheit wieder abhängig von einzelnen
Unternehmen.“ Diese Struktur habe die Energiewende „eigentlich
aufgebrochen“ gehabt.
Hintergrund der Ausschreibung gesicherter Kraftwerksleistung ist der massiv
steigende Strombedarf in den Sektoren Industrie, Wärme und Mobilität bei
gleichzeitigem Kohleausstieg. Die Deutsche Energieagentur (dena) hatte
wiederholt darauf hingewiesen, dass ein „Ausbau von wasserstofffähigen
Gaskraftwerken zur Deckung der Spitzenlast“ nötig sei. Auch das
Beratungsunternehmen Enervis betont, „zeitnahe Investitionen“ in zumindest
wasserstofffähige Gaskraftwerke seien „ein zentraler Baustein, um eine
vollständige Dekarbonisierung des Strom- und Fernwärmesystems“ zu
ermöglichen. Mindestens vorerst setzt die Energiewirtschaft mangels
Wasserstoffs aber auf klimaschädliches Erdgas.
Dass die klimapolitisch gewollte Elektrifizierung der Wirtschaft ohne
zusätzliche planbare Stromerzeugung kaum gelingen kann, spüren zunehmend
auch regionale Netzbetreiber. Der Netzbetreiber Hamburger Energienetze zum
Beispiel hatte erst am Montag mitgeteilt, dass in der Hansestadt aufgrund
der schon heute „sprunghaft gestiegenen Anschlussanfragen“ derzeit keine
Neuanschlüsse mit mehr als 1,5 Megawatt mehr möglich seien.
Selbst kleinere Städte sind mitunter am Limit. Jüngst schlug das
Elektrizitätswerk Mittelbaden Alarm: Große Unternehmen könnten derzeit
keine neuen Netzanschlüsse mehr bekommen. Auch einem Betreiber, der einen
Megawatt-Ladepark für Lkw bauen wollte, musste das Unternehmen bereits
absagen, weil durch Engpässe im vorgelagerten Hochspannungsnetz nicht genug
Strom verlässlich in der Region ankommt. Daher hatte sich auch das E-Werk
Mittelbaden mit einem geplanten Gaskraftwerk an der Ausschreibung
beteiligt, ging aber in der ersten Ausschreibungsrunde leer aus. Der
nächste Gebotstermin ist für den 29. Dezember vorgesehen.
3 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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