# taz.de -- Digitalgipfel der Bundesregierung: Wo Deutschland mit KI punkten kann
> Mit ihrem KI-Gipfel will die Bundesregierung für Schwung in der Branche
> sorgen. Expert:innen raten Deutschland allerdings von einem Wettrennen
> ab.
(IMG) Bild: Wenn Männer mit KI-Robotern auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung spielen
Auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung haben Digitalminister Karsten
Wildberger und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) mehr Tempo in
Sachen [1][künstliche Intelligenz] gefordert. „Wir müssen in Deutschland
und Europa viel schneller darin werden, digitale Technologien zu entwickeln
und zu nutzen“, sagte Merz am Montag vor nationalem und internationalem
Branchenpublikum. „Kühne Entscheidungen für Energieinfrastruktur und
Investitionen“ seien nötig, sagte Wildberger. Und: weniger Regulierung. Es
brauche „weniger Verpflichtungen und mehr Platz, um Ideen zu testen und
auszubauen“.
Einen bedeutenden Deal hatte die Bundesregierung bereits zwei Wochen zuvor
bei ihrem Investorengipfel verkündet: Das Wirtschafts- und das
Forschungsministerium haben eine Absichtserklärung mit Nvidia
unterzeichnet. Nvidia ist der global wichtigste Hersteller von
KI-Hochleistungschips und einer der am höchsten bewerteten börsennotierten
Konzerne.
Der Bundesregierung zufolge soll die Kooperation vor allem dazu dienen,
KI-Modelle für die industrielle Nutzung zu entwickeln. Einbezogen werden
sollen dafür nicht nur große Konzerne, sondern auch kleine und mittlere
Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen. Die Kooperation solle die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und die technologische Souveränität
sichern. Merz erklärte nun auf dem Digitalgipfel, man wolle auch
europäische Frontier-Modelle entwickeln. Frontier-Modelle sind die
leistungsfähigsten KI-Modelle, die derzeit von Unternehmen wie Anthropic
und OpenAI kommen.
## USA und China vorn
Doch was diese großen, besonders leistungsfähigen Sprachmodelle angeht,
dürfte ein Wettlauf für Deutschland und Europa schwierig werden. Momentan
sind in dem Bereich die USA führend, dicht gefolgt von den chinesischen
Anbietern. Zwar ist über das Projekt SOOFI ein europäisches
Open-Source-KI-Modell in Planung. Doch um den Leistungsvorsprung etwa der
USA einzuholen, fehlen Europa nicht nur die immensen Summen an
Risikokapital, sondern auch die [2][großen Datenmengen], über die die
US-Unternehmen verfügen und die sie – [3][teils legal, teils mindestens im
Graubereich] – für das Training ihrer KI-Modelle nutzen.
Expert:innen sehen daher das deutsche und europäische Potenzial nicht
darin, in einen Wettlauf mit den USA und China einzusteigen. „Souveränität
entsteht nicht, indem wir den größten Sprachmodellen hinterherlaufen und
sie mit eigenen Daten nachtrainieren“, sagt Björn Ommer, Leiter der
Computer Vision & Learning Group der Ludwig-Maximilians-Universität München
laut Science Media Center. Eine vielversprechendere Strategie sei es, „in
strategisch wichtigen, bislang unterrepräsentierten Feldern wie der
physischen und industriellen KI die Infrastruktur und das Betriebssystem
für die Wertschöpfung von morgen zu schaffen, die in der realen Welt einen
Unterschied machen“.
Auch aus ökologischer Sicht könnte das von Vorteil sein: „Die Entwicklung
eigener Frontier-Sprachmodelle ist ungleich ressourcenintensiver als die
Entwicklung von Modellen für andere Modalitäten“, erklärt Ommer. Die
Frontier-Modelle sind die leistungsfähigsten KI-Modelle von Unternehmen wie
Anthropic und OpenAI. Der Ressourcenunterschied zeige sich nicht nur beim
Training, sondern auch bei der Nutzung.
## Die Ressourcenfrage
Der Ressourcenverbrauch, gerade in Bezug auf Wasser und Strom, sowie die
Emissionen sind Punkte, die für immer größere Kritik an der Technologie
sorgen: „Die Chipproduktion verbraucht Unmengen Strom und Wasser,
produziert Millionen Tonnen CO₂ – und dazu kommt erst noch der
Ressourcenverbrauch der Rechenzentren“, kritisierte Benjamin Stephan von
der Umweltorganisation Greenpeace nach dem Nvidia-Deal.
In Deutschland wird der KI-Boom jedenfalls voraussichtlich zu niedrigeren
Standards für Rechenzentren führen. So sieht die Rechenzentrumsstrategie
der Bundesregierung einen deutlichen Ausbau der IT-Infrastruktur vor. Die
Kapazitäten alleine für KI sollen sich bis 2030 vervierfachen. Gleichzeitig
wird der Bundestag voraussichtlich in den kommenden Wochen [4][das neue
Energieeffizienzgesetz] beschließen. Es enthält eine deutliche Abschwächung
der Vorgaben für Betreiber von Rechenzentren, etwa was die Energieeffizienz
angeht.
## Investitionen in offene Modelle
Stefan Heumann, Geschäftsführer des Thinktanks Agora Digitale
Transformation, hält es für sinnvoll, wenn sich die Bundesregierung bei
ihren Ausgaben für KI auf Felder konzentriert, die im öffentlichen
Interesse sind – und die von den Big-Tech-Konzernen vernachlässigt werden.
„Zum Beispiel offene KI-Modelle, aber auch solche für die Verwaltung oder
den Gesundheitssektor.“ Also Bereiche, wo zum Beispiel sensible Daten
verarbeitet werden. Für solche Investitionen seien aber auf mittel- bis
langfristige Sicht Umschichtungen im Haushalt nötig.
Denn einer aktuellen Analyse des Thinktanks zufolge speist sich weiterhin
der größte Teil des Haushalts für das Digitalministerium aus dem
Sondervermögen – laufe das aus, stünden das Ministerium und die Projekte an
einer Klippe, so Heumann. Der Experte kritisiert die Bundesregierung:
„Momentan ist viel KI im Schaufenster und wenig im Maschinenraum.“ So hat
Agora die Posten im Bundeshaushalt nach Titeln analysiert: Demzufolge sind
nur 0,15 Prozent des Kernhaushalts Ausgaben mit KI-Bezug.
2 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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