# taz.de -- Beschwerde von Datenschutz-NGOs: Überwacht fürs KI-Training
> Wenn KI lernen soll, sind zahlreiche Arbeitende beteiligt – unter
> umstrittenen Bedingungen. NGOs reichen nun Beschwerde gegen eine
> Plattform ein.
(IMG) Bild: Mit jedem Klick entstehen Datenspuren
Datenschutzverbände aus mehreren europäischen Ländern haben Beschwerde
gegen den Betreiber einer großen Plattform eingelegt, die menschliche
Arbeitskräfte für das Training von [1][KI] anheuert. Das Unternehmen
beschäftige Arbeitende auf selbstständiger Basis und setze sie einer
invasiven Überwachung aus, kritisiert die österreichische NGO Noyb, die an
der Beschwerde beteiligt ist.
Beim Training von künstlicher Intelligenz sind die Hersteller gängiger
KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude oder Gemini auch auf menschliche
Arbeitskräfte angewiesen. Die haben unter anderem die Aufgabe, zu
überprüfen, was die KI auswirft – und das entsprechend mit Feedback zu
versehen. So sollen sie etwa bewerten, ob eine Antwort des Bots passend war
zum Prompt. Nicht nur unpassende Antworten, auch Inhalte, die dem Regelwerk
des jeweiligen Anbieters widersprechen, sollen so möglichst aus dem System
entfernt werden.
Diese Arbeit wird häufig von Arbeitenden übernommen, die die Aufträge
formal auf freiberuflicher Basis über eine Plattform angeboten bekommen. Im
konkreten Fall richten sich die Beschwerden gegen die [2][Branchengröße
Outlier, die zum US-Konzern Scale AI gehört]. Laut Noyb beschäftigt die
Plattform rund 900.000 Freiberufler:innen. Noyb kritisiert dabei nicht nur
das grundsätzliche und in der Plattformökonomie verbreitete Geschäftsmodell
der formal selbstständigen Beschäftigung, das die Arbeitenden schnell
austauschbar macht. Sie moniert in diesem Fall auch die konkreten
Bedingungen.
## Ausweisdaten und Tracking
So setze Outlier seine Mitarbeiter:innen „invasivem Tracking“ aus. Die
Plattform platziere Tracker auf den Geräten der Betroffenen, die alle paar
Sekunden persönliche Daten der Arbeitenden an Dritte senden würden, etwa
Kontaktdaten und IP-Adressen. Darüber hinaus verpflichte die Plattform die
Arbeitenden zu einer biometrischen Identifizierung mit Videoaufnahmen des
Gesichts und einem Hochladen des eigenen Ausweises. Für den Einsatz der
Tracker gebe es keine Rechtsgrundlage. Sowohl die Tracker als auch die
biometrische Identifizierung verstießen gegen den in der
Datenschutz-Grundverordnung festgelegten Grundsatz der Datenminimierung.
„Ein derart umfassendes Tracking während der Arbeit widerspricht wirklich
allen vernünftigen Erwartungen“, kritisiert Lisa Steinfeld Leiser,
Datenschutzjuristin bei Noyb. Baptiste Delmas von der [3][französischen
Organisation Intérêt à Agir] sagt: „Die aufgezeigten Verstöße machen
deutlich: Der KI-Boom ist auf eine riesige Anzahl von Arbeitskräften
angewiesen, deren Privatsphäre auf dem Spiel steht.“ Nun sei es an den
Datenschutzbehörden, dagegen vorzugehen.
## Behörden müssen Beschwerden prüfen
Scale AI betont in einem grundsätzlichen Statement auf seiner Webseite, das
auf Ende vergangenen Jahres datiert ist, man unternehme Anstrengungen gegen
„moderne Sklaverei“ und menschliche Ausbeutung. Darin heißt es auch: Das
Unternehmen lege großen Wert darauf, sich „an die höchsten Standards
ethischen Geschäftsverhaltens zu halten, weil wir unglaublich hohe
Ansprüche an uns selbst stellen“. Eine Anfrage der taz zu den Beschwerden
der Datenschutzverbände beantwortete Scale AI nicht.
Im nächsten Schritt sind nun die Aufsichtsbehörden am Zug, bei denen die
NGOs die Beschwerden eingereicht haben. Diese leiten Verfahren ein und
prüfen die Vorwürfe. Bis es also ein Ergebnis gibt, werden voraussichtlich
mindestens mehrere Monate vergehen.
29 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Kuenstliche-Intelligenz/!t5924174
(DIR) [2] /Ausbeutung-im-Tech-Sektor/!6102646
(DIR) [3] https://www.interetaagir.org/en/driving-change-through-legal-action/
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Plattformökonomie
(DIR) Datenschutz
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