# taz.de -- Sozialpolitik in Hamburg: Träger droht das Aus
> Nachdem der Senat Geld für Integrationszentren entzog, gerät ein
> Beratungsträger ins Insolvenzverfahren. Wichtige Gewaltschutzprojekte in
> Gefahr.
(IMG) Bild: Der Bedarf ist groß: Beratungsgespräch
Der Bildungs- und Sozial-Träger Verikom ist nach [1][Entzug zweier
Beratungszentren] in arge Bedrängnis gekommen. So hat das Amtsgericht
Hamburg die Eröffnung eines Insolvenzantragsverfahrens angeordnet, das
berichtet das [2][Hamburger Abendblatt]. Betroffen sind 56 Beschäftigte,
aber auch viele Honorarkräfte, deren Bezahlung nun unsicher ist.
Der gemeinnützige Träger betreibt bislang zwei der zwölf Hamburger
Integrationszentren, denen die Sozialbehörde Anfang Oktober überraschend
die Finanzierung entzogen hat. Ab dem 1. Januar erhalten [3][die sechs
betroffenen Träger kein Geld mehr]. Denn der Auftrag geht an eine
Tochterfirma der senatsnahen Stiftung für Berufliche Bildung (SBB).
„Wir sind durch die Entscheidung der Sozialbehörde gezwungen, Insolvenz zu
beantragen, weil uns in 2027 ein sechsstelliger Betrag für Gehälter und
Raummieten fehlt, die wir aufgrund der Kündigungsfristen weiter bezahlen
müssten“, berichtet Verikom-Mitarbeiterin Christiane Tursi.
Die Integrationszentren sind nur eines von [4][mehreren Projekten des
Trägers]. So hat Verikom mit I.bera, Intervento und Savîa drei wichtige
Gewaltschutzprojekte, die nun ebenfalls in Gefahr sind. Die Beratungstelle
I.bera hilft Betroffenen von häuslicher Gewalt und Zwangsverheritaung.
Intervento ist eine „proaktive Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt
und Stalking“, wie es auf der Homepage heißt.
## Sanierung als Ziel
Und Savîa bietet aufsuchende Beratung für geflüchtete Menschen in
Erstaufnahmeeinrichtungen und Folgeunterkünften, die sexuelle Gewalt oder
Beziehungsgewalt erleben. Außerdem bietet der Träger vom Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge geförderte Integrationskurse und und von der
Europäischen Union geförderte Projekte an.
„Das Insolvenzverfahren ist auf Sanierung ausgerichtet“, sagt Tursi.
Gemeinsam mit den Geldgebern müsste man schauen, wie es weitergehen kann.
Denn die übrigen Projekte stünden eigentlich nicht zur Disposition.
Wie berichtet, erntet Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD)
für die [5][Neuausschreibung] harsche Kritik. Sogar [6][Hamburgs CDU]
erklärte, Schlotzhauer gehe „mit der Axt durch die Trägerlandschaft“. Und
das ehrenamtlich arbeitende [7][Hamburger Spendenparlament], dass sich
sonst keine große Bühne sucht, schrieb einen Offenen Brief an sie.
Das Parlament unterstütze seit Jahren Menschen, die von Armut,
Obdachlosigkeit und sozialer Isolation betroffen sind und wisse, wie
entscheidend verlässliche Anlaufstellen sind. Sie seien daher befremdet,
dass nun „erfahrene Träger in existentielle Schwierigkeiten geraten“,
schreiben die drei Vorständler Andreas Sonntag, Gisela Seiler und Brigitte
Hullmann und bitten die Senatorin, die Entscheidung zu überdenken und mit
den Trägern Lösungen zu finden.
Die [8][Sozialsenatorin] verteidigt ihr Vorgehen mit dem Argument, dass es
neue Bedingungen gebe. Denn zurzeit lebten rund 38.000 Menschen teils schon
länger als drei Jahre in der öffentlich-rechtlichen Unterbringung, die zur
Zielgruppe jener Integrationszentren gehören. Diese Menschen wolle sie mit
der Neuausrichtung „besser erreichen und aktivieren“, sagt
[9][Schlotzhauer]. Zum Beispiel solle es mehr [10][aufsuchende Beratung]
geben mit dem Ziel, den Menschen Chancen auf Bildung, Arbeit und Wohnraum
zu eröffnen.
Zum Insolvenzantrag befragt, antwortet Schlotzhauers Sprecherin Stefanie
Lambernd, die Behörde habe die Träger aufgefordert, sich bei
Finanzierungsfragen individuell an sie zu wenden. „Davon haben die Träger
bislang keinen Gebrauch gemacht.“
Gefragt nach jenen Gewaltschutzprojekten I.bera, Intervento und Savîa
erklärt sie, diese leisteten einen wichtigen Beitrag im Hamburger
Gewaltschutz und zur Umsetzung der Instanbulkonvention. Es bestehe deshalb
ein „erhebliches Interesse, die Angebote aufrechtzuerhalten“, versichert
die Sprecherin. Dazu würden in dieser Woche Gespräche geführt.
1 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Integration-in-Hamburg/!6223721
(DIR) [2] https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article413516813/sozialbehoerde-treibt-traeger-von-hamburger-integrationszentren-in-die-insolvenz.html
(DIR) [3] https://www.diakonie-hamburg.de/de/presse/pressemitteilungen/Aus-fuer-zwoelf-Integrationszentren-Sechs-erfahrene-freie-Traeger-verlieren-zum-Jahresende-Foerderung-der-Sozialbehoerde/
(DIR) [4] https://www.verikom.de/
(DIR) [5] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/lib/pdfjs/web/viewer.html?locale=de-DE&file=https%3A%2F%2Fwww.buergerschaft-hh.de%2Fparldok%2Fdokument%2F104444%2F23_04611_integrationszentren_nachhaltig_und_zukunftsorientiert_aufstellen#pagemode=none
(DIR) [6] https://cduhamburg.de/sozialsenatorin-melanie-schlotzhauer-geht-aktuell-offenbar-mit-der-axt-durch-die-traegerlandschaft/
(DIR) [7] https://www.spendenparlament.de/offener-brief-an-hamburgs-sozialsenatorin/
(DIR) [8] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/senat/der-hamburger-senat/lebenslauf-melanie-schlotzhauer-30602
(DIR) [9] /Krankenhaus-Fusion-in-Hamburg/!6186174
(DIR) [10] /Neue-Wege-bei-psychiatrischer-Versorgung/!6064169
## AUTOREN
(DIR) Kaija Kutter
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