# taz.de -- Hamburger Jugendverband VKJH in Not: Geldmangel und Gegenwind
       
       > Dem Verband für Kinder- und Jugendarbeit droht das Aus. Er betreibt eine
       > erfolgreiche Beschwerdestelle. Die möchte die Stadt neu ausschreiben.
       
 (IMG) Bild: Wie lange reicht die Luft noch? Werbeträger der Ombudsstelle OHA!
       
       Der Verband für Kinder und Jugendarbeit (VKJH) ist in Hamburgs Jugendhilfe
       seit Jahrzehnten [1][eine feste Größe]. Nun steht der Verein, der seine
       Wurzeln in der Bauspielplatz-Bewegung hat, vor dem Aus. „Ohne
       Finanzierungszusage drohen Aufgabe von Trägerschaften und wichtiger
       Strukturen der Jugendhilfe“, heißt es in einer Pressemitteilung des
       Vorstands von diesem Freitag. Finde sich bis Ende Juni keine Lösung, werde
       er mit den Bezirken über eine „Abgabe“ seiner 17 Einrichtungen und 27
       Projekte sprechen. Und die „befürchten, keine anderen Träger zu finden“.
       
       Offene Angebote für Kinder und Jugendliche sind seit Jahren sehr schlecht
       finanziert. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der [2][Timo-Jugendclub in
       Horn] schließt, weil auch die Kirche vor Ort solche Aufgaben nicht mehr
       tragen kann.
       
       Auch [3][der VKJH] sagt, ihm fehle schlicht das Geld für die Verwaltung.
       Obendrein droht die Stadt dem stets innovativen, aber auch als politisch
       unbequem bekannten Träger, ihm die erst vor fünf Jahren eingeführte
       Ombudsstelle [4][„OHA! Verstärker für Kinder- und Jugendrechte]“
       wegzunehmen. Dies wäre [5][fachpolitisch ein Skandal]. Denn solche
       Beschwerdestellen für Kinder, Jugendliche und Eltern, die im Clinch mit dem
       Jugendamt oder Wohngruppen liegen, sind vom Gesetz her bewusst als
       unabhängig konzipiert.
       
       Der „Verband“, wie er oft schlicht genannt wird, ist in Hamburg der einzige
       Fachverband für das Feld der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Zu ihm
       gehören zum Beispiel [6][Bauspielplätze], Jugendclubs und die Kinder- und
       Familienzentren (KiFaz) in [7][Schnelsen-Süd] und Barmbek, die Familien
       niedrigschwellig zur Seite stehen. Außerdem betreibt er das
       Gesundheitsprojekt für Migranten „Mimi“ und ist Dachverband für 23
       Mitgliedsorganisationen. Und er gibt die Zeitschrift Forum heraus, in der
       auch regelmäßig Behördenvertreter zur Feder greifen.
       
       Die 2021 eröffnete [8][OHA-Ombudsstelle] mit 3 Sozialpädagogen und 25
       Ehrenamtlichen wurde nicht nur mit rund 300 Beratungen im Jahr gut
       angenommen, sie hat sich auch öffentlich zu Fachthemen positioniert, etwa
       zur Unterbringungslage von jungen Geflüchteten oder zum geplanten,
       [9][teilweise geschlossenen Kinderheim „Casa Luna“]. Sollten dort, wenn das
       Heim 2027 öffnet, Kinder sich beschweren wollen, wäre auch die kritische
       OHA ihre Adresse.
       
       Nach nun fünf Jahren will die Bildungsbehörde die Trägerschaft der
       Beschwerdestelle neu vergeben. Als Grund nennt sie gegenüber der taz
       „zuwendungsrechtliche Gründe“. So sei geplant, auch eine Ombudsstelle für
       Kitas einzurichten und der „Synergieeffekte“ wegen beides zusammen zu
       führen. Da sich damit der Umfang erheblich erweitere, müsse man neu
       ausschreiben, der „Gleichbehandlung“ aller Träger wegen.
       
       Die taz fragte die Behörde, ob es dort fachliche oder politische Kritik an
       der Arbeit der OHA gebe. Beides wurde verneint. „Träger der Jugendhilfe
       können sich öffentlich äußern“, schreibt Sprecherin Claudia Pittelkow. Auch
       sei die Behörde stets im engen fachlichen Austausch mit dem Verband, sodass
       „mögliche Anpassungen gemeinsam erarbeitet wurden“.
       
       Also alles gut? Das [10][Bundesnetzwerk Ombudschaft in der Jugendhilfe]
       (BNO) hat sich Ende Mai mit einem Brief an Bildungssenatorin Ksenija
       Bekeris eingeschaltet und zeigt sich über den Vorgang sehr irritiert. Denn
       eine Neuausschreibung der Ombudsstelle stelle die in Hamburg fachlich
       etablierte fünfjährige Arbeit und den vorangegangenen zehnjährigen Prozess
       infrage – war es doch Erkenntnis der Enquetekommission zum Kinderschutz von
       2017, dass Hamburg so eine Stelle braucht. Es sei gut, den Bereich Kita
       hinzuzunehmen, schreibt der BNO-Vorstand. Aber rechtlich nötig sei eine
       neue Ausschreibung deshalb nicht.
       
       Dem Schreiben lag die juristische Einschätzung des
       Jugendhilferechts-Experten Peter Schruth bei. Der schreibt, wichtig sei,
       dass die Ombudsstelle eine dauerhafte Strukturaufgabe der Jugendhilfe sei,
       „und zwar unabhängig“. Deshalb wäre es rechtlich vertretbar, die bisherige
       Ombudsstelle einfach um den Kita-Bereich zu erweitern – ohne neue
       Ausschreibung. Denn es überwögen hier die sachlichen Gründe für den Erhalt
       einer geschaffenen Vertrauensstruktur und Spezialisierung. Und schließlich
       verlange es das Jugendhilfegesetz, dass hier Strukturen gesichert werden,
       damit über Jahre aufgebautes Erfahrungswissen nicht verloren gehe.
       
       Anja Post-Martens, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Verbands,
       verweist zudem darauf, dass die Ausschreibung für die OHA seinerzeit den
       Bereich Kita mit enthielt und eine spätere Ausweitung darauf von Anfang an
       mitgedacht worden sei. Die Bildungsbehörde schreibt, der VKJH könne sich ja
       wieder für die Ombudsstelle bewerben. Doch das würde – neben der
       Unsicherheit, ob er den Zuschlag bekommt – auch Kräfte binden.
       
       Und dabei fehlt dem kleinen Fachverband obendrein das Personal für das
       Alltagsgeschäft. Immerhin beschäftigt er 90 Mitarbeitende und arbeitet mit
       150 Honorarkräften. Trotz wachsender Aufgaben seien die Strukturen der
       Zentrale nie ausreichend finanziert gewesen, kritisiert der VKJH-Vorstand.
       
       Aktuell habe der Fachverband 2,5 Stellen für Fachreferentinnen und
       Projektleitung, um das ganze Arbeitsfeld der offenen Arbeit zu
       „qualifizieren, beraten und fortzubilden“ und dessen Interessen zu
       vertreten, sagt Co-Geschäftsführerin Vera Koritensky. „Die Geschäftsführung
       machen wir bisher ehrenamtlich.“ Um den VKJH mit seinen Einrichtungen
       halten zu können, brauche man mindestens 120.000 Euro im Jahr zusätzlich,
       für eine Geschäftsführung und eine Verwaltungsstelle.
       
       Die Bildungsbehörde räumt ein, ihr sei die Lage bekannt, reagiert aber
       relativ ungerührt. Mit dem Verband gebe es regelmäßig Gespräche. Würden
       diese Einrichtungen an die Bezirke zurückgegeben, „werden dafür neue Träger
       gesucht“. Dafür liege die Verantwortung in den Bezirken. Und dass die
       Ombudsstelle neu ausgeschrieben wird, wäre inzwischen entschieden.
       
       19 Jun 2026
       
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