# taz.de -- „Wetten, dass..?“ im Berliner DT: Man möchte Teil sein
       
       > Lineares Fernsehen und der Wunsch nach Gemeinschaft: In Berlin erkundet
       > das DT jung* das Gefühl, für das die Samstagabendshow „Wetten, dass..?“
       > stand.
       
 (IMG) Bild: Spurensuche zwischen Nostalgie und Augenzwinkern: Was blieb vom kollektiven TV-Gefühl vergangener Tage?
       
       Etwas, das Generationen vereint, das Alt und Jung einander näherbringt; das
       Provinz mit der Welt verbindet. Ein Ereignis, das ein Wir-Gefühl erzeugt.
       All das soll einmal existiert haben, soll Abende gefüllt und Menschen auch
       im Nachhinein miteinander verbunden haben. All das soll die
       Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ gewesen sein.
       
       So jedenfalls ist es überliefert, so hat es die Gen Z immer wieder erzählt
       bekommen. Ihr Problem? Sie haben es nicht mehr selbst erlebt, kennen nur
       die fast schon historische Überlieferung dieser Glanzzeit. Kein Wunder,
       dass sie sich außen vor fühlen, dass sie einem Gefühl hinterhertrauern,
       dessen Ursprung sie gar nicht mehr nachvollziehen können.
       
       Mit dem Bedeutungsverlust des linearen Fernsehens hat auch die Show, die
       einst ein Millionenpublikum anzog, an Einfluss verloren und wurde letztlich
       mit dem 25. November 2023 eingestellt. Eben dort setzen das
       Theaterkollektiv Boys* In Sync an und inszeniert zusammen mit dem DT jung*
       (bestehend aus Constantin Bähnk, Clara Bauer, Henriette Kratochwil, Karim
       Oukail, Lydi Sell, Rosa Steffes-Holländer und Salma Malak Touba) eine Show,
       die den Ursprüngen von [1][„Wetten, dass..?“] und dem kollektiven
       Wir-Gefühl dahinter nachgeht.
       
       Zu Beginn wird das Publikum nicht einfach in den Saal gelassen; es muss
       sich im Spiegelsaal des Deutschen Theaters gedulden, bis es abgeholt wird,
       um ins Venue zu gelangen. Über den Hof hinterm Haus geht es dann in die
       „Neue Box“, Teil der Probebühne des Hauses. Auch wenn nicht extra
       intendiert, dem Gefühl in eine große Mehrzweckhalle geführt zu werden,
       kommt es nahe. Denn in so einer – der Baden-Arena Offenburg – fand damals
       die letzte Aufzeichnung der Fernsehshow statt.
       
       Um also dieses Gefühl der großen Bühne herzustellen, wird dem Publikum
       anfangs gleich die Aufgabe zuteil, seine Vorstellungskraft zu bemühen. Eine
       Gruppe junger Menschen in knalliger Kleidung (Kostüm: Anna Weidemann) mimt
       den großen Auftritt, mit dem die Show eröffnete: Nebel,
       Background-TänzerInnen sowie Helene Fischer und [2][Shirin David], wie sie
       gemeinsam „Atemlos“ performen.
       
       ## Eine Art Wiedergutmachung
       
       Weiter geht es dann mit einer Einordnung des Abends. Das junge Ensemble
       verweist dabei auf den Vorwurf, seine Generation habe die Show kaputt
       gemacht, mit seiner Übersensibilität, und Deutschland gleich mit. So oder
       so ähnlich hatte ein beleidigter [3][Showmaster Thomas Gottschalk] damals
       in seiner Abschiedsrede lamentiert.
       
       Um eine Art Wiedergutmachung geht es also an diesem Abend im DT. Hierfür
       haben sich die Darstellenden in Vorbereitung auf die Show sämtliches
       verfügbares Videomaterial zur Geschichte von „Wetten, dass..??“ angesehen:
       Angefangen bei den Frank-Elstner-Jahren, als die Show noch das einzige
       Samstagabendhighlight im Fernsehen war (Privatfernsehen hat sich erst nach
       dem Beginn der Show entwickelt), über die Thomas-Gottschalk-Ära bis hin zum
       Markus-Lanz-Intermezzo.
       
       Ähnlich wie im Original wird auch an diesem Abend das Publikum
       miteinbezogen, etwa für eine Saalwette, bei der erraten wird, welche
       Kleidungsstücke vorher abgelegt oder angezogen wurden. Die Miteinbezogenen
       sind begeistert, der Rest fast etwas enttäuscht, nicht ausgewählt worden zu
       sein. Überhaupt sorgen die Nachstellungen einzelner Wetten für viel Anklang
       beim Publikum, wie die, bei der Hund Lucky eine Wasserschüssel schneller
       leert als sein Besitzer, oder eine, bei der eine Telefonzelle auf vier
       Makkaroni platziert wird – all das nur mimisch interpretiert.
       
       Besonders frenetisch (mit-)geklatscht wird beim Auftritt von Cher, auch sie
       war mit einem Weihnachtssong Teil der letzten Show. Karim Oukail lipsynct
       die Diva mit solcher Inbrust, dass man sich kurz tatsächlich bei einer
       Megashow wähnt.
       
       Man möchte Teil sein an diesem Abend, so das Grundgefühl. Teil von etwas
       Größerem, das die Schauspielenden dort auf der Bühne auch anhand
       persönlicher Anekdoten, die miteinfließen, kreieren. Rührung und Nostalgie
       schweben durch den Raum. Und auch wenn das ein oder andere Wort verschluckt
       oder zu hastig gesprochen wird, tut das dem Ganzen keinen Abbruch. Davon
       zeugen auch die Standing Ovations am Showende.
       
       2 Nov 2026
       
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