# taz.de -- Lebenshaltungskosten im US-Wahlkampf: Nur die Eier sind günstig
       
       > Ob in New York oder im ländlichen Iowa, überall in den USA leiden die
       > Menschen an massiver Teuerung. Doch nicht alle machen US-Präsident Trump
       > verantwortlich.
       
 (IMG) Bild: Irgendwo in Iowa: Dass die Preisexplosion mit Trumps Zoll- und Außenpolitik zusammenhängen könnte, ist auch hier bekannt
       
       Wiesen und Felder, so weit das Auge reicht. Eine Fahrt durch das ländlich
       geprägte Iowa ist vielleicht landschaftlich nicht beeindruckend, doch dafür
       sind die Menschen, die dort leben, es umso mehr. Sie sind freundlich, offen
       – midwest nice eben – und auch meinungsstark. Und eine Meinung, die aktuell
       immer wieder zu hören ist: Das Leben ist zu teuer. Egal ob Spritpreise,
       Lebensmittel, Miete oder Gesundheitsvorsorge, die Preise kennen in den USA
       aktuell scheinbar nur eine Richtung, nach oben.
       
       Für die bevorstehenden Kongresswahlen bedeutet dies, dass der Bundesstaat
       im Mittleren Westen der USA zum ersten Mal seit Jahren wieder hart umkämpft
       ist. Demokraten machen sich berechtigte Hoffnung, die republikanische
       Vormachtstellung in Iowa zu durchbrechen. Damit ihnen dies gelingt, müssen
       sie nicht nur ihre eigenen Wähler ansprechen, sondern auch die
       traditionelle republikanische Klientel.
       
       Ryan McCauley ist eigentlich genauso jemand. Er ist Unternehmer mit junger
       Familie und außerdem weiß. Dennoch ist der 38-Jährige, der zusammen mit
       seiner Frau Brooke in einem Vorort von Des Moines ein Restaurant betreibt,
       noch immer unentschlossen, für wen er in diesem Jahr stimmen soll. „Ich
       würde sagen, dass ich – was meine Ansichten angeht – ziemlich in der Mitte
       liege. Vielleicht neige ich ein wenig eher zum konservativen Spektrum. Aber
       ich tue mich schwer zu sagen, für wen ich stimmen werde“, sagte McCauley.
       
       Das Restaurant Main Street Café & Bakery, das von seinen Schwiegereltern
       2014 gegründet wurde, liegt in Ankeny, einem der schnellsten wachsenden
       Städte im gesamten Land. Und obwohl das Restaurantgewerbe immer mit Höhen
       und Tiefen zu kämpfen hat, waren die vergangenen sechs Monate besonders
       herausfordernd, meint McCauley.
       
       ## Schmerzen an der Supermarktkasse
       
       „Die Lebensmittelkosten steigen. Auch die Beschaffungskosten nehmen zu.
       Unsere Lieferanten haben uns bestätigt, dass die aktuellen weltweiten
       Entwicklungen, vor allem der Krieg mit dem Iran, direkte Auswirkungen auf
       unsere Kosten hat. Wir sehen inzwischen bei vielen unserer Lieferanten und
       Partner neue Zuschläge. Sie berechnen beispielsweise eine Liefergebühr von
       50 Dollar oder weisen auf manchen Rechnungen einen temporären
       Treibstoffzuschlag aus“, sagt er.
       
       Als Reaktion auf die gestiegenen Kosten denkt er aktuell darüber nach, die
       Preise im Lokal um bis zu vier Prozent anzuheben. Doch das birgt auch
       Gefahren, denn er weiß, schon jetzt sind manchen Kunden am Limit. Ein
       Cheeseburger mit Pommes oder Salat kostet aktuell knapp 15 Dollar.
       
       Doch das Geschäft ist nur ein Bereich, in dem sich die gestiegenen Kosten
       niederschlagen. Auch privat hinterlässt es Spuren. „Wenn wir im Supermarkt
       einkaufen gehen, dann kostet ein voller Einkaufswagen plötzlich 300 bis 400
       Dollar. Da denkt man nur: ‚Wahnsinn!‘ – früher hat man dafür vielleicht 100
       bis 150 Dollar bezahlt. Jeder Einkauf tut weh“, erklärt McCauley. Auch das
       Budget für Freizeit und Hobbys bei seinen Kindern ist schmaler geworden.
       
       Die Inflation liegt mit 3,6 Prozent weiter über der von der US-Zentralbank
       angesteuerten 2-Prozent-Marke. Hackfleisch ist um 17 Prozent teurer als
       noch vor Präsident Trumps zweitem Amtsantritt 2024. Orangensaft sogar um
       mehr als 23 Prozent. Dafür sind die Eierpreise um über 31 Prozent gefallen,
       laut einer Untersuchung von NBC News.
       
       ## Lebensmittel, Benzin, Stahl
       
       Dies hat in Iowa dazu geführt, dass immer mehr Menschen zur Tafel gehen.
       Die gemeinnützige Organisation Des Moines Area Religious Council erklärte
       kürzlich, dass noch nie zu vor so viele Menschen um Unterstützung gebeten
       hatten wie im September. Über 30.000 Menschen allein in der Hauptstadt
       versorgte die Organisation mit Essen und Lebensmittel, im gesamten
       Bundesstaat sind rund [1][17 Prozent auf Lebensmittelspenden] angewiesen.
       
       Etwas mehr als zwei Autostunden östlich von Ankeny liegt die Gemeinde
       Durant. Dort ist auch der nordamerikanische Hauptsitz des deutschen
       Familienunternehmens Group Schumacher. Die Firma produziert vor allem
       Schneidewerke für Landmaschinen. Geschäftsführer Jeff Hipskin ist stolz auf
       seine Arbeit, doch auch er, seine Familie und die Firma zahlten den Preis
       für die aktuelle Politik der US-Regierung. „Jedes Mal, wenn du an der
       Zapfsäule stehst und dir die Preise anschaust, zuckst Du zusammen“, sagte
       er in seinem Büro.
       
       Hipskin ist verheiratet und hat zwei Töchter, die zwischen Fußballtraining,
       Leichtathletik und Schulveranstaltungen hin und her chauffiert werden
       müssen. Da seit dem Beginn des Iran-Konflikts die Spritpreise in Iowa um
       fast 60 Prozent angestiegen sind, muss die Familie bei anderen Dingen den
       Gürtel enger schnallen.
       
       Doch nicht nur die anhaltende Inflation und der Krieg im Iran haben zu
       Preissteigerungen geführt, auch Trumps Zollpolitik hat dazu beigetragen.
       Als US-Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens weiß Hipskin aus erster
       Hand, wie schwerwiegend diese Auswirkungen sind. „Etwa 50 bis 55 Prozent
       der Produkte, die wir verkaufen, werden an unserem Hauptsitz in Deutschland
       gefertigt“, sagt er. Da die meisten Produkte vor allem aus Stahl bestehen
       und der aktuelle Abgabesatz auf EU-Stahl bei 50 Prozent liegt, liegen die
       Extrakosten in Millionenhöhe.
       
       Diese Kosten gibt Group Schumacher fast vollständig an seine Kunden weiter.
       Und das sind vor allem Landwirte, die aktuell besonders unter Trumps
       Politik leiden. Die Zahl der [2][Insolvenzen unter US-Bauern] hat in diesem
       Jahr den höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht, mit steigenden Diesel-
       und Düngerkosten sowie den allgemein steigenden Preisen wird es für sie
       immer schwerer, profitabel zu sein. Auch die überproportional hohen
       Suizidraten unter Bauern sind ein Indikator für ihre prekäre Lage.
       
       Erst vor Kurzem versprach Trump eine weitere Finanzspritze für Landwirte
       von acht Milliarden Dollar, um sie in dieser schwierigen Zeit zu
       unterstützen. Hipskin, der sich selbst als unabhängiger Wähler sieht, hält
       die aktuelle Regierung für unberechenbar und wird deshalb für die
       Demokraten stimmen. „Die Zollpolitik hat uns stark betroffen – insbesondere
       die Zölle auf Stahl sowie die allgemeinen Zölle auf alle Waren, die aus
       Deutschland importiert werden. Das hatte im vergangenen Jahr erhebliche
       Auswirkungen auf unser Ergebnis“, sagt er.
       
       ## Unerschütterlicher Glaube
       
       Für eingefleischte Trump-Wähler wie Stacey Wiese aus Davenport bleibt
       jedoch Trump der Einzige, der den Karren wieder aus dem Dreck ziehen kann.
       Die 53-Jährige beschreibt sich ungern als Republikanerin. „Ich bin gläubige
       Christin“, das stehe an erster Stelle. „Ich bin Mutter. Ich bin Schwester.
       Vor Kurzem geschieden. Ich liebe dieses Land und ich unterstütze Trump“,
       erklärt sie.
       
       Nach ihrer Scheidung musste sie ihr Haus neu finanzieren. Anstelle eines
       Darlehens mit einer Verzinsung von 2,5 Prozent wie zuvor, waren es dieses
       Mal 7,5 Prozent. Das war ein Schlag, erzählt sie. Ihr 22-jähriger Sohn lebe
       zudem noch zu Hause, da es selbst in Iowa immer schwieriger wird,
       bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch wenn Immobilien in Davenport günstiger
       sind als im nationalen Vergleich, sind sie für viele weiter
       unerschwinglich. „Aber das wird ein Ende finden. Ich glaube, dass Trump
       einen Plan hat“, sagt Wiese.
       
       Aber auch sie sieht, dass selbst in einem Staat wie Iowa, den Trump dreimal
       in Folge gewinnen konnte, die demokratische Partei vor allem aufgrund der
       wirtschaftlichen Situation Rückenwind hat. Selbst in ihrem persönlichen
       Umfeld höre sie immer mehr kritische Töne. „In meinem Freundeskreis gab es
       einige Trump-Anhänger, die ihn inzwischen nicht mehr ausstehen können. Sie
       geben ihm und seiner gesamten Regierung die Schuld an allem.“
       
       Sie sehe das anders. „Ich glaube, dass er vieles von Präsident Biden
       übernommen hat. Wobei ich ihn eigentlich gar nicht gerne ‚Präsident Biden‘
       nenne, weil ich glaube, dass er die Wahl nie gewonnen hat“, sagt sie und
       bezieht sich damit auf die Behauptung, die Präsidentschaftswahl 2020 sei
       gestohlen wurde – ein Narrativ, das Präsident Trump und seine Anhänger bis
       heute ohne Beweise verbreiten.
       
       Iowa ist seit zehn Jahren fest in republikanischer Hand. Der Unmut über die
       Regierung in Washington hat auch die republikanischen Kongresskandidaten in
       Iowa in den vergangenen Wochen dazu bewegt, sich von Trump abzuwenden.
       
       Senatskandidatin Ashley Hinson hatte den Präsidenten in den vergangenen
       Wochen öffentlich kritisiert, ein sofortiges Ende des Kriegs mit dem Iran
       und ein Diesel-Exportembargo gefordert, um den heimischen Industrien, allen
       voran Landwirten und Truckern, zu helfen. Ein demokratischer Erfolg wäre
       trotzdem eine Überraschung.
       
       ## 100-Stunden-Woche
       
       1.500 Kilometer weiter östlich ist man an hohe Lebenshaltungskosten
       gewöhnt. Seit vielen Jahren ist New York die teuerste Stadt des Landes,
       doch seit 2020 sind die mittleren Mieten nochmal um rund 25 Prozent
       gestiegen. Die durchschnittliche Miete im gesamten Stadtgebiet liegt nun
       bei 3800 Dollar, im zentralen Stadtteil Manhattan sind es weit über 5000.
       
       Shantee Pastorizas sonniges Gemüt kann all das nicht trüben. An diesem
       frühen Nachmittag putzt sie gerade ihre dritte Wohnung, ein
       3-Zimmer-Apartment in einem 17-stöckigen Hochhaus in Harlem. Ihr Arbeitstag
       wird heute wohl bis Mitternacht gehen. Sie arbeitet rund 100 Stunden in der
       Woche, einen freien Tag nimmt sie sich höchstens einmal im Monat. Neben
       Putzen erledigt sie Fahrdienste für ältere Menschen, kocht für Partys und
       frisiert NachbarInnen in ihrer Wohnung. Und weil das alles noch nicht
       reicht, lernt sie noch für ein Diplom als Krankenpflegerin. Trotz all dem
       lacht sie viel und herzlich und die Geschichten sprudeln nur so aus ihr
       heraus.
       
       Ihr Mann DaShawn ist nicht weniger fleißig. DaShawn hat einen Job bei einer
       Sicherheitsfirma, nebenbei repariert er Computer und Klimaanlagen.
       Insgesamt kommt er auf 80 Stunden. „Wir tun halt, was wir tun müssen“, sagt
       Shantee. Klagen würde sie nie, dazu ist sie nicht der Typ. Und ab und zu
       gönnen sie sich ja auch etwas. Drei- oder viermal pro Jahr gehen sie essen,
       ebenso oft ins Kino und einmal alle zwei Jahre gibt es einen Urlaub.
       Zuletzt waren sie eine Woche in Island.
       
       Mit einem geringeren Arbeitspensum würde eine Familie wie die Pastorizas
       nicht über die Runden kommen. Sie kommen aus einfachen Verhältnissen, haben
       keine höhere Bildung und ziehen vier Kinder groß – je eines aus
       vorhergehenden Ehen und zwei, die sie gemeinsam adoptiert haben. Zudem
       versuchen sie etwas zurück zu legen, sie wollen sich demnächst eine eigene
       Wohnung kaufen. In den Vororten selbstverständlich, in der Stadt, wo der
       durchschnittliche Wohnungspreis über einer Million liegt, könnten sie es
       sich nicht leisten. 200.000 haben sie schon gespart.
       
       ## 500 Dollar Miete nur fürs Auto
       
       Eigentlich könnten sie es sich auch nicht leisten, hier in Manhattan eine
       Wohnung zu mieten. In Shantees Heimatbezirk Harlem, wo die Gentrifizierung
       sich seit der Pandemie noch drastischer beschleunigt als anderswo, stiegen
       die Mieten um knapp neun Prozent pro Jahr. Für eine Wohnung, die für eine
       Familie wie ihre groß genug wäre, müssten sie knapp 6000 Dollar
       hinblättern. Doch zum Glück haben Shantee und DaShawn einen alten
       Mietvertrag in einer städtisch geförderten 4-Zimmer-Wohnung. Und der neue
       Mietendeckel des demokratischen Bürgermeisters Zoran Mamdani friert ihre
       Miete bei 3000 Dollar ein.
       
       Familien, wie die von Shantee und DaShawn, gehören genau zu jenen Leuten,
       für die Mamdani angetreten ist – die einfachen, durchschnittlichen New
       Yorker, für die die Stadt schon lange unbezahlbar geworden ist. Das
       Massachussetts Institute of Technology hat errechnet, dass eine
       sechsköpfige Familie als absolutes Existenzminimum zwischen 143.000 und
       160.000 Dollar pro Jahr braucht. Um bequem zurechtzukommen sind es jedoch
       eher zwischen 350.000 und 500.000.
       
       New York war als globales Wirtschaftszentrum schon immer ein unbegrenzter
       Markt – es gibt immer noch mehr Menschen, die in die Stadt drängen und Geld
       haben. Zuletzt war es die Welle an Arbeitern aus der Technologiebranche,
       die sich immer stärker von der Westküste an die Ostküste verlagert. Rund
       600.000 sind es jetzt in New York. Ein normaler Softwareingenieur verdient
       etwa 250.000 Dollar pro Jahr.
       
       Google und Amazon haben längst gigantische Niederlassungen hier. Google
       besitzt einen kompletten Häuserblock in Chelsea sowie einen neubebauten
       Pier im Hudson, den das Unternehmen für zwei Milliarden Dollar gekauft hat.
       Das Viertel rund um den Union Square wird mittlerweile wegen der vielen
       Start-ups Silicon Alley genannt. Verschärft wird die Lage zusätzlich durch
       die enorme Dichte der Stadt. Wo Raum knapp ist, ist er auch teuer – alleine
       schon abzulesen an den monatlichen Parkkosten von rund 500 Dollar pro PKW.
       Anderswo bekäme man dafür eine Wohnung.
       
       ## Die Coupon-Königin
       
       Die Wohnkosten erzeugen für New Yorker den größten Druck – 30 Prozent der
       Stadtbewohner zahlen dafür mehr als 52 Prozent ihres Einkommens. Doch die
       anhaltende Inflation, an der Trump aller großen Töne zum Trotz nichts
       geändert hat, machen auch alles andere unbezahlbar. Die Lebensmittelpreise
       sind in den vergangenen 10 Jahren um 40 Prozent gestiegen. Unter 200 Dollar
       pro Woche für das Nötigste kommt keine Familie zurecht. Familien mit
       niedrigen Einkommen geben laut offiziellen Statistiken rund 70 Prozent
       ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Eigentlich ist das Leben in New York
       gar nicht möglich.
       
       Zohran Mamdani ist angetreten, um das zu ändern, er hat gelobt, die Stadt
       für Menschen wie Shantee, die einfachen, normalen New Yorker, wieder
       bezahlbar zu machen. Doch für Shantee ist das nichts Neues: „Das höre ich
       seit 15 Jahren.“ Beide Vorgänger von Mamdani haben versprochen die
       „Geschichte zweier Städte“ – wie es Bürgermeister Bill De Blasio ausdrückte
       – einer armen und einer reichen, zu beenden. Doch passiert ist wenig.
       
       Deshalb ist Shantee auch gegenüber den Versprechungen von Mamdani
       skeptisch. „Klar mag ich ihn, er ist ein netter junger Mann. Aber ich habe
       schon sehr vieles gehört und wenig gesehen.“ Die fünf städtischen
       Lebensmittel-Läden, die er eröffnen will, glaubt sie, würden beispielsweise
       niemals ihre Einkaufskosten reduzieren: „Das ist einer für je knapp zwei
       Millionen Menschen. Wie soll das denn funktionieren?“
       
       Shantee vertraut deshalb lieber auf ihr eigenes System. „Ich bin die
       Coupon-Königin“, sagt sie, während sie in ihrer Putzkleidung im geräumigen
       Wohnzimmer ihres Kunden sitzt und den großartigen Blick über die Stadt
       genießt. Auf ihrem Telefon hat sie ein halbes Dutzend Apps, die ihr
       anzeigen, wo es für welche Produkte gerade Sonderangebote gibt. Wenn bei
       Walmart in der Bronx Klopapier im Angebot ist, fährt sie dorthin und kauft
       Vorrat für einen Monat. Wenn es in Brooklyn günstig Kaffee gibt, fährt sie
       über den East River und wenn es sein muss, fährt sie auch für eingefrorene
       Hühnerteile nach Queens.
       
       ## Kein Vertrauen in den Staat
       
       Ganz stolz ist sie auf ihr System, mit älteren Leuten zum günstigen Einkauf
       über den Hudson nach New Jersey zu fahren. Die zahlen ihr dann das Benzin
       und sie kann auch gleich noch um 15 Prozent günstiger tanken als in New
       York, wo die Gallone Normalbenzin mittlerweile 4,20 Dollar kostet – rund
       1,20 Dollar mehr als vor dem Iran Krieg. „Man muss eben klug sein, um in
       New York durchzukommen“, sagt sie mit einem verschmitzten Grinsen.
       
       Politisch ist Shantee derweil eher leidenschaftslos. Sie mag Trump nicht
       besonders, auch wenn sie immer seinen Geldanlagen folgt. „Er ist irgendwie
       eklig. Aber ich glaube, mit Geld weiß er, was er tut“. Aber dass sich für
       sie und ihr Leben durch einen Wandel in Washington irgendetwas
       Grundlegendes ändert, glaubt sie nicht. Sie verlässt sich lieber auf sich
       selbst. So wie sie das schon immer getan hat, seit sie, wie schon ihre
       Mutter, als Teenagerin alleinerziehende Mutter wurde.
       
       Es ist die Lektion, die viele US-Amerikaner zutiefst verinnerlicht haben,
       insbesondere diejenigen, die ohne Vermögen und Privilegien ins Leben
       starten mussten. Nur noch 16 Prozent der Bevölkerung hat Vertrauen in die
       Regierung, mehr als 60 Prozent mögen keine der beiden Parteien. Man muss
       schon selbst anpacken, so wie Shantee und DaShawn das tun, denn dass die
       Regierung einem hilft, so die Grundeinstellung, kann man nicht erwarten.
       „Ich verlasse mich auf niemanden“, sagt Shantee. Egal ob in Washington, in
       der Staatshauptstadt Albany oder im New Yorker Rathaus.
       
       3 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://foodbankiowa.org/news/latest-map-the-meal-gap-more-than-402000-iowans-experience-food-insecurity/
 (DIR) [2] https://dairynews.today/news/us_chapter_12_farm_bankruptcies_rise_46_to_a_six_year_high_7543452.html
       
       ## AUTOREN
       
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