# taz.de -- Nach der Knesset-Wahl in Israel: Eine Brandmauer gegen den Netanjahu-Block
       
       > Die Regierungsbildung in Israel wird kompliziert. Das Offensichtliche
       > muss ausgesprochen werden: Ohne die arabischen Parteien gibt es keinen
       > Wandel.
       
 (IMG) Bild: Demonstrierende in Tel Aviv: Wandel gibt es nur mit den arabischen Parteien
       
       Die Knesset-Wahl der vergangenen Woche war in mehrfacher Hinsicht
       historisch. Eine Rekordzahl von Israelis ging wählen, und die arabischen
       Parteien Ra’am und Vereinigte Liste errangen zusammen 19 Sitze. Doch selbst
       als klar wurde, dass der Eisenkot-Block mit 48 Sitzen weit unter den für
       eine Koalition nötigen 61 lag, brachten die Parteiführungen das
       Offensichtliche nicht über die Lippen: Ohne eine Partnerschaft mit [1][den
       arabischen Parteien] ist kein Wandel möglich.
       
       Einige führende Köpfe des Eisenkot-Blocks schließen die Zusammenarbeit mit
       arabischen Parteien mit der Begründung aus, sie strebten eine
       „zionistische“ Koalition an. Dabei ist Ra’am, eine arabisch-muslimische
       Partei, zionistischer als jede Partei des Netanjahu-Blocks. Sie respektiert
       die israelische Demokratie, hat einen jüdischen Politiker der Mitte
       angeworben, um die jüdisch-arabische Partnerschaft sichtbar zu machen, und
       fordert ausdrücklich, dass arabische Israelis freiwilligen Zivildienst
       leisten.
       
       Allerdings zögert auch die Vereinigte Liste, sich einer
       Anti-Netanjahu-Koalition anzuschließen. Ihr Vorsitzender Yousef Jabareen
       erklärte vor der Wahl, seine Partei werde dem Eisenkot-Block nicht
       beitreten, sondern eine Minderheitsregierung nur von Abstimmung zu
       Abstimmung stützen. Das ist kein Angebot zur Zusammenarbeit, sondern ein
       Rezept für baldige Neuwahlen. Die würden aber nur Netanjahu nützen: Von
       2019 bis 2022 gab es fünf Wahlen in drei Jahren, die die Parteien der Mitte
       und [2][der Linken] zersplitterten, während die Rechte sich radikalisierte
       und zusammenrückte. Das Ergebnis war die „Koalition des Grauens“.
       
       Nach 17 Jahren Netanjahu und vier Jahren mit der schlimmsten Regierung in
       der Geschichte Israels stimmten in der vergangenen Woche Millionen
       jüdischer und arabischer Israelis für einen Wandel. [3][Der Change-Block
       aus jüdischen und arabischen Parteien] errang 67 Sitze, eine klare
       Mehrheit. Sie alle müssen jetzt erkennen, dass der notwendige historische
       Wandel nur durch Partnerschaft gelingen kann. Und zwar geschlossen gegen
       den Netanjahu-Block.
       
       Aus dem Englischen von Naomi Henkel-Gümbel
       
       1 Nov 2026
       
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