# taz.de -- Nach der Wahl in Israel: Bekommt Eisenkot das Mandat, eine Koalition zu bilden?
> Netanjahu-Gegner und Oppositionsführer Eisenkot erhält von den
> israelischen Parteien die meisten Empfehlungen. Was das für eine
> Regierungsbildung bedeutet.
(IMG) Bild: Hat am meisten Empfehlungen bekommen und könnte der erste marokkanischstämmige Premier Israels werden: Gadi Eisenkot
Alle Parteien in Israel haben nun ihre Empfehlungen an Präsident Isaac
Herzog abgegeben, wer das Mandat [1][zur Bildung einer neuen Regierung]
erhalten soll. Bis Donnerstagabend hatte Oppositionsführer Gadi Eisenkot 67
Empfehlungen erhalten – [2][von der arabischen Partei Ra’am], der
[3][Mitte-links-Partei Demokraten], den Mitte-rechts-Parteien Bejachad und
Jaschar, seiner eigenen Partei. Außerdem sprach sich die
arabisch-nationalistische Joint List überraschenderweise für Eisenkot aus.
Der derzeitige Premier Benjamin Netanjahu erhielt hingegen nur 46
Empfehlungen – und zwar von der ultraorthodoxen Partei Schas und den beiden
am ganz rechten Rand stehenden Parteien Religiöser Zionismus und Otzma
Jehudit sowie seiner eigenen Partei Likud. Die ultraorthodoxe Partei
Vereinigtes Thorah-Judentum (UTJ) weigerte sich – obwohl sie Teil der
scheidenden Koalition ist –, einen der beiden Kandidaten zu unterstützen.
Der Präsident erhält zwar die Empfehlungen, hat aber weitreichenden
Spielraum bei der Entscheidung, wen er nun mit der Regierungsbildung
beauftragt. Herzog hat nun bis zum 11. November Zeit, eine Entscheidung zu
treffen. Danach hat der ausgewählte Kandidat 28 Tage Zeit, eine
Regierungskoalition zu bilden, mit der Möglichkeit einer zweiwöchigen
Verlängerung.
Doch bis dahin werden bereits Entscheidungen getroffen: Ganz oben auf der
Agenda der derzeitigen Opposition steht die Ablösung des
Knesset-Präsidenten Amir Ohana von der Likud-Partei. Der hatte jüngst
erklärt, er werde einer Abstimmung über seine Ablösung bei der
Knesset-Eröffnung in der kommenden Woche zustimmen, falls eine Mehrheit der
Abgeordneten dies fordere. Weitere Tagesordnungspunkte sind die Aufhebung
der von der Netanjahu-Regierung verabschiedeten Gesetze zur Justizreform,
die Einrichtung einer staatlichen Untersuchungskommission zum 7. Oktober
2023 sowie die Verabschiedung eines Gesetzes, das für alle Bürger einen
zivilen oder militärischen Dienst vorschreibt.
## Weiter Stimmungsmache gegen arabische Parteien
Und Netanjahu zeigt wieder einmal, dass er noch nicht geschlagen ist: Am
Mittwochabend, während Herzog sich mit der Führung kleinerer Parteien traf,
veröffentlichte Netanjahu seine [4][erste aufgezeichnete Videobotschaft]
seit den Wahlen. Darin warnte er davor, sich auf „islamistische Parteien zu
verlassen, die die bloße Existenz eines jüdischen Staates leugnen“. Er
betonte, dass er eine „breite nationale Koalition“ anführen solle, und
behauptete, die Sorgen „der überwiegenden Mehrheit der israelischen Bürger
würden von den Spitzenpolitikern des linken Blocks leichtfertig
beiseitegeschoben“, die eine Regierung bildeten, die „sich auf
Terrorismusbefürworter stütze“.
Außerdem wiederholte er die Behauptung, dass „ernsthafte Verdachtsmomente
bestehen, dass ausländische Staaten mit riesigen Geldsummen in die Wahl
Ergebnisse im Staat Israel eingegriffen haben“. Diese Behauptung hatte
allerdings keinen Einfluss auf die erfolgte Anerkennung des Wahlergebnisses
durch den Vorsitzenden der Wahlkommission, Richter Noam Sohlberg.
Der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, David Zini, ein von Netanjahu
ernannter Beamter, hatte jüngst eine Untersuchung wegen angeblicher
ausländischer Finanzierung eingeleitet – ohne irgendwelche Beweise für
Fehlverhalten vorzulegen. Das Bestreben: Zweifel an den Wahlergebnissen zu
säen. Zini hatte jüngst verkündet, dass gegen den arabischen Abgeordneten
Ayman Odeh wegen des mutmaßlichen Empfangs von „Hunderttausenden Schekel“
von externen Parteien ermittelt werde. Er erklärte außerdem, weitere
arabische Parteiführer verhören zu wollen, ohne dafür Beweise vorzulegen.
[5][Die israelische Zeitung Ha’aretz] beruft sich in einem Text auf
Schin-Bet-Beamte, die der Zeitung mitgeteilt hätten, dass die Behauptungen
über Einflussnahme übertrieben seien und keinen Einfluss auf das
Wahlergebnis hätten. Die Polizei unter dem rechtsextremen
Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir von der Partei Otzma Jehudit hatte am
Wahltag mehrere Aktivisten der arabischen Partei Ra’am wegen des Verdachts
der Bestechung und Wahlbeeinflussung verhaftet – ohne Beweise vorzulegen.
Bis Mittwoch, acht Tage nach der Wahl, waren alle wieder auf freiem Fuß.
6 Nov 2026
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