# taz.de -- Weltnaturkonferenz in Jerewan: Zwar einige Ergebnisse, aber es fehlt an Geld und Tempo
       
       > Nach zwei Wochen ist der UN-Naturschutzgipfel beendet. Viele Länder
       > fangen an, ihre Natur zu schützen, aber es dauert alles zu lang.
       
 (IMG) Bild: COP17 in Jerewan – bis zur letzten Minute wurde um die Abschlusserklärung gerungen
       
       Auf einen Plan für mehr Naturschutz haben sich die Staaten des UN-Gipfels
       zum Schutz der biologischen Vielfalt geeinigt. Samstagnacht ging das
       Treffen der 196 Mitgliedstaaten des Übereinkommens zur biologischen
       Vielfalt im armenischen Jerewan zu Ende: mit dem erklärten Willen, die 23
       Ziele, die sie sich vor vier Jahren in Montreal gegeben hatten, umzusetzen,
       aber ohne konkrete Beschlüsse, woher das Geld dafür kommen soll oder wie
       die Rolle der Indigenen Gemeinschaften künftig definiert werden soll.
       
       „Es ist noch nicht klar, was aus dieser Konferenz entsteht“, sagt Yves
       Zinngrebe, der für das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig an
       den Verhandlungen teilgenommen hat. Einerseits gab es Gegenwind,
       andererseits stimmt der beschlossene Aktionsplan, der „Armenische Pfad“,
       durchaus hoffnungsvoll. Viele Staaten haben deutlich gemacht, dass sie die
       Kompromisse des UN-Gipfels mittragen, eigentlich aber weitergehen wollen.
       
       Der Gipfel habe vor einem „schwierigen globalen Hintergrund“ stattgefunden,
       sagte Brian O’Donnell, Direktor der Umweltorganisation „Campaign for
       Nature“, [1][doch gebe es Grund zu vorsichtigem Optimismus]. Teilnehmende
       berichteten, vor allem Russland, Saudi-Arabien, Argentinien und Brasilien
       hätten sich vehement gegen fortschrittliche Ergebnisse gewehrt.
       Andererseits zeige „die wachsende Zahl nationaler Biodiversitätspläne, dass
       der Ehrgeiz auf dem Weg zum 30x30-Ziel (also vom Schutz von 30 Prozent der
       Fläche bis 2030) ungebrochen ist“, so O'Donnell.
       
       „Das Tempo und der Umfang der Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um
       der Biodiversitätskrise zu begegnen“, sagte An Lambrechts, Expertin für
       Biodiversitätspolitik bei Greenpeace International. Die in Jerewan
       abgegebenen politischen Versprechen zeugten zwar von guten Absichten,
       beseitigen jedoch nicht die zentralen Hindernisse für eine erfolgreiche
       Umsetzung. „Dazu gehören die unzureichende Finanzierung, fiskalische Zwänge
       und Schuldenlasten, die nahezu leeren Kassen des ‚Cali-Fonds‘ sowie die
       dringende Reform schädlicher Subventionen“, so Lambrechts.
       
       „Die Weltnaturkonferenz in Jerewan hat eine ehrliche Bestandsaufnahme
       geliefert“, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). „Wir
       Europäer haben geschlossen und stark für die Natur verhandelt, aber es gab
       auch Bremser, die weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch in
       finanziellen Fragen“, so der Minister. Mit dem UN-Hochseeschutzabkommen
       werden sich in den nächsten Jahren große neue Chancen für mehr Naturschutz
       in den wertvollsten Gebieten unserer Ozeane ergeben.
       
       ## Keine konkreten Ergebnisse für die Antarktis
       
       Auf konkrete Ergebnisse für den Schutz des Ozeans der Antarktis konnte sich
       die Weltgemeinschaft an anderem Ort allerdings nicht einigen. Nach zwei
       Wochen intensiver Verhandlungen ging am Samstag im tasmanischen Hobart
       nämlich auch die Jahrestagung der Kommission zur Erhaltung der lebenden
       Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) zu Ende. Weder wurde eines der
       vorgeschlagenen Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer beschlossen noch neue
       Vorsorgemaßnahmen für die Rettung des bedrohten Krills, kritisierte die
       Antarctic and Southern Ocean Coalition, ein Netzwerk aus
       Nichtregierungsorganisationen.
       
       Ein handfestes Ergebnis konnten die Mitgliedstaaten der
       Biodiversitätskonvention in Jerewan zumindest fassen: Die nächste
       Naturschutzkonferenz in zwei Jahren wird im ecuadorianischen Quito
       stattfinden. In Armenien selbst hinterlässt der Gipfel ein zwiespältiges
       Bild. Der Politikwissenschaftler Eric Hacopian kritisierte in dem
       unabhängigen Onlinemedium CivilNet die armenische Regierung: Die Chance,
       die wahren Probleme des Landes auf die internationale Agenda zu bringen,
       habe man nicht genutzt.
       
       Armenische Umweltaktivist:innen protestierten gegen die Goldmine von
       Amulsar, die der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan nur wenige
       Tage vor der Konferenz eröffnet hatte. Die Umweltaktivistin Anna
       Shahnazarjan von der NGO „Armenian Environmental Front“ kritisierte die
       Rolle der armenischen Regierung während der COP17. Die Regierung habe sich
       aus der Verantwortung gezogen und über kritische Themen wie den Bergbau und
       die Goldmine nicht gesprochen.
       
       Shahnazarjan sagte, Armenien habe lediglich die Rolle eines
       Eventveranstalters eingenommen, sei aber nicht wirklich Teilnehmer der
       Konferenz gewesen. Teilnehmer:innen etwa aus der europäischen
       Verhandlungsdelegation hingegen hatten das Verhandlungsgeschick der
       armenischen Präsidentschaft gelobt. „Die Präsidentschaft war sehr integer“,
       sagt der Politikwissenschaftler Zinngrebe. „Armenien ist kein Geberland, es
       hat keine finanzielle Macht, etwas durchzusetzen“. Vor diesem Hintergrund
       habe es durch kluge Vermittlung in den Verhandlungen herausgeholt, was
       möglich war.
       
       31 Oct 2026
       
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