# taz.de -- Naturschutzgipfel in Jerewan: Im Endspurt der Verhandlungen geht’s ums Geld
> Beim Weltnaturschutzgipfel sind noch viele Fragen offen: Entscheidend
> ist, ob künftig auch die Finanzminister mit am Tisch sitzen.
(IMG) Bild: Hunderte Milliarden fehlen für den Naturschutz, da muss auch privates Geld mitfinanzieren
Als einen „Machtkampf“ beschreiben Teilnehmer:innen und
Beobachter:innen die Verhandlungen über den Erhalt der Biodiversität
in Jerewan. Seit über einer Woche tagen die 196 Mitgliedstaaten des
UN-Übereinkommens zur biologischen Vielfalt in der armenischen Hauptstadt.
Nun treffen die Minister und Ministerinnen ein und versuchen eine Einigung.
Sie wollen festlegen, wie die im Globalen Rahmenwerk des
Biodiversitätsabkommens enthaltenen 23 Ziele in den kommenden vier Jahren
umgesetzt werden können. Die Stimmung der Beobachter:innen nach der
ersten Verhandlungswoche ist nüchtern: „Es gibt kein kollektives Momentum“,
sagt Yves Zinngrebe vom Leipziger Helmholtz-Institut für Umweltforschung,
„Je mehr es um die konkrete Umsetzung geht, desto mehr werden nationale
Interessen und das Bedürfnis nach Flexibilität laut.“
„Der Erhalt der Biodiversität kostet Geld“, sagt Georg Schwede von der
Organisation Campaign vor Nature, „und der Globale Süden spielt nur mit,
wenn der Norden bezahlt“. Den Industriestaaten falle es sichtlich schwer,
das zu akzeptieren. [1][Vor allem das Versprechen, bis 2030 jährlich
mindestens 500 Milliarden US-Dollar umweltschädliche Subventionen
abzubauen, ist bei den Verhandlungen umstritten]. „Je weniger das gelingt,
desto höher wird das Preisschild bei Ziel 19“, sagt Schwede. Ziel 19 ist,
den Schutz der Biodiversität mit zusätzlichen 200 Milliarden Dollar pro
Jahr aus öffentlichen und privaten Quellen zu finanzieren.
In diesem Sinne haben das Bundesumwelt- und das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) am Montag bekannt gegeben, 300
Millionen US-Dollar für den Weltnaturerbefonds Legacy Landscapes Fund
bereitzustellen, mit dem global bedeutsame Schutzgebiete in Afrika
gefördert werden. Diese Zusage steht allerdings vor dem Hintergrund von
Kürzungen in den Haushalten der beiden Ministerien.
## Nichts geht ohne die Finanzminister
Für künftige Verhandlungen werde es „entscheidend sein, ob die
Mitgliedstaaten ein Gremium beschließen, in dem künftig nicht nur die
Umwelt-, sondern auch die Finanzminister sitzen“, sagt Schwede. „Ohne die
Finanzminister einzubinden, wird es weder gelingen, die umweltschädlichen
Subventionen abzubauen, noch die notwendigen Finanzmittel zur Umsetzung zu
mobilisieren.
Marie-Luise Abshagen, Leiterin des Forums Umwelt und Entwicklung,
beobachtet bei den Verhandlungen „einen Trend aus anderen multilateralen
Verhandlungen – nämlich, einen direkten Bezug darauf, Menschenrechte aus
den Texten herauszuverhandeln“. Vor allem Russland, China, Saudi-Arabien
und Iran versuchten, rechtlich bindende Menschenrechtssprache durch
unverbindliche Begriffe wie „nichtstaatliche Akteure“ zu ersetzen. „Ich
hoffe, dass die anderen Staaten dagegenhalten“, sagt Abshagen.
Außerdem sei wichtig, dass Ansätze wie „Kompensationsinstrumente“ in den
Dokumenten kein zu großes Gewicht erhielten. „Das Prinzip dieser
Instrumente ist theoretisch simpel: Wer der Natur etwas wegnimmt, muss ihr
an anderer Stelle etwas Gleichwertiges zurückgeben“ so Abshagen. Die
Biodiversität im Globalen Süden sei viel zu komplex, als dass man eine
Zerstörung an einer Stelle einfach an einer anderen ausgleichen könne.
Zudem führten Kompensationsinstrumente immer wieder zu Konflikten um Land,
gewännen aber immer mehr an Popularität.
Ob es in den strittigen Punkten Einigungen gibt, ist noch bis Freitag Sache
der Politiker:innen. „Vor uns liegen aber noch dicke Verhandlungsbrocken“,
sagt der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD), der nun an den
Verhandlungen teilnimmt. Er werde sich für konkrete Fortschritte
engagieren: „Für eine breitere Finanzierungsbasis aus öffentlichen und
privaten Mitteln und für eine stärkere Mitsprache der Menschen, die die
Natur vor Ort bewahren“, so Schneider.
Vor Ort – das ist genau die Stelle, an der es weltweit hapert.
„Umweltschädliche Subventionen müssen auch in Deutschland und für den
mehrjährigen Finanzrahmen der EU dringend identifiziert und umgewidmet
werden“, sagt Jannis Stoppel, Experte für internationale Biodiversitäts-
und Klimapolitik der Umweltorganisation Greenpeace. Während die EU in
Jerewan verhandelt, organisieren Umweltorganisationen die Kampagne „Hands
Off Nature“, die sich gegen Bestrebungen richtet, bestehende europäische
Natur- und Umweltschutzgesetze abzuschwächen.
26 Oct 2026
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(DIR) Heike Holdinghausen
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