# taz.de -- Kanzler zu Koalitionsverhandlungen: Wenn Rot-Grün-Rot jetzt angeblich schon New York erschüttert
> Bundeskanzler Merz ist bei der IHK zu Gast, warnt mehr denn je vor
> Enteignungen – und plaudert aus, welchen geheimen Staatsgast er mittags
> empfängt.
(IMG) Bild: Machte sich Dienstag noch weitreichendere Sorgen über Berliner Enteignungspläne: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der IHK
Es ist ja immer mal wieder zu lesen und zu hören, dass der Bundeskanzler
sich gelegentlich etwas verplaudert. Also Dinge sagt, die durchaus nicht
falsch sein müssen, aber vielleicht in jenem Moment nicht oder nicht so
ausgesprochen werden sollten. Wie etwa im April, als Friedrich Merz vor
Schülern [1][bei sich im Sauerland] die US-Strategie im Iran kritisierte
und damit Donald Trump verstimmte.
Am frühen Dienstagmorgen lässt sich bei einem morgendlichen
Frühstücksempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) live und in
Echtzeit erleben, wie so etwas zustande kommt.
Da ist der CDU-Politiker Gast der seit über 20 Jahren laufenden
Gesprächsreihe, wie schon bei deren Start 2005. Merz erzählt, wie er zu
gewissen Entscheidungen mit internationaler Bedeutung gekommen ist und dass
es für ihn dabei eine Rolle spielte, wie der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj vergangenes Jahr [2][im Weißen Haus runtergemacht
wurde]. Und eröffnet dann seinen rund 400 Zuhörern, weil das für ihn
offenbar den Bogen schließt, dass er ebendiesen Selenskyj ja mittags im
Kanzleramt empfangen werde.
Das war deshalb pikant, weil es eine Art Nachrichtensperre gab, bloß nicht
bekannt zu geben, für wen seit dem Morgen schier die halbe Innenstadt
gesperrt und der S-Bahn-Verkehr beeinträchtigt war. Dass es Selenskyj sein
würde, war zwar wegen einer Sicherheitskonferenz naheliegend – aber
Verschlusssache war sein Name trotzdem.
Vom Internationalen kommt Merz dann durchaus zügig zur Berliner
Landespolitik und einer [3][möglichen rot-grün-roten Koalition]. Es ist bei
Weitem nicht das erste Mal, dass sich Merz gegen die geplante
Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen großer Konzerne wendet. Schon im
Juli hat [4][der Koalitionsausschuss von CDU und SPD] als Reaktion auf
diese Möglichkeit beschlossen, derartige Enteignungen auf Landesebene per
Gesetz verbieten zu wollen. Der Entwurf dafür ist laut Merz nun fertig.
## Auswirkungen „nach London, Paris und New York“
Neu aber ist das Schreckensszenario, das der Bundeskanzler an diesem Morgen
malt. „Es wird insgesamt dem Wirtschaftsstandort massiv schaden“, sagt er
voraus. Nicht nur ganz Deutschland wäre aus seiner Sicht von den Folgen
Berliner Enteignungen betroffen – sein Blick geht bis über den Atlantik.
„Wenn in Deutschland, wenn in der Hauptstadt unseres Landes offen über
Enteignungen geredet wird, dann hat das Auswirkungen bis hin auf die
Kapitalmärkte nach London, Paris und New York.“
Das hieße: Was dreieinhalb Kilometer östlich von jener Charlottenburger
IHK-Veranstaltung dazu im Abgeordnetenhaus beschlossen würde, hätte
Auswirkungen in der gesamten westlichen Welt. Die 153 Mitglieder des
Landesparlaments oder zumindest die Vergesellschafter unter ihnen würden
dann quasi Weltpolitik machen. Das klingt fast wie verplaudert – bei
Selenskyj hat es immerhin gestimmt.
3 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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