# taz.de -- „Ali G“-Comeback: Karikaturen, die von Fox News stammen könnten
       
       > Sacha Baron Cohens „Ali G“-Comeback erweist sich als Flop. Sein Humor ist
       > schlecht gealtert.
       
 (IMG) Bild: Hier als er selbst: Sacha Baron Cohen kommt als Ali G. ins Kino
       
       Keine Woche lief der Film in den deutschen Kinos, schon ist er bei einem
       großen Streamingdienst zu sehen. Damit erweist sich das Comeback des
       Comedians Sacha Baron Cohens mit seiner Kunstfigur „Ali G.“ als Flop.
       
       Der 55‑Jährige kehrt darin zu seinen Anfängen zurück: Mit der Rolle eines
       trotteligen Vorstadt-Rappers begann er in den frühen 2000er Jahren seine
       Karriere, in seiner „Da Ali G Show“ führte er absurde Interviews mit
       Politikern und Prominenten, um sie mit scheinbar naiven Fragen vorzuführen.
       Eines seiner ersten Opfer: ein gewisser Donald Trump.
       
       Schon als sein erster Spielfilm „Ali G in da House“ vor 24 Jahren in die
       Kinos kam, gab es Kritik, sein [1][Humor sei rassistisch]. Denn Cohen
       machte sich über die ursprünglich schwarze und heute längst globalisierte
       HipHop-Kultur lustig und verballhornte jamaikanisches Rap-Patois.
       [2][Manche sahen darin eine moderne Form des „Blackfacing“], mit dem sich
       weiße US-Amerikaner im 19. Jahrhundert über Schwarze lustig machten, indem
       sie sich schwarz anmalten.
       
       ## Schwule-Klischees und Stereotype über Muslime
       
       Seine größten Erfolge feierte Cohen mit seinen Mockumentarys, insbesondere
       mit „Borat“ (2006). Als vermeintlich kasachischer Reporter mit markantem
       Schnurrbart stolperte er durch peinliche Alltagsszenen und führte seine
       ahnungslosen Gesprächspartner mit versteckter Kamera vor, um ihre
       Vorurteile zu entlarven. Die kasachische Regierung war wenig begeistert,
       dass Cohen ihr Land als rückständig, antisemitisch und primitiv darstellte.
       Auch ein rumänisches Roma-Dorf fühlte sich getäuscht und klagte dagegen,
       sich im Film als Diebe und Frauenfeinde dargestellt zu sehen, die Klage
       wurde aber von einem US-Gericht abgewiesen.
       
       Mit seinen späteren Filmen konnte Cohen nicht mehr an diesen Erfolg
       anknüpfen. Sein Nachfolger „Brüno“ nervte mit Klischees über schwulen Sex
       und brachialem Fäkalhumor. Und seine Komödie „Der Diktator“ von 2012
       hinterließ einen fragwürdigen Beigeschmack, konnte man sie nach den
       brutalen Kriegen der USA im Irak und in Libyen doch durchaus als
       humoristische Rechtfertigung von gewaltsamen „Regime Changes“ verstehen.
       
       Nahöstliche Potentaten wie Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi boten zwar
       reichlich Stoff für [3][humoristische Überspitzung.] Im Rückblick fällt
       aber auf, wie gerne Cohen in seinen Filmen gerade Stereotypen über Muslime
       bediente.
       
       ## Von Trump abgehängt
       
       Angesichts der Absurditäten der Trump-Ära, die vor fast zehn Jahren mit
       dessen erster Präsidentschaft 2017 begann, wirkt seine Satire zudem oft
       stumpf und von der Realität überholt. Und angesichts des Hasses und der
       Häme, mit der rechte Populisten gegen alles, was sie für „woke“ halten, zu
       Felde ziehen, wirkt sein „Bothsideism“, mit dem er gegen rechte Rassisten
       wie vermeintlich linke Moral gleichermaßen austeilt, etwas aus der Zeit
       gefallen.
       
       Das zeigt sich auch in seinem neuen „Ali G“-Film. Dessen zweite Hauptfigur
       ist ein „woker“ Professor für Gender Studies mit dem absurden Namen Dr.
       Nira Cain-N’Degeocello, der ebenfalls von Cohen verkörpert wird. Der trägt
       natürlich eine Keffiyeh und will Ali G, dem er „kulturelle Aneignung“
       vorwirft, deswegen „canceln“ – die Karikatur eines linken Akademikers, die
       [4][dem rechten Hetzsender Fox News] entsprungen sein könnte.
       
       In seinem Versuch, vermeintlich humorlose Moralapostel zu karikieren, wirkt
       Cohen selbst humorlos und platt.
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Daniel Bax
       
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