# taz.de -- Telefongespräch mit Putin: Sturm im Wasserglas
       
       > In der EU zählen Eitelkeiten noch immer mehr als Entschlossenheit. So
       > spielt Europa keine Rolle bei Krieg und Frieden auf dem eigenen
       > Kontinent.
       
 (IMG) Bild: Selenskyj, Støre und Stubb bei einer Pressekonferenz in Oslo im Oktober 2026
       
       Es ist beschämend, was die EU außenpolitisch gerade wieder zelebriert.
       Während der US-Präsident ein direktes Treffen des ukrainischen Staatschefs
       Wolodymyr Selenskyj mit Kremlherrscher Wladimir Putin forciert – aus
       wirtschaftlichen Interessen -, streiten sich europäische Länder über den
       Umgang mit Russland.
       
       Die dänische Regierungschefin [1][Mette Frederiksen wirft Finnlands
       Präsident Alexander Stubb und Norwegens Premier Jonas Gahr Støre
       Alleingänge vor]. Die beiden waren schon geschlagen genug, sich am Dienstag
       fast anderthalb Stunden lang Putins Monolog über slawische Völker im
       Mittelalter und seine daraus abgeleitete Lesart, warum Russland den
       ukrainischen Donbass bekommen müsse, anhören mussten. Und danach auch noch
       die Schelte aus Dänemark und Schweden, unabgestimmt mit anderen
       europäischen Staaten mit dem Kremlchef telefoniert zu haben.
       
       Offenbar zählen in der EU Eitelkeiten noch immer mehr als Entschlossenheit.
       Die Entschlossenheit, sich so einzubringen, dass Europa bei Verhandlungen
       über Krieg und Frieden auf dem eigenen Kontinent mit am Tisch sitzt. Und
       sich zu freuen, dass in der Ukraine-Frage mit Norwegen und Großbritannien
       über die EU-Staaten hinaus (noch) Einigkeit in Europa besteht.
       
       Entschlossen muss Europa an der Seite der Ukraine stehen und
       Verhandlungsschritte mit Kyjiw abstimmen – [2][was Støre und Stubb mit
       Selenskyj und US-Unterhändler Steve Witkoff in Oslo taten].
       
       Statt einen Sturm im Ostsee-Wasserglas zu entfachen, müsste jedes
       europäische Land das Maximum tun, um Putin an den Verhandlungstisch zu
       bringen: Dänemark mit robustem Einsatz gegen Moskaus Schattenflotte in der
       Ostsee. Belgien durch Beschlagnahme der dort eingefrorenen russischen
       Milliarden. Deutschland mit Waffenlieferungen und Finanzhilfen an Kyjiw und
       seinen traditionellen Russlandbeziehungen.
       
       Nur dann kann Europa eine Rolle spielen in einem nun schon viereinhalb
       Jahre dauernden Konflikt.
       
       29 Oct 2026
       
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 (DIR) [1] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101500544/frederiksen-kritisiert-telefonat-mit-putin.html
 (DIR) [2] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-treffen-witkoff-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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